Wie Heilbronner Händler und Gastronomen den Wandel anpacken
Von Weinproben bis Social Media: Das Urban Innovation Hub bringt frische Impulse für den Einzelhandel und vernetzt die Akteure der Innenstadt mit dem Bildungscampus. Erlebnisse beim Shoppen spielen eine immer wichtigere Rolle.

In den vergangenen Wochen und Monaten hat sich im Urban Innovation Hub (UIH) in der Sülmerstraße viel getan. Projektleiterin Lena Ahner und Nathalie Alischer haben beispielsweise die Workshop-Reihe zur innovativen Geschäftsmodellentwicklung für Händler und Gastronomiebetriebe aus dem Heilbronner Raum bereits zweimal angeboten.
Gemeinsam mit den Referenten Matthias Vogel und Ewald Heinen von der Universität Siegen unterstützten sie 14 Teilnehmende dabei, ihr Geschäftsmodell zu analysieren und neue Elemente zu integrieren, auch Weingüter haben teilgenommen.
Heilbronner UIH bringt Campus und Innenstadt zusammen

Was die beiden Frauen besonders freut: Die Zusammenarbeit mit Einzelhändlern wie Messer Maurer und Krauss Elektronik setzte sich über die Workshop-Reihe hinaus fort.
So nutzte beispielsweise das Messerfachgeschäft Maurer das Integrationsseminar des Handelsstudiengangs an der DHBW Heilbronn, um seine Social-Media-Strategie zu optimieren. Studierende entwickelten ein Konzept, erstellten Accounts auf Instagram und Tiktok und überreichten dem Unternehmen eine Art Leitfaden. Auch andere Unternehmen profitierten von Kooperationen mit Studierenden beziehungsweise Forschungseinrichtungen. So arbeitete die Krauss Elektronik GmbH mit dem Fraunhofer IAO Kodis an der Weiterentwicklung ihres Dienstleistungsangebots.
Finanziell gefördert vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg
Lena Ahner und Nathalie Alischer freuen sich über die entstehenden Synergien mit den Partnern der Wissensstadt Heilbronn und darüber, dass das UIH als Bindeglied zwischen Bildungscampus und Innenstadt nun fruchtet.
Unterstützung kommt von der Wirtschaftsförderung der Stadt Heilbronn und der IHK Heilbronn-Franken, die regelmäßig mit Vertretern vor Ort im UIH sind. Finanziell gefördert werden die Workshops vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg.
Händler und Gastronomen sind bestrebt, etwas zu verändern
Besonders wertvoll fanden die Wissenschaftlerinnen die Offenheit der Händler und Gastronomen in den Workshops, über Herausforderungen zu sprechen. Gerade für kleine, inhabergeführte Geschäfte sei es entscheidend, sich nicht an der aktuellen Entwicklung „vorbei zu orientieren“, sondern aktiv den Wandel mitzugestalten, um zukunftsfähig zu bleiben.
Sie beobachten derzeit einen Wandel: Händler und Gastronomen verspürten zunehmend den Antrieb, etwas zu verändern, um das Geschäft wieder zum Florieren und die Menschen in die Innenstadt zu bringen.
Erlebnis bei Shopping immer mehr im Fokus
Auch während der Workshops selbst entstehen oft neue Ideen, die in konkrete Pläne münden. So wollen beispielsweise ein Einzelhändler und ein Weingut kooperieren, um Weinverkostungen beim Shoppen anzubieten.
Weitere kreative Ansätze könnten Stilberatungen mit Farbanalysen, Kooperationen mit Tätowierern bei Sonderveranstaltungen oder Weinerlebnisse im Handel sein. Solche Erlebnisse schaffen nicht nur einen Mehrwert für die Kunden, sondern bringen auch den Betrieben Vorteile.
Eine emotionale Kundenbindung herzustellen, sei essenziell, betonen die beiden Wissenschaftlerinnen. Es gebe viele Ansätze, dieses Ziel zu erreichen, wobei für jeden Händler eine andere Strategie funktionieren könne. Das übergeordnete Ziel bleibe jedoch dasselbe: das eigene Geschäft zu optimieren und sich von der digitalen Konkurrenz abzuheben.
Studierende sind wichtige Zielgruppe für Innenstadt
„Es ist wichtiger denn je, Erlebnisse für Kunden zu schaffen“, betont Nathalie Alischer. „Flyer zu verteilen oder einfach nur da zu sein, reicht nicht mehr aus, um Kunden an sich zu binden.“ Lena Ahner ergänzt: „Man muss über das Geschäft hinausdenken.“ Einzelhändler müssten heute über klassische Beratung hinausgehen und Erlebnisse bieten. Gewinnspiele oder Gutscheinaktionen könnten helfen, neue Kunden anzusprechen und bestehende zu binden. Genau hier setze das UIH an, das Akteure vernetze, Impulse gebe und Methoden vermittle.
Das UIH sieht außerdem großes Potenzial darin, auch künftig verstärkt Studierende einzubeziehen. Sie seien nicht nur eine relevante Zielgruppe, sondern können durch ihre Ideen und Impulse frischen Wind in Geschäftsmodelle bringen.
Forschung, Einzelhandel, Wirtschaft, Bildung, Stadtverwaltung und die Bevölkerung: Das Heilbronner Urban Innovation Hub bringt viele verschiedene Akteure zusammen, erklärt Projektleiterin Lena Ahner. Ein Highlight ist beispielsweise der Serviceroboter Campi, der im Restaurant Campus Garden auf dem Bildungscampus Gäste begrüßt und bedient und zwischenzeitlich im UIH war. Weitere Betriebe können sich beim UIH melden, um ihn für Forschungszwecke zu nutzen. Aktuell arbeitet das UIH mit der Stadt Heilbronn an der Analyse von Frequenzmessdaten. Die gesammelten Daten sollen nicht nur Aufschluss darüber geben, wie viel wann in der Stadt los ist, sondern künftig auch Antworten auf wissenschaftliche Fragen liefern.
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