Professor Dr. Albert Ludolph forscht seit 40 Jahren auf dem Gebiet neurodegenerativer Erkrankungen wie der ALS und gilt international als Experte. Der 72-Jährige war Professor und Lehrstuhlinhaber für Neurologie an der Universität Ulm von 1996-2024. Heute ist er Seniorprofessor der Medizinischen Fakultät in Ulm. Dort gründete er das ALS-Forschungszentrum. Mittlerweile arbeitet er in der Beta-Klinik in Bonn und ist ärztlicher Leiter des medizinischen Versorgungszentrums in Göppingen.
Experte im Gespräch: „Man kann nur effektiv gegen ALS vorgehen, wenn man sie früh diagnostiziert“
Professor Dr. Albert Ludolph gehört zu den renommiertesten Forschern der ALS. Früherkennung sei wichtig, um effektiv dagegen vorzugehen, sagt der 72-Jährige.

Professor Dr. Albert Ludolph gehört zu den renommiertesten Forschern der ALS. Früherkennung sei wichtig, um effektiv dagegen vorzugehen, sagt der 72-Jährige.
Wie weit ist die Medizin in Sachen Behandlung von ALS?
Professor Albert Ludolph: Es gibt mittlerweile ein sehr wirksames Medikament, das allerdings nur bei einem Prozent der ALS-Patienten einen Effekt hat. Das Medikament heißt Tofersen, das die negative Wirkung des toxischen Gens bei ALS reduziert. Der Krankheitsverlauf wird deutlich in der Geschwindigkeit reduziert.
Wieso ist es so schwierig, ein Medikament gegen ALS zu entwickeln?
Ludolph: ALS war vor 40 Jahren noch ein Mysterium. Die Krankheit schreitet schnell voran. Man kann nur effektiv dagegen vorgehen, wenn man sie früh diagnostiziert, bevor Symptome auftreten. Das heißt, eine präventive Strategie ist die beste.
Wie darf man sich das vorstellen? Eine Untersuchung ohne Symptome?
Ludolph: Ja, das gibt es schon bei Krebserkrankungen. Beispielsweise bei Prostata-Karzinomen steigt der sogenannte PSA-Wert vor dem Auftreten der Erkrankung an und kann im Blut gemessen werden. Man muss Risikogruppen definieren, etwa ab einem gewissen Alter und dort messen. Ähnliches gilt für die ALS. Risikopatienten sind in erster Linie ältere Menschen, etwa über 60.
Tritt ALS auch bei jüngeren Menschen auf?
Ludolph: Der Extremfall ist das Auftreten der ALS bei Kindern. In China, Ägypten, Deutschland und Frankreich wurden Kinder mit ALS untersucht. Die Krankheit ist sehr selten in dieser Altersgruppe; eine genetische Prädisposition, aber auch Blutsverwandtschaft erhöhen das Risiko.
Ein Blick in die Glaskugel. Wie weit weg ist die Medizin von einer Therapie?
Ludolph: Für mich ist die Definition der präklinischen Phase die wichtigste Aufgabe der Wissenschaft in der Zukunft. Kandidaten für solche Veränderungen, die die Erkrankung vorhersagen und damit behandelbar machen sind die Genetik, der Stoffwechsel oder sogar Veränderungen des Schlafes.
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