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Umstrittenes Pilotprojekt

Asphalt-Recycling bei Kupferzell sorgt auch nach "Runden Tischen" weiter für Knatsch

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Eigentlich sollten sich durch die Vermittlungsversuche zu dem im Rüblinger Steinbruch geplanten Pilotprojekt die Wogen glätten. Wieso dies nicht gelungen ist - und warum die Vorhabenträger nun eine Kernforderung der Kritiker aufgreifen.  

von Christian Nick
Weiterhin herrscht Zoff um das im Rüblinger Steinbruch geplante Pilotprojekt, mit welchem Steine aus alten Straßenbelägen extrahiert werden sollen: Nun wollen die Verantwortlichen auf die Kritiker zugehen.
Weiterhin herrscht Zoff um das im Rüblinger Steinbruch geplante Pilotprojekt, mit welchem Steine aus alten Straßenbelägen extrahiert werden sollen: Nun wollen die Verantwortlichen auf die Kritiker zugehen.  Foto: privat

Weiterhin viel Rauch und heißen Meinungsstreit gibt es um die vom Straßenbaukonzern Strabag und der Paul Kleinknecht AG im Rüblinger Steinbruch geplante Anlage zur Wiederaufbereitung von Alt-Asphalt: Eigentlich sollte das Angebot von „Runden Tischen“ helfen, den Konflikt zwischen Anwohnern sowie Projektierern zu schlichten und für mehr Sachlichkeit statt Polemik in der Auseinandersetzung um das Projekt namens NovoRock zu sorgen (wir berichteten).

Zwischenzeitlich haben die ersten beiden Vermittlungsversuche stattgefunden: Im Juni und Juli kamen Vorhabenträger, Bürger aus Kupferzell und Braunsbach, die jeweiligen Bürgermeister sowie einige Gemeinderäte zusammen. Das Ergebnis: Statt die Wogen zu glätten, schäumen jene hinterher erst recht. „Die Mehrzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer verlässt zutiefst enttäuscht und empört den Runden Tisch in Rüblingen“, teilt die Bürgerinitiative (BI) „Gegen Teerverbrennung im Steinbruch Rüblingen“ mit. Die Kritiker erheben Vorwürfe und sehen den Anspruch auf transparente Informationspolitik weiterhin nicht erfüllt. Bei der jüngsten Zusammenkunft sei gar „die Lage eskaliert“ – und bereits nach 20 Minuten Dauer habe die „Besprechung fast abgebrochen werden müssen“, informiert Sprecher Rainer Frenzel für die BI.

Kritiker der geplanten Anlage bei Rüblingen wittern Mauscheleien

Zahlreiche Mitglieder und Bürger hätten nun zunächst entschieden, bis auf Weiteres nicht mehr an neuen Runden des örtlichen Vermittlungsausschusses teilnehmen zu wollen. Grund für den Frust: Lediglich „oberflächlich und ohne Angabe von Nachweisen“ seien ihre Anliegen dort behandelt worden, sagen sie. „Einige der insgesamt 30 gestellten Fragen blieben gänzlich unbeantwortet“, heißt es in einer Mitteilung der BI. Ihr Fazit: „NovoRock hat kein wirkliches Interesse an einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Das ist im Grunde nur eine Alibi-Veranstaltung“, so die BI-Vertreter weiter.

Martin Weiß, Geschäftsführer bei Kleinknecht und NovoRock, sei insbesondere „Antworten auf Fragen zu dem zu erwartenden Schadstoffausstoß und zur Anlagen- und Filtertechnik“ schuldig geblieben. Erst später hätten die Projektierer dann auf ihrer Homepage diverse inhaltliche Punkte veröffentlicht, die sich auf entsprechende Fragen bezogen. „Wir fühlen uns für dumm verkauft“, schreiben die BI-Leute. „Vollkommen intransparent“ führe Weiß „Einzelgespräche mit Behörden – ohne jede Info für den Runden Tisch“. Diese Strategie mache „offenen Dialog zum umfassenden Informationsaustausch für die Behörden schwerer und für die Entscheidungsträger und die Bürger unmöglich“, klagen die Kritiker.

