Deutschland sucht in Mexiko – für Mergentheim, aber nicht für Öhringen
Zwei mexikanische Ärztinnen arbeiten am Caritas-Krankenhaus in Bad Mergentheim, das wie das Öhringer Krankenhaus zur BBT-Gruppe gehört. Warum fast nur in diesem Land gesucht wird.

„¿Qué tal?“ – „Wie geht’s?“: Es ist wohl die Phrase, die Deutsche lernen, wenn sie Spanischunterricht nehmen. Die Frage nach dem Wohlergehen spielt in den spanischsprachigen Ländern eine zentrale Rolle, auch wenn die Antwort oftmals lapidar ausfällt. Für zwei Mexikanerinnen ist das Wohlergehen von Patienten in der Caritas-Klinik Bad Mergentheim nun das täglich Brot.
In Mexiko und Kolumbien wird nach Ärzten gesucht
María Fernanda Hernández Moreno arbeitet im Caritas-Krankenhaus in der Nephrologie, Giselle Sandoval ist derzeit in der Klinik für Kardiologie tätig, teilt die BBT-Gruppe mit, zu der neben dem Caritas-Klinikum auch das Hohenloher Krankenhaus in Öhringen gehört.
Die beiden Ärztinnen sind nicht zufällig in der Kurstadt an der Tauber gelandet. Die Häuser nehmen teil am Programm „Specialized!“: Die Bundesagentur für Arbeit (BA) sucht gezielt in Mexiko und Kolumbien nach Ärztinnen und Ärzten für deutsche Kliniken, „im Einzelfall können auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus anderen lateinamerikanischen Ländern aufgenommen werden“, sagt Andreas Kraft, Pressesprecher der Bundesagentur für Arbeit, auf Nachfrage unserer Redaktion.
„Mexiko ist aufgrund der Vergleichbarkeit der Abschlüsse für deutsche Krankenhäuser interessant“, erklärt Kraft. Aber klaut Deutschland denn nicht den Nordamerikanern nicht die Fachkräfte? Kraft betont, dass der BA wichtig sei, dass es keinen „Fachkräfteraub“ gibt. In Mexiko gebe es mehr Bewerber als Weiterbildungsstellen zum Facharzt. Die BA hat sich den Prinzipien der Fairen Migration verpflichtet. „Das heißt, wir rekrutieren nur dort, wo ein gutes Bewerberpotenzial und kein kritischer Mangel an den gesuchten Fachkräften besteht, und immer nur in Absprache mit den jeweiligen Partnerverwaltungen.“
Ausländische Ärzte am Hohenloher Krankenhaus
Beispiele für Ärzte aus dem Ausland am Hohenloher Krankenhaus in Öhringen sind die Niederländerin Dr. Froukje Sannijer-Grotheen und der Bulgare Dr. Ervin Sedatin, die als Chefarzt-Duo die Frauenheilkunde leiten. Sie sind jedoch nicht über ein Anwerbe-Programm nach Öhringen gekommen. Denn an einem solchen nimmt das Krankenhaus nicht teil, und man suche auch nicht selbst im Ausland, schreibt Ute Emig-Lange, Pressesprecherin der BBT-Gruppe, auf Nachfrage unserer Redaktion.
Ein Vergleich der Stellenportale auf den Webseiten der beiden BBT-Krankenhäuser zeigt: der Druck ist in Hohenlohe geringer: Während für das Krankenhaus in Öhringen zwei Stellen für Fachärzte ausgeschrieben sind, sind es für das Caritas-Krankenhaus, das als Zentralversorger allerdings auch größer ist, gleich 14 solche Anzeigen – inklusiver einer, die zur Initiativbewerbung aufruft.
Sprachkenntnisse müssen stimmen
Wie viele Ärztinnen und Ärzte ausländischer Herkunft am Hohenloher Krankenhaus arbeiten, werde nicht erfasst. „Entscheidend sind die fachlichen Qualifikationen, die die Mitarbeitenden mitbringen“, sagt Emig-Lange. Abschlüsse aus EU-Ländern und der Schweiz werden „meist automatisch“ anerkannt. Mediziner von außerhalb dieser Staaten müssen eine Fachsprachenprüfung bei der Ärztekammer ablegen, „diese entspricht in der Regel dem Sprachniveau C1“. Bereits in Mexiko Deutsch zu lernen, sei für die Mergentheimer Ärztin Moreno „die größte Herausforderung“ gewesen, wird sie in der Mitteilung der BBT-Gruppe zitiert.
Programm richtet sich an ländlichen Raum
Insgesamt 370 Ärztinnen und Ärzte seien seit dem Start des Programms „Specialized!“ im Jahr 2017 nach Deutschland vermittelt worden, berichtet Arbeitsagentur-Sprecher Kraft, 45 davon nach Baden-Württemberg. Derzeit stehen 150 Ärzte bereit, in Deutschland vermittelt zu werden, erklärt Kraft. „Bislang konnten wir alle Stellen in den von den Kliniken gewünschten Fachrichtungen besetzen.“
Das Programm richte sich in erster Linie an Häuser im ländlichen Raum. Wie hoch der Anteil der Ärztinnen und Ärzte ist, die nun dort arbeiten, könne aber nicht ausgewertet werden. Denn alle Kliniken, Krankenhäuser und Medizinischen Versorgungszentren in Deutschland können daran teilnehmen.
Suche nach Pflegekräften im Ausland
„Specialized!“ sei das einzige Programm der BA, mit dem im Ausland um Ärztinnen und Ärzte geworben wird. Jedoch gebe es für die Anwerbung für Pflegekräfte weitere Programme wie „Triple Win“, mit dem auf den Philippinen, in Indonesien, Indien und Tunesien gesucht wird. Die BBT-Gruppe hat auch bei Pflegekräften Bedarf. „Im Bereich der Pflegeausbildung beteiligt sich die BBT-Gruppe an einer Kooperation zwischen der Hochschule Koblenz und der Mount Kenya University (MKU)“, so Emig-Lange. Für „wie geht’s?“ sagt man auf Swahili, einer der Amtssprachen in Kenia, „umekuwaje?“.
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