LBBW warnt vor langem Lockdown

Stuttgart  Eine Verlängerung der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie über den Februar hinaus würde das deutsche Wirtschaftswachstum stoppen, befindet eine Studie der Landesbank Baden-Württemberg. Mehr Hilfen für den Handel seien zudem nötig.

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Eine Verlängerung des Lockdowns über den Februar hinaus würde das Wirtschaftswachstum in Deutschland für dieses Jahr beenden. Das sagte Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW, am Tag vor den nächsten Beratungen von Bundesregierung und Landesregierungen. Würden die Maßnahmen spätestens Ende Februar auslaufen, könne es in Deutschland noch ein Wachstum von drei Prozent geben - bei einer noch längeren Dauer sehen die Volkswirte von Deutschlands größter Landesbank allenfalls ein Verharren bei null Prozent.

"Es ist zwei vor zwölf - vielleicht auch schon zwei nach zwölf."

Vor allem im Einzelhandel ist die Lage ernst, warnte Burkert. "Es ist zwei vor zwölf - vielleicht auch schon zwei nach zwölf." Der Lockdown werde "zunehmend auf dem Rücken des Einzelhandels und anderer Branchen ausgetragen". Insolvenzen zeichneten sich ab, das Vertrauen der Wirtschaft kollabiere. "Die Klagen der Unternehmensverbände haben eine neue Stufe erreicht", stellte der Chefvolkswirt fest.

Hinzu komme, dass die Inflationsrate inzwischen steige - wegen der gestiegenen Energiepreise, der aufgehobenen Mehrwertsteuersenkung und neuer Berechnungsmethoden. "Das werden wir in der Kaufkraft spüren", warnte Burkert. "Der Handel kommt gleich aus zwei Richtungen in die Bredouille."

250.000 Arbeitsplätze im Einzelhandel in Gefahr

Nach den Ergebnissen der LBBW-Studie "Innenstadthandel am Limit - Ohne Hilfe droht der Kollaps" seien bei einer Fortsetzung aller Einschränkungen 250.000 der 1,6 Millionen Arbeitsplätze im deutschen Einzelhandel in Gefahr, erläuterte Analyst Gerold Deppisch. Neben einer funktionierenden Soforthilfe benötige die Branche auch eine Strukturhilfe, um den Sprung in den digitalisierten Handel zu schaffen. Einerseits dürften die Innenstädte nicht veröden, andererseits gebe es schon seit einigen Jahren den Trend zu mehr Käufen im Internet. "Der Preis kann nicht mehr das Kriterium sein", erklärte Deppisch. Es komme im stationären Handel vor allem auf Atmosphäre und Beratung an.

Mehrwertsteuer soll gesplittet werden

Konkret fordern die Volkswirte der Landesbank, in den kommenden Wochen den Geschäften flexiblere Öffnungszeiten zu ermöglichen, anstatt sie geschlossen zu halten - so ließen sich die Besucherströme auch entzerren. Außerdem müsse die Mehrwertsteuer im stationären Handel gegenüber dem Onlinehandel gesenkt werden, um einen Preis- oder Gewinnvorteil zu ermöglichen. Die Überbrückungshilfen müssten schneller ausgezahlt werden, forderte Burkert. "Wenn es dabei einzelne ungerechtfertigte Zahlungen geben sollte, so sind diese das kleinere Übel", meinte er.

Klar ist den LBBW-Analysten aber auch: "Der Onlinehandel ist nicht mehr zurückzudrehen." Aber auch die Innenstädte benötigten ein attraktives Angebot, um die Menschen anzuziehen. Selbst eine Industriestadt profitiere von Kultur, Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten in ihrem Zentrum. "Daher lohnt es sich, wenn das Land die Kommunen in diesem Wandel unterstützt ", sagte Burkert. "Und bis dahin müssen wir die Läden am Leben halten." So könne der ohnehin bevorstehende Strukturwandel bewältigt werden. Andernfalls bleibe das Fazit: "Die staatlichen Eingriffe haben die Geschäftsgrundlagen zerstört."

 

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Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für das Team Wirtschaft & Politik tätig.

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