Ihre Forderung: Es müsse zumindest ein sogenanntes Scoping-Verfahren öffentlich durchgeführt werden. Ein solcher Termin ist eine Art Vorverfahren, das innerhalb eines Planungsprozesses und in der Regel vor Stellung des offiziellen Genehmigungsantrags läuft sowie Behörden und andere Akteure beteiligt. Nur so könnten die Projektierer wieder Vertrauen gewinnen.

Warum die Projektierer nun Zugeständnisse machen

Dort hat man mittlerweile einen professionellen Mediator eingeschaltet: Dr. Piet Sellke soll einerseits die besagten Vermittlungsrunden moderieren und andererseits als Sprecher nach außen fungieren. „Wir verstehen natürlich, dass ein solches Projekt Fragen und immer auch Sorgen auslöst“, sagt der beauftragte Konfliktlöser. Gerade deswegen habe man ja „früh den Dialog gesucht“ – und schon im Sommer vergangenen Jahres die Pläne erstmals öffentlich vorgestellt (wir berichteten). „Alle geltenden Grenzwerte gemäß Bundesimmissionsschutzverordnung werden eingehalten und auch künftig kontinuierlich überprüft, so dass von keiner Gefahr für Mensch und Umwelt auszugehen ist“, betont Sellke.

Bereits vor Beginn des Genehmigungsverfahrens beim Regierungspräsidium Stuttgart habe man informiert – daher könne eben noch nicht jedes Detail zufriedenstellend beantwortet werden, weil entsprechende Gutachten erst später angefertigt würden. „Die Fragen wurden dabei keineswegs oberflächlich beantwortet, sondern nach der vorliegenden technischen Expertise“, so der Sprecher weiter. Man hoffe sehr, dass sich der Dialog der „Runden Tische“ fortführen lasse.

Dennoch machen die Projektierer nun Konzessionen. Martin Weiß kündigt an: „Uns ist sehr am gegenseitigen Vertrauensaufbau gelegen. Daher haben wir uns kurzfristig entschieden, die Durchführung eines Scoping-Termins beim Regierungspräsidium zu beantragen.“ Großen zeitlichen Verzug soll es dadurch nicht geben: Am Ziel, im Herbst ins Genehmigungsverfahren zu starten, wolle man festhalten, sagt Sellke. 

Was das bei Rüblingen geplante System leisten soll

Mit der eigens gegründeten Firma NovoRock und dem Modellversuch wollen Strabag und der örtliche Steinbruch-Betreiber – die Firma Paul Kleinknecht – alte teerhaltige Straßenbeläge mittels Verbrennung in ihre Bestandteile zerlegen, die beinhalteten Steine recyceln und auf diese Weise neues Baumaterial gewinnen. Laut Vorhabenträgern soll dabei kein Teer verbrannt werden – der durch die BI verwendete Begriff der „Teerverbrennung“ sei daher irreführend. Vielmehr werde lediglich, darauf legen sie Wert, CO2 freigesetzt.

Das Verfahren sei dennoch letztlich umweltfreundlicher als das übliche Prozedere: Bislang musste alter Straßenschutt per LKW nach Rotterdam gefahren werden, wo sich bis heute die einzige Asphalt-Aufbereitungs-Anlage Europas befindet. „Wir sind überzeugt von der Nachhaltigkeit und Sicherheit unserer Anlage“, bekunden die Verantwortlichen. Die Projektgegner bezweifeln hingegen, dass in Summe Kohlenstoffdioxid eingespart werde. Die Anlage soll einen Einzugsbereich von rund 100 Kilometern abdecken. „Mehrere dezentrale Standorte“ mit möglichst kurzen Transportwegen werden laut den Projektierern "politisch angestrebt".

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