„Wir werden wahrgenommen“: Was hinter der NGO eines Tum-Studenten in Heilbronn steckt
Florian Stupp möchte der jüngeren Generation neue Zugangswege in den öffentlichen Dienst aufzeigen. Was ihm eine Auszeichnung des „Handelsblatts“ bedeutet.

Der öffentliche Dienst, die Abläufe einer Bürokratie: Schon bei der älteren Generation lösen endlos lange Dienstwege Kopfschütteln aus. Und die jüngere Generation? Schon frustrierend sei es, sagt Florian Stupp: Im digitalen Zeitalter aufgewachsen wisse sie, wie schnell eine Internetbestellung nach Hause geliefert wird, so der 21-Jährige. Und wie kompliziert und langwierig es dagegen sei, einen neuen Ausweis zu bekommen. „Das ist schon ein harter Kontrast“, so der Student am Campus Heilbronn der Technischen Universität München (Tum). Das möchte er ändern. Die jüngere Generation soll in den Verwaltungsapparat neue Ideen einbringen.
Florian Stupp möchte die Jüngeren in die Verwaltung bringen: Er gründete deshalb die Nichtregierungsorganisation (NGO) „Public Makers“, um mit ihr jungen Talenten den Zugang zum öffentlichen Sektor aufzuzeigen und zu erleichtern. Sein Ansatz sorgt bundesweit für Aufsehen. Er hat den „Young Leaders in GovTech Award“ des Handelsblatts bekommen – als eine junge Führungskraft in diesem Bereich.
Konkretes Machen nach der Schule: Darum geht es Florian Stupp
Den politischen Bereich fand Florian Stupp schon als Jugendlicher interessant. Aufgewachsen während der Fridays-for-Future-Zeit sei die Generation „wahnsinnig engagiert“. Und danach? Wie könnten die weiteren Wege aussehen? So kam es zur Idee seiner NGO. Die klassische Politik sei nicht infrage gekommen. „Konkretes Machen“ sei angesagt gewesen – deshalb auch der Name, sagt er.
Mit „einer Prise Technologie“, so Florian Stupp, wolle man die Verwaltung voranbringen. Die Behörden und Ämter näher an die Bürger bringen, darum geht es ihm mit einem jüngeren Blick in den öffentlichen Bereich. Als ein weiteres Beratungsunternehmen sieht er die NGO nicht. Vielmehr sei es ein weiteres Rädchen im Prozess, um Verwaltung neu zu denken.
Gesetze und Programmiercodes: Die jüngere Generation kann beides
Florian Stupp geht es auch weniger darum, die Jugendlichen oder Studenten als neue Mitarbeiter in ein Rathaus zu bringen. Man könne ja beispielsweise auch außerhalb davon ein Start-up mit entsprechenden Dienstleistungen für die öffentliche Hand gründen. Die junge Generation könne Gesetze und Programmiercodes verstehen, sagt er. „Wir haben ein anderes Bild und können so Einfluss haben.“
Die jüngere Generation für die Verwaltung begeistern, der Tum-Student setzt unter anderem auf gemeinsame Projekte oder Bildungsformate, um letztlich Studenten aller Fachrichtungen für den „Staat von morgen“ zu begeistern. Interdisziplinär sei der Ansatz, so Florian Stupp.
Erste Projekte liefen, beispielsweise mit einer Kommune in Bayern. Studenten halfen dem Ort auf die Sprünge, um beispielsweise eingehende Anträge automatisch vorzusortieren und zu verteilen. Viel Potenzial sieht er, beispielsweise wenn es um die Entwicklung der Kinderzahlen angeht. Manchmal machen das noch Rathausmitarbeiter selbst. Datenanalyse von Hand? Für Florian Stupp ist das kein Weg. Künstliche Intelligenz sei dafür prädestiniert, Daten zu verarbeiten.
Sein Ansatz scheint zu passen, in Rathäusern hat er Ansprechpartner, Studenten interessieren sich auch dafür. „Wir werden wahrgenommen“, so Florian Stupps Einschätzung. „Wir können auf Ämter zugehen und stoßen auf offene Ohren.“
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