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Klimawandel
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Wie Heilbronner Förster den Wald und damit das Klima schützen

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Der Wald nützt, schützt und tut gut: Ein lehrreicher Spaziergang zwischen jungen Bäumen, frischen Tümpeln, neuen Jagdscheinen und Naherholungsangeboten durch den Heilbronner Stadtwald.

Bei der traditionellen Waldbegehung von Gemeinderat und Jugendgemeinderat ging es vor allem daran, wie angesichts Klimawandels die „forstliche Trias“ aus Erholungs-, Nutz- und Schutzfunktion nachhaltig erhalten werden kann.
Fotos: Ralf Seidel
Bei der traditionellen Waldbegehung von Gemeinderat und Jugendgemeinderat ging es vor allem daran, wie angesichts Klimawandels die „forstliche Trias“ aus Erholungs-, Nutz- und Schutzfunktion nachhaltig erhalten werden kann. Fotos: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Was der Wald – nicht nur an Hitzetagen wie diesen – wert ist und wie seine „forstliche Trias“ aus Erholungs-, Nutz- und Schutzfunktion in Zeiten des Klimawandels langfristig erhalten werden kann: Das bekamen jetzt Heilbronner Stadt- und Jugendgemeinderäte von Forstabteilungsleiter Immanuel Schmutz und Revierleiter Robin Ihle im Stadtwald-Ost an vier Stationen beispielhaft vor Augen geführt. Sehhilfe leisteten am Rande auch Heinz Steiner als Revierleiter-West, Waldpädagoge Christoph Fink und weitere der 15 Forst-Mitarbeiter. Nach rund zwei Stunden plus Grillfest im Waldheim sprach allen voran Oberbürgermeister Harry Mergel von einer „wahren Schatzkammer“.

Bei große Hitze Waldbrandgefahr: Wann das Grillverbot gilt

Was vielen auf den Nägeln brannte: die aktuelle Waldbrandgefahr. Bei der am Tag der Führung geltenden Warnstufe 4 belasse man es bei einer Warnung, sagte Schmutz, erst ab Warnstufe 5 würden Grillstellen gesperrt. Wer den eigenen Grill mitbringt, müsse so oder so mit einem Bußgeld rechnen.


Grillstellen, Sportpfade, (Wander-)Wege und Waldspielplätze

Insgesamt gibt es im Stadtwald, der komplett als Erholungswald klassifiziert ist, neben zehn Grillstellen, zwei Sportpfade, 43 Kilometer markierte (Wander-)Wege und zwei Waldspielplätze, zum Beispiel jenen westlich der Waldheide, wo zuletzt einige Geräte durch Alter, Verschleiß und Vandalismus nichts mehr taugten. Die neuen, mit Hackschnitzel umsäumten Geräte aus Robinien seien begeistert angenommen worden – angesichts der vergleichsweise geringen Kosten von 56 000 Euro auch von Stadträten. Im Auge behalten müsse der Forst hier wie an allen öffentlichen Einrichtungen, nicht aber im Wald insgesamt, seine Verkehrssicherungspflicht.

Begeistert waren junge und ältere Räte von neuen Spielgeräten aus Robinienholz, auch wegen der relativ geringen Kosten.
Begeistert waren junge und ältere Räte von neuen Spielgeräten aus Robinienholz, auch wegen der relativ geringen Kosten.  Foto: Seidel, Ralf

Neue Tümpel schützen vor Hochwasser und sind gut fürs Kleinklima

Los ging die Rundfahrt an zwei von bald mehreren Retentionstümpeln am Schweinsberg. Sie dienen primär als Hochwasser- und Erosionsschutz, bieten aber gerade bei Hitze wertvolles Wasser und durch Verdunstung einen gewissen Kühlungseffekt, hieß es. Neben einer Seerose hätten sich viele Amphibien bis hin zur seltenen Gelbbauchunke angesiedelt, was laut Schmutz und Ihle von der insgesamt „hohen ökologischen Wertigkeit“ für Flora und Fauna zeuge.

Wald als großes Ökosystem, als CO2-Speicher und Holzlieferant

Als eines der größten Ziele und Herausforderungen sei angesichts von Trockenperioden, anderen Wetterextremen und Schädlingsbefall der Erhalt des Waldes als großes Ökosystem, als CO2-Speicher, aber mittel- bis langfristig auch als Holzlieferant für langlebige und in vielerlei Hinsicht nachhaltige Produkte. So zeigten die Förster, wie sie in einem geräumten Fichtenhain, der vom Borkenkäfer befallen war, auf 40 Ar rund 1300 klimatolerante Baumarten pflanzten, überweigend Eichen, aber auch Hainbuchen, Elsbeeren und Speierling. Das Pflanzen, Freistellen und der Schutz der nur 30 bis 50 Zentimeter hohen Setzlinge sei natürlich mit hohem Arbeitsaufwand verbunden.

Zum Schutz von jungen Eichen „Frei Büchse“ mit neuem Jagdschein 

Forstabteilungsleiter Immanuel Schmutz (rechts) und der Leiter des Frostreviers-Ost Robin Ihle standen Rede und Antwort.
Forstabteilungsleiter Immanuel Schmutz (rechts) und der Leiter des Frostreviers-Ost Robin Ihle standen Rede und Antwort.  Foto: Seidel, Ralf

Als großer „Hoffungsträger“ unter den heimischen Baumarten, der als Tiefwurzler auch Trockenphasen standhalten kann, gilt vor allem die Eiche. Ihr natürlicher Feind allerdings sind Rehe, die die jungen Triebe als „Schlecker“, so Schmutz, besonders schätzen. Um in bestimmten Bereichen eine natürliche Verjüngung zu garantieren, greife unter städtischer Regie auf rund 100 Hektar seit gut zwei Jahren ein neues Jagdrecht: nicht wie sonst über die Verpachtung, sondern ausschließlich über befristete „Jagderlaubnisscheine“, die die Stadt für 400 Euro verkauft. Dabei gelte „Frei Büchse“, also die generelle Freigabe von Rehwild und keine über das Jagdrecht hinausgehenden Einschränkungen bezüglich Alter, Geschlecht oder Trophäe.

Die derzeit sieben Scheininhaber hätten seit April 2023 insgesamt 48 Rehe erlegt, wodurch 700 Kilogramm Wildbret für 3000 Euro vermarktet werden konnten – ganz abgesehen vom Hauptzweck der inzwischen in vielen Wäldern eingeführten Regiejagd: dem Schutz natürlich nachwachsender Bäume.

Fakten zum Forst

Der Heilbronner Stadtwald umfasst 1600 Hektar (ha), davon gehören 1100 ha der Stadt. Zwei Drittel liegen östlich des Neckars im Bereich Waldheide/Gaffenberg, der Rest bei Frankenbach und Kirchhausen.  701 ha stehen in FFH-Gebieten, 650 ha in Landschaftsschutzgebieten und 46 ha in Naturschutzgebieten. Wasser- und Quellschutzgebiete machen 226 ha aus. 84 Prozent sind Laubwald: insgesamt 27 Prozent Eiche, 18 Prozent Buche, 11 Prozent Esche, 9 Prozent Ahorn und 19 Prozent sonstige Laubbäume. Nur noch 16 Prozent sind Nadelhölzer, davon 8 Prozent Fichte, der Rest Douglasie, Lärche oder Kiefer. Im Stadtwald leben neben Wildtieren etliche geschützter Amphibien-, Fledermaus-, Vogel- und Insektenarten. Nicht zuletzt gibt es Lehrpfade, Spielgelegenheiten und Grillstellen.  




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