Warum Sozial- und Lebensberatung von der Kirchensteuer profitieren
Experte spricht über die Kirche, ihr Geld und die damit verbundenