Stimme+
Transporte der Exponate nach Kiew

Wissenschaft verbindet: Heilbronner Experimenta spendet Mitmachstationen an die Ukraine

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

In Zeiten des Krieges sind internationale Solidarität und Bildung von unschätzbarem Wert: Die Experimenta Heilbronn unterstützt die Ukraine mit 19 Mitmachstationen, um Bildungsprojekte vor Ort zu fördern.

Vasyl Dunets (ganz links) und sein Helfer-Team sind dankbar für die gespendeten Exponate der Experimenta Heilbronn.
Foto: privat
Vasyl Dunets (ganz links) und sein Helfer-Team sind dankbar für die gespendeten Exponate der Experimenta Heilbronn. Foto: privat  Foto: privat

Es sind Geschichten, die in diesen aufwühlenden Zeiten Mut machen: Vasyl Dunets aus der Ukraine engagiert sich mehr denn je für Bildungsangebote in seiner Heimat, insbesondere in diesen Kriegszeiten. Als stellvertretender Direktor für die Entwicklung von Wissenschaftszentren war er 2022 zur großen Ecsite-Konferenz nach Heilbronn gereist, um Pläne zu schmieden, Projekte in Angriff zu nehmen und internationale Kontakte zu knüpfen – unter anderem auch zur Experimenta Heilbronn.

Experimentas ehemalige Mitmachstationen jetzt in Kiew 

Wie wertvoll diese Verbindungen sein können, zeigt sich nun zwei Jahre später in Form einer außergewöhnlichen Spende: Die „Junior Academy of Sciences of Ukraine“ hat vom Heilbronner Science Center 19 Mitmachstationen erhalten. Die Exponate wurden vom Ausstellungstechnik-Team der Experimenta geprüft und überarbeitet.

Im April machten sich die 22 Transportkisten, verteilt auf zwei Lkw, auf den Weg in die Ukraine. Den Transport zu organisieren war alles andere als einfach, wie Ausstellungsleiter Christian Sichau berichtet. Speditionen fahren nicht ins Kriegsgebiet und Grenzblockaden hätten alles verzögert. Letztendlich wurden die Exponate von einer ukrainischen Spedition abgeholt und transportiert. Am 6. und 7. Mai trafen sie in Kiew ein.

Energie bei Exponaten im Fokus - ein Thema, das die Ukraine beschäftigt 

Auch die Frage nach dem Standort für die 19 Mitmachstationen war eine Herausforderung. Priorität hatte die Sicherheit: Öffentlich zugängliche Gebäude benötigen einen Luftschutzbunker, aktuell stehen die Exponate deswegen noch im Science Museum Kiew.

Ein Schwerpunkt der Mitmachstationen, die bis zur Eröffnung des Neubaus der Experimenta im März 2019 im Einsatz waren, liegt auf dem Thema Energie – ein Thema, das angesichts der gezielten russischen Angriffe auf Kraftwerke eine besondere Bedeutung erhält, betont Vasyl Dunets, der die Abteilung für Bildungsprogramme der Junior Academy of Sciences of Ukraine leitet. Diese Angriffe führen in weiten Teilen der Ukraine immer wieder zu Stromausfällen. Zudem suchen viele ukrainische Kriegsflüchtlinge Schutz im vergleichsweise sicheren Westen des Landes. Dort stoßen Bildungsangebote zunehmend an ihre Grenzen.

Bildung und Wissenschaft in der Ukraine "absolute Priorität"

Stanislav Dovgyi, Präsident der Junior Academy of Sciences of Ukraine, betont: „Bildung und Wissenschaft genießen in der Ukraine absolute Priorität. Da ist es unglaublich wertvoll, dass wir Partner haben, die unsere Ideen teilen und unterstützen.“ Von einem Herzensprojekt spricht auch Bärbel Renner, Geschäftsführerin der Experimenta Heilbronn. „Ein Krieg hat immer viele Opfer, aber Kinder sind besonders betroffen. Eine zentrale Entwicklungs- und Lernphase in ihrem noch jungen Leben wird durch den Krieg und seine Folgen massiv beeinträchtigt. Wir hoffen, ihnen mit unseren Mitmachstationen ein kleines Stück Normalität und Momente der Unbeschwertheit schenken zu können.“

Die gespendeten Exponate decken eine breite Themenpalette ab, wobei der Fokus auf Energie liegt. So können Kinder und Jugendliche unter anderem den verborgenen Mechanismus eines Perpetuum Mobile erforschen oder durch praktische Experimente die Funktionsweise von Windrädern und Dampfmaschinen kennenlernen.

Junior Academy of Sciences of Ukraine widmet sich Wissenschaft und Bildung

An einer weiteren Station erfahren sie, wie ein Elektromotor funktioniert und wie Elektrizität und Magnetismus miteinander verbunden sind. Neben dem Thema Energie befassen sich weitere Exponate mit Technik. An der Station „Fachwerk“ können Besucher beispielsweise die Statik von Gebäuden erkunden, indem sie verschiedene Tragwerksstrukturen direkt an Modellen testen. Bei der Regatta lernen die jungen Menschen, wie man ein Segelschiff gegen den Wind sicher ans Ziel bringt.

Die Junior Academy of Sciences of Ukraine (JASU) widmet sich der Förderung von Wissenschaft und Bildung. Sie organisiert Olympiaden und Wettbewerbe für Schüler und Studierende und etabliert wissenschaftliche Abteilungen und Sektionen im ganzen Land. Um den Unterricht ansprechender zu gestalten, bietet JASU Pädagogen berufliche Weiterentwicklungsmöglichkeiten und Lehrmaterialien an. Darüber hinaus hat die JASU das erste staatliche interaktive Wissenschaftsmuseum in Kiew eröffnet und plant, weitere zu eröffnen.




Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben