Schwarz-Gruppe wächst beim Gesamtumsatz kräftig

Neckarsulm  Dem Neckarsulmer Handelsunternehmen, zu dem unter anderem Lidl und Kaufland gehören, ist es im Geschäftsjahr 2019/20 gelungen, den Umsatz deutlich zu steigern.

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Die Schwarz-Gruppe konnte deutliche Zuwächse vermelden. Foto: Mugler

Die Schwarz-Gruppe hat ihre Vormachtstellung in Europa weiter ausgebaut: Im jüngsten Geschäftsjahr erzielte sie mit ihren Handelsketten Kaufland und Lidl sowie Gesellschaften wie dem Recycler Pre Zero einen Gesamtumsatz von 113,3 Milliarden Euro. Das ist ein Zuwachs von 8,6 Prozent, teilte das Unternehmen gestern in einer Pressemitteilung mit – eine Pressekonferenz mit ausgewählten Medien wie im Vorjahr gab es wegen der Corona-Einschränkungen diesmal nicht.

Damit hat die Gruppe die selbst gesetzten Ziele mehr als erreicht. Unternehmenschef Klaus Gehrig hatte beim Pressegespräch im vorigen Mai als Richtmarke 110 Milliarden Euro ausgegeben, aber schon angekündigt, dass dieser Wert wahrscheinlich übertroffen werde.

Apropos Corona: Die Pandemie spielte im Geschäftsjahr 2019/2020, das am 29. Februar endete, noch keine Rolle. Sowohl die Hamsterkäufe als auch die massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens spielten sich erst ab März ab. Auch die mittlerweile geklärten Führungsfragen, sowohl an der Spitze der Schwarz-Gruppe als auch bei Kaufland und Lidl, wurden erst nach dem Stichtag verkündet.

Lidl steigerte den Umsatz auf 89 Milliarden Euro und wuchs somit um 9,5 Prozent. Nähere Angaben, etwa wie groß der Umsatz in Deutschland war, wurden diesmal auch auf Nachfrage nicht gemacht. Der Umsatz bei Kaufland kletterte um 4,5 Prozent auf 23,7 Milliarden Euro. Aktuell arbeiten 458 000 Menschen in der Gruppe, davon mehr als 15 000 in Heilbronn-Franken. Beide Ketten zusammen haben 12 500 Standorte in 33 Ländern. Kaufland zählt dabei nach eigenen Angaben 1300 Filialen, Lidl kommt demnach inzwischen auf 11 200 – 400 mehr als vor einem Jahr. Aus dem 34. Land, Australien, zog sich Kaufland im Februar überraschend zurück.

Auch wenn Corona im abgelaufenen Geschäftsjahr quasi noch keine Rolle spielte – seitdem hat sich im Unternehmen viel getan. Besonders erfreut ist ein Sprecher, dass es Corona-Infektionen unter der Belegschaft „nur im Promillebereich“ gegeben habe. Der erste Fall sei am 4. März aufgetreten, sagte er. An den zentralen Standorten, etwa auf dem Stiftsberg in Neckarsulm, sei die Belegschaft fast komplett ins Homeoffice geschickt worden. „Wir haben das Thema von Anfang an ernst genommen“, erklärt er. 

Die Geschäfte im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres waren stark von Corona-Sondereffekten geprägt: Umsatzwachstum habe es durch die Hamsterkäufe gegeben, nicht nur beim Klopapier, jedoch entstanden höhere Kostenbelastungen durch Sicherheitsvorkehrungen wie Plexiglasabtrennungen oder die Verpflichtung von Sicherheitsdiensten zur Einlasskontrolle. Die Entwicklungen waren dabei je nach Land unterschiedlich, abhängig davon, wie strikt die Ausgangssperren waren. In Deutschland habe sich etwa bemerkbar gemacht, dass anfangs die Menschen nur alleine einkaufen gingen, erzählt der Sprecher. „Dadurch fielen viele Spontankäufe weg.“ Das habe sich mit den Lockerungen wieder gebessert – mittlerweile fühlten sich die Menschen auch wieder sicherer. „Teilweise hat sich die Situation tageweise verändert“, berichtet er.

Ein wenig hat Corona auch schon zu Verzögerungen geführt.Im abgelaufenen Jahr lagen die Investitionen auf dem Niveau des Vorjahresniveau, wurde mitgeteilt. Der Umzug der Zentrale von Lidl Deutschland von Neckarsulm nach Bad Wimpfen verzögert sich um einige Monate und ist nun für das erste Quartal 2021 geplant - ursprünglich war Ende dieses Jahres angepeilt worden. Für das zweite regionale Großprojekt, den neuen Sitz von Schwarz IT bei Bad Friedrichshall, hat der Gemeinderat der Stadt gerade erst die Erschließungsarbeiten für das 16 Hektar große Gelände in die Wege geleitet.

 

Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für die Redaktion Wirtschaft & Politik tätig.

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