Winfried Kretschmann bricht in Heilbronn eine Lanze für Demokratie
Spannender Abend in Sascha Straubs Reihe „Heilbronn live“ unter der Pyramide der Kreissparkasse: zwischen großer Politik, Künstlicher Intelligenz und guter Unterhaltung.
Der staatsmännisch auftretende Stargast Winfried Kretschmann musste sich wegen tagesaktueller Folgetermine zum Berliner Koalitions-Durchbruch zwar schon nach 30 Minuten verabschieden. Doch auch in den folgenden 110 Minuten erlebten die 500 Gäste unter der, laut Moderator Sascha Straub „schon nach 48 Minuten ausverkauften“ Pyramide der Kreissparkasse in der Reihe „Heilbronn live“ eine fernsehreife Talkrunde: aufgelockert von Ruth Sabadinos Jazz-Band, Tanzeinlagen von TSL Saphir und Straubs Liebeslied auf Heilbronn nach der Melodie von „New York, New York“.
Unter dem Motto „Baden-Württemberg, Zukunft und Vielfalt“ gab Ipai-Chef Moritz Gräter Einblicke in die faszinierende Heilbronner KI-Welt, Matthias Pfeiffer als LSBTI+-Beauftragter des Polizeipräsidiums in das Thema Queer und Maike Endresz, die sich als Beerdigungs-Fan entpuppte, in ihre Arbeit als freie Rednerin.
Winfried Kretschmann in Heilbronn: „Wer nicht mitkocht, steht am Schluss auf der Speisekarte“
Zum Einstieg rechnete Kretschmann bildhaft vor, was man sich unter dem frisch geschnürten Berliner Schuldenpaket vorstellen könne: eine Billion Euro? „Wenn man lauter 100-Euro-Scheine stapelt“, ergebe das einen Turm von einem Kilometer Höhe. Gleichwohl müsse man in die Verteidigung investieren, nicht um einen Krieg zu beginnen, sondern um Putin abzuschrecken. „Total unanständig“ nannte er Trumps Verhalten gegenüber Selenskyj. Dass man „einen Kollegen, der im Krieg steht“, in einer Täter-Opfer-Umkehr dermaßen erniedrige, mache ihn „fassungslos“.
Gleichzeitig brach der Ministerpräsident eine Lanze für die Demokratie, „deren Stärke das Recht ist“ und deren Sinn es sei, über Verhandlungen den richtigen Weg zu finden, nicht über einfache Parolen. „Das muss man aushalten und sollte man nicht madig machen.“ Unter dem Leitspruch „neue Sachen anpacken und weiterschaffen“ sei ihm nicht bange, dass das Land der Autobauer die Konversion bewältige. Baden-Württemberg habe viel Potenzial und vor allem kluge und kreative Köpfe, weshalb seine Regierung auch gerne die Heilbronner KI-Offensive unterstütze. „Wer nicht mitkocht, steht am Schluss auf der Speisekarte.“
Talk bei der Kreissparkasse Heilbronn: Geerdeter Ipai-Chef Gräter gibt Einblicke in die faszinierende Welt der KI
Der „Chefkoch selbst“, so Straub, nämlich Moritz Gräter, zeigte auf, was sich in Heilbronn, in einem der europaweit wichtigsten Zentren für Künstliche Intelligenz (KI) jetzt schon im Zukunftspark und in wenigen Jahren im 23 Hektar umfassenden Ipai-Park auf den Böllinger Höfen tut. „Vielen ist das gar nicht bewusst: Im Ausland beneiden sie uns darum.“ Heute schon würden 60 Firmen und Institutionen – von Audi über die Kreissparkasse bis hin zum VfB – daran arbeiten, „wie sie mit KI ihre Prozesse optimieren“.
Dies etwa nicht im Elfenbeinturm, sondern in manchen Bereichen öffentlich zugänglich, in „cooler, kreativer Atmosphäre“. Gräter machte Lust, sich selbst ein Bild zu machen, etwa im KI-Pavillon an der Experimenta oder beim KI-Festival am Wochenende 19./20. Juli. Dabei ließen sich auch Bedenken abbauen. Gräter, der aus einer alten Tübinger Uhrmacherfamilie stammt, versicherte: „KI ist von Menschen für Menschen gemacht – mit unseren europäischen Werten.“
Talk bei der Kreissparkasse Heilbronn: Zahl der gemeldeten Straftaten gegen queere Menschen schnellt in die Höhe
Einen Abend für sich wert wären auch Matthias Pfeiffers Ausführungen über die LSBTI+-Community und ihre Probleme gewesen. So sei die Zahl der Straftaten in diesem Bereich von bundesweit 1400 im Jahr 2022 auf 2350 hochgeschnellt.
Was aber auch daran liegen könnte, dass man sich heute „nicht mehr wie früher verstellen muss“ und der Mut zur Anzeige wie auch die Sensibilität der Polizei zugenommen hätten. Was kaum einem bewusst sei: 20 Prozent der Bevölkerung passten nicht ins bürgerliche Geschlechterraster.
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