Wie das Dörzbacher Bahnhofsumfeld attraktiver werden soll
Dörzbach will das Areal rund um den historischen Bahnhof der Jagsttalbahn aufwerten. Wie es dort künftig aussehen könnte, zeigt der Siegerentwurf eines Architekturwettbewerbs.

Es ist ein Projekt, das Dörzbach über viele Jahre begleiten und letztlich verändern soll: die Teilnahme am städtebaulichen Sanierungsprogramm. Stattfinden soll diese Veränderung vorwiegend im Umfeld des historischen Bahnhofs. Um zu einer optimalen Lösung zu kommen, die zu Dörzbach passt, hat die Gemeinde einen Wettbewerb ausgelobt, eine sogenannte Mehrfachbeauftragung. Teams, bestehend aus Stadtplanern und Landschaftsarchitekten, sollten nun ihre Ideen für das Areal entwickeln. Der Planbereich umfasst einen sogenannten Realisierungsteil und einen Ideenteil. Ersterer betrifft vor allem gemeindeeigene Flächen entlang der Bahntrasse und soll sukzessive umgesetzt werden. Besonders wichtig: Eine gute Lösung für die Bushaltestelle zu finden und ein Umfeld mit Aufenthaltsqualität zu schaffen.

Der Ideenteil erarbeitet dagegen eine städtebauliche Vision. Diese soll aufzeigen, wie das Gebiet südlich des Bahnhofs bis zur Klepsauer Straße weiterentwickelt werden könnte. Da man es hier jedoch mit vielen privaten Wohngebäuden zu tun hat, ist die Umsetzung vor allem von der Kooperation der Bürger abhängig. Durch das Sanierungsprogramm profitieren Eigentümer von Zuschüssen, wenn sie ihre Immobilie modernisieren oder abreißen.
Immer wieder betonen die Planer Thomas Sippel und der für das Sanierungsgebiet zuständige Steffen Moninger aber: Kein Hausbesitzer muss fürchten, dass die Gemeinde ihn zwingt, sein Gebäude zu sanieren oder gar abzureißen. Dennoch wolle man in die Zukunft blicken und sich Gedanken machen, wie Dörzbach an dieser Stelle irgendwann einmal aussehen könnte. Denn derzeit sei der „erste Eindruck von Klepsau kommend wenig attraktiv“, so Sippel.
Wie das Dörzbacher Bahnhofsareal künftig aussehen soll, dafür hatten die Architekturbüros ganz unterschiedliche Ideen
Was sich die Büros letztlich ausgedacht haben, ist durchaus kreativ – und sehr unterschiedlich. Und das, obwohl man im Vorfeld sehr genaue Vorgaben gemacht hat, um möglichst zur Gemeinde passende Entwürfe zu bekommen.
In einer Arbeit zieht sich ein symbolisches „Gleis 1“ über das gesamte Gelände, an dem sich die Ideen quasi entlanghangeln. Ein Aussichtsturm bildet den imposanten Zugang zum Areal an der Ecke Mühlgartenweg/Bahnweg. Doch weder der Turm, noch das „Gleis 1“ stieß bei der Bewertungskommission auf viel Gegenliebe, wie Thomas Sippel erläutert. Die Denkmalpflege etwa verwies auf den Umstand, dass es nie ein Gleis 1 gegeben habe. Der Turm sei ein Projekt, so Sippel, das auch rein aus Kostengründen nicht so einfach zu realisieren sei.
Manche Idee für das Bahnhofsareal geht an den Bedürfnissen Dörzbachs vorbei
Im Ideenteil stieß man sich daran, dass die Planer Wohnblocks im Osten beim Bahnhof und Einfamilienhaus-Strukturen im Westen Richtung Industriegebiet vorgesehen hatten. Auch ein weiterer Entwurf sah einen Turm vor, jedoch an anderer Stelle. Mit Blick auf die Finanzen und den Bedarf der Gemeinde sei es wenig realistisch, ein solches Objekt zu bauen. Ein „Gleispromenadenpark“ im Westen der Gleise sei wiederum ein guter Ansatz, befand die Kommission, verlagere die Aufenthaltsflächen aber in den falschen Bereich. Das wolle man eher im Osten und um den Bahnhof konzentrieren.

An den Kritikpunkten lässt sich denn gut ablesen, wohin die Reise für Dörzbach gehen soll. Der Siegerentwurf von der Büro Hink Landschaftsarchitektur GmbH und der Zoll Architekten Stadtplaner GmbH hat alle gewünschten „Funktionen an der richtigen Stelle“ und sei „absehbar realisierbar“, lobt Sippel. Eine Bahnhofswiese bietet einen ansprechenden Aufenthaltsbereich, die Bushaltestelle ist sinnvoll angeordnet und entspricht den Vorgaben des NVH. Die Austraße werde ab dem Bahnhofsplatz zum grünen Anliegerweg, ein „interessanter Kniff“, so Sippel. An der Omnibushalle stellen sich die Planer eine temporäre gastronomische Nutzung vor, darin eine Ausstellungs- und Spielhalle. Nebenan wird in historischen Waggons Wissen zur Bahn und zur Gemeinde vermittelt.
Siegerentwurf für Aufwertung des Bahnhofsumfelds passt zu Dörzbach
Der Ideenteil sieht sowohl Mehrfamilienwohnen wie auch Einfamilienhäuser vor. „Es ist eine robuste Lösung, die nicht davon abhängig ist, dass alles umgesetzt wird.“ Alles in allem findet Thomas Sippel, habe man hier eine angemessene und passende Lösung für Dörzbach vorliegen. Das sieht auch der Gemeinderat so und stimmt zu, mit den Siegerbüros über das weitere Vorgehen zu verhandeln. Spannend dürfte hierbei werden, welche Kosten die Planer dabei ermitteln.
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