Asphalt-Recycling im Rüblinger Steinbruch: Transparenz ist und bleibt unbedingt erforderlich
Dass die zwei Vorhabenträger - Strabag und die Paul Kleinknecht AG - nun auf eine Kernforderung der Kritiker eingehen, ist richtig. Jene sollten sich gegebenenfalls aber auch durch Fakten überzeugen lassen, kommentiert unser Autor.

Es war mit Ansage: Kaum mehr ein größeres Infrastrukturprojekt lässt sich heutzutage realisieren, ohne dass sich Opposition in Form einer Bürgerinitiative regt. Zumal nicht, wenn neben Lärm- oder Geruchsbelästigung auch gesundheitliche Risiken in Rede stehen – oder zumindest eifrig behauptet werden.
Von der durch die Kritiker ins Feld geführten Emission teils krebserregender Substanzen, wie etwa Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Stickstoffe, Feinstäube, Dioxine oder Furane kann zwar – folgt man den Beteuerungen der Projektierer und setzt auf die Funktion der Genehmigungsbehörde – keinerlei Rede sein. Dennoch gibt es vor Ort in den nur 900 Meter vom avisierten Standort des Pilotprojekts entfernten Ortschaften mannigfaltige Bedenken und Sorgen.
Auf beiden Seiten muss man sich bewegen
Nicht nur, weil voraussichtlich rund 1,7 Tonnen CO2 je Stunde Anlagen-Laufzeit emittiert werden, sondern auch, weil man aufseiten der Vorhabengegner – auch dies ein durchaus üblicher Vorwurf bei solchen Großprojekten – bereits wieder Mauscheleien zwischen Unternehmen und Behörden wittert.
Jene Eindrücke zu entkräften: Dafür hat die neu gegründete Firma NovoRock besagte „Runden Tische“ ins Leben gerufen und einen Mediator engagiert. Nach der Premiere muss man sagen: Bisher ist dies ganz offenkundig nicht ausreichend gelungen.
Transparenz ist und bleibt wichtig
Daher ist es gut, dass die Projektierer nun auf eine zentrale Forderung der Skeptiker eingehen – und sich dazu entschieden haben, auf freiwilliger Basis den sogenannten Scoping-Termin beim Regierungspräsidium zu beantragen.
Ob sich die Kritiker indes dann von Fakten überzeugen lassen oder sich wiewohl unbelehrbar in populistische Fake News flüchten? Auch dies bleibt eine Entwicklung, die – wie in vergleichbaren Fällen – abzuwarten sein wird. Möglichst große Transparenz ist bei dem umstrittenen Modellversuch jedenfalls ganz sicher angeraten.
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Kommentare
Christina Leib am 07.08.2024 12:24 Uhr
Kommentar zum Artikel/Kommentar von Herrn Nick vom 06.08.2024 „Asphalt-Recycling bei Kupferzell sorgt auch nach "Runden Tischen" weiter für Knatsch“:
Die „Bürgerinitiative gegen Teerverbrennung im Steinbruch Rüblingen“ (BI) wird von Herrn Nick nicht nur zwischen den Zeilen mit unbelehrbaren Kritikern, die sich in populistische Fake News flüchten, verglichen (siehe Kommentar) – so zumindest kam dies beim Lesenden an. Den Ton / die Wortwahl, in dem über die direkt betroffenen Bürgerinnen und Bürger der BI berichtet wird, empfinde ich als nicht angemessen. Vielmehr wäre eine für alle Seiten neutrale Berichterstattung unerlässlich gewesen. Mit gutem Journalismus hat das m.E. leider nichts zu tun.
Gestatten Sie mir in diesem Zusammenhang die Frage, ob Sie als Journalist über die tatsächlichen Gegebenheiten eingehend recherchiert haben? Kennen Sie die Mitglieder der BI überhaupt?
Diese Tonart in Verbindung mit den geäußerten und durchaus verständlichen Sorgen der Bürgerinnen und Bürger anzuwenden, finde ich hier fehl am Platz. Schließlich geht es um Menschen, die um die Gesundheit ihrer Familien, ihrer Kinder und Enkel und den Erhalt der umliegenden Flora und Fauna fürchten.
Wie sollten denn Bürgerinnen und Bürger reagieren, wenn quasi vor ihrer Haustür solch eine Teerverbrennungsanlage entstehen soll? Wir können uns nicht aus der Verantwortung ziehen, indem wir die Augen vor dem verschließen, was uns nicht direkt selbst betrifft und uns stattdessen über querulante Bürgerinitiativler mokieren. Wie oft in der Geschichte gab es schon Aussagen wie „Wir garantieren, dass….“ und wie oft stellten sich diese vollmundigen Beteuerungen im Nachhinein als unwahr heraus? Aber hier fehlen offensichtlich nach wie vor genaue Fakten und Zahlen vor allem hinsichtlich der zu erwartenden Emissionen, obwohl man das Genehmigungsverfahren bereits im Herbst starten möchte. Neben anderen Faktoren wie Lärmbelastung, hohes Verkehrsaufkommen durch Laster u.a. glauben die direkt betroffenen Menschen eben nicht an ein „umweltfreundliches Verfahren“, wie die Betreiber in ihrer Website deklarieren, und auch nicht daran, dass am Ende nur „CO2 und H2O“ herauskommen sollen. Ist das nicht verständlich?
Wie oft gab es Bauprojekte mit „rundem Tisch“ und tatsächlich auch Bürgerbeteiligung, deren durchgesetzte Vorhaben am Ende ganz andere Fakten geschaffen haben? Im Nachhinein gab es Erklärungen und Rechtfertigungen, die aber ein Rückgängigmachen nicht mehr zuließen. Gerade durch die mediale Berichterstattung sind die heutigen Bürgerinnen und Bürger informiert und sensibilisiert. Auch das ist verständlich.
Wie man allein anhand der aufwändigen und sicher teuer erstellten Website und der Akquirierung eines „Experten für Organisationsentwicklung, Konfliktlösung und Dialogmanagement“ als Mediator und Sprecher erkennen kann, hat novoRock vermutlich schon viel Zeit, Geld und Energie investiert, um dieses Vorhaben zu realisieren. Leider wurden auf dem Weg der Vorbereitungen offenbar die direkt betroffenen Bürgerinnen und Bürger zunächst nicht mit einbezogen, so mein Eindruck. Transparenz wäre von Anfang an ratsam gewesen. Wohl wissend um vergleichbare Projekte und deren Widerstände in der Bevölkerung hatte man mit einer Standortpotenzialanalyse einen Standort wie Rüblingen auserkoren und war offensichtlich der Meinung, man könne zu einem späteren Zeitpunkt den Bürger mit Argumenten wie Nicht-Sichtbarkeit der Anlage aus den umliegenden Ortslagen oder Teilhabe der Rüblinger an der erzeugten Abwärme u.a. überzeugen.
Es ist doch mehr als nur verständlich und aus Erfahrung auch nicht ganz unberechtigt, dass sich die Bürgerinnen und Bürger Sorgen machen. Eine mediale Berichterstattung ist dabei auch wichtig, aber ich wünsche mir mehr Respekt und Neutralität, lieber Herr Nick. Vielen Dank!