Wildpinkler sorgen weiterhin für Ärger in Heilbronner Innenstadtbereichen
Zwischen Kirche und Innenstadt in Heilbronn gibt es seit Jahren ein Problem: Wildpinkler sorgen für Beschwerden rund um die Kilianskirche.
Das Problem ist nicht neu, doch es bleibt aktuell: Wildpinkler sorgen in der Heilbronner Innenstadt für Ärger. Besonders rund um die Kilianskirche am Marktplatz sowie in angrenzenden Straßen wie der Kirchbrunnenstraße, der Windgasse und der Eichgasse kommt es regelmäßig zu Vorfällen.
Schon vor fast zehn Jahren beschwerten sich die Geistlichen des Heilbronner Deutschordensmünsters St. Peter und Paul und der Kilianskirche über das Urinieren in Ecken und Nischen. Die Situation hat sich bis heute kaum verändert, wie Kilianskirchen-Pfarrerin Alexandra Winter berichtet. Ihr Büro befindet sich direkt über dem Weltladen in der Kirchbrunnenstraße 32. „Ich erwische ständig Wildpinkler bei uns“, sagt sie. Besonders während der Weindorfzeit und bei größeren Veranstaltungen steige die Zahl deutlich an.
Wildpinkeln ist eine erhebliche Belastung für Heilbronner Anwohner
Neben der Geruchsbelästigung kommt es auch zu Verschmutzungen. Alexandra Winter berichtet, dass nicht nur uriniert wird. Teilweise würden auch andere Hinterlassenschaften zurückbleiben. Für die Anwohner sei das eine erhebliche Belastung im Alltag. Hinzu komme ein Gefühl der Unsicherheit. Die Pfarrerin erklärt, dass sie sich oft nicht traue, die Männer direkt anzusprechen. Vor allem in den Abend- und Nachtstunden sei die Hemmschwelle hoch, einzugreifen.

Alexandra Winter sieht die Stadt in der Verantwortung. Es gebe zu wenig öffentliche Toiletten, vor allem im Bereich rund um das Rathaus. „Oft handelt es sich um Personen ohne festen Wohnsitz“ sagt sie. Die Betroffenen sind in Gastronomiebetrieben nicht immer willkommen. Wo also hin, wenn die Blase drückt?
Heilbronner Deutschordenspfarrei sieht Situation gelassener
Ansprechpartner der Deutschordenspfarrei rund um das Deutschordensmünster St. Peter und Paul ordnen die Situation etwas anders ein. Zwar sei das Problem des Wildurinierens bekannt, jedoch werde es nicht durchgehend als stark wahrgenommen. „Derartige Situationen kommen meistens nachmittags oder nachts vor“, sagt Ulrike Kiemer. „Im Tagesverlauf ist die Lage ziemlich ruhig.“
Auch Luigi Maria Parsarda, ebenfalls Ansprechpartner der Deutschordenspfarrei St. Peter und Paul, sieht die Situation differenziert. „Wir nehmen das Problem durchaus wahr, aber es ist nicht so, dass es permanent auftritt“, erklärt er. Vielmehr handle es sich um einzelne Vorfälle, die sich zeitlich bündeln.
Stadt Heilbronn setzt auf Kontrollen und Bußgelder
Nach Angaben der Stadt wird das Problem keineswegs ignoriert. Das Ordnungsamt führe regelmäßig Kontrollen durch und ahnde Verstöße konsequent. Die Zentrale Bußgeldstelle des Ordnungsamtes Heilbronn bearbeitet jährlich etwa 30 bis 60 Bußgeldverfahren wegen sogenanntem „Wildpinkeln“. Im Jahr 2025 wurden 60 Verfahren eingeleitet, 2026 waren es bislang bereits zwölf. Das Bußgeld für Wildurinieren beträgt derzeit 140 Euro. Hinzu kommen Gebühren und Auslagen in Höhe von 28,50 Euro.
Die Stadt Heilbronn weist darauf hin, dass es im gesamten Stadtgebiet zahlreiche öffentliche Toiletten gibt, die von Bürgerinnen und Bürgern genutzt werden können. Eine Übersicht dieser Standorte wird auf der städtischen Webseite bereitgestellt. Zusätzlich sind viele Toiletten auch über die App „Die nette Toilette“ auffindbar. Bei größeren Veranstaltungen stellt die Stadt zudem zusätzliche Toilettenwagen zur Verfügung, um die sanitäre Versorgung sicherzustellen und Engpässe zu vermeiden.
Dennoch bleibt die Kritik bestehen. Für viele Betroffene reichen die bisherigen Maßnahmen nicht aus. Sie fordern mehr Präsenz des Ordnungsamts sowie zusätzliche Toilettenangebote. „Mehr Toiletten wären eine gute Lösung“, sagt Pfarrerin Alexandra Winter.
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