Wie sich die Heilbronner Wengerterfamilie Stutz fit macht für die Zukunft
Andreas und Sabrina Stutz setzen in ihrem neuen Weingut und einer Weinstube verstärkt auf Events und im Wengert schon lange auf Öko. Zum Stimme-Lesersommer gab es Infos aus erster Hand.

Fast alle in der Welt der Wengerter scheinen dieser Tage von der Krise des Weinbaus zu sprechen, nicht so Andreas Stutz aus Heilbronn. Zumindest beim Stimme-Lesersommer verlor der Weinbautechniker kaum ein Wort über sinkenden Weinkonsum und steigende Kosten. Vielmehr führte der 54-jährige Mutmacher zehn Lesern vor Augen, wie er zusammen mit Ehefrau und Weinbautechnikerin Sabrina (43) angesichts vielfältiger wirtschaftlicher und klimatischer Herausforderungen seinen Familienbetrieb fit halten will: fit für die Zukunft und fit für die beiden Söhne Urban (6) und Kilian (8), die nicht zufällig die Namen zweier Weinheiliger tragen und nur so vor Energie sprühen.

So stellte sich Familie Stutz zu Jahresbeginn ganz neu auf. Sie hat den beengten Stammsitz an der Heilbronner Liebigstraße und die Keller-Außenstelle beim Neckarsulmer Besen-Benz aufgegeben und alles auf ihren neuen Standort konzentriert: das ehemalige Weingut Helga Drauz in den Stahlbühlwiesen, wobei Stutzens die dortige Weinstube, die elf Tage pro Monat geöffnet hat, auf hohem Niveau weiterführt und den „Event-Bereich“ weiter ausbauen will: etwa mit einem in der Planung befindlichen Bereich für Privatfeiern, mit Weinproben oder mit Führungen.
Zum Chillen ein unkomplizierten Württemberger Schiller
Vom frischen Wind auf dem rund 500 Jahre alten und 15 Hektar umfassenden Traditionsbetrieb mit dem Steinbock im Logo zeugt bereits der Eingangsbereich, wo die Gäste unter Bäumen in Liegestühlen „chillen“ können: in der sogenannten (S)chiller-Lounge mit Schillerwein, also einer unkomplizierten Württemberger Rosé-Spezialität aus roten und weißen Trauben.

Hellauf begeistert zeigten sich die Stimme-Leser von einer Weinberg-Rundfahrt in einem ausgedienten Militär-Fahrzeug, bei der Andreas Stutz, der auch Vorsitzender des Ecovin-Verbandes Württemberg ist, zeigte, wie er möglichst nah an und mit der Natur Öko- beziehungsweise Bio-Wein produziert. So sollen Einsaaten mit Klee, Wiggen, Buchweizen oder Raps den Boden mit Nährstoffen versorgen und vor Erosion schützen, gleichzeitig aber ein Öko-System schaffen, „in dem sich auch Nützlinge wohlfühlen“, wie Stutz erklärte.
Umweltschonende Piwi-Sorten sind stark im Kommen
Stark im Kommen seien pilzwiderstandsfähige Sorten, Piwis, die laut Stutz „sowohl die Umwelt, als auch den Geldbeutel schonen“, weil man sie kaum spritzen muss. Der Öko-Winzer gilt auf diesem Feld als Pionier und zeigte anhand von älteren Sorten wie Muskaris und Solaris sowie mit Neuzüchtungen wie Cabernet blanc oder Souvignier gris, dass sie geschmacklich teils mit Traditionssorten mithalten können.
Dieser Tage beginnt bereits sie Traubenlese
Mit der Traubenlese will Stutz noch diese Woche beginnen. Die Voraussetzungen für einen in Qualität und Menge sehr guten Jahrgang 2025 seien fast optimal. „Trotz frühem Austrieb blieben wir von Spätfrösten verschont.“ Nach einem trockenen Frühjahr habe der regenreiche Juli die Reben optimal mit Nährstoffen versorgt, allein zwei Hagelschläge hätten im Heilbronner Süden zu teils großen Schäden geführt. „Aber weil wir an verschiedenen Lagen Weinberge haben, gleicht sich das insgesamt aus.“
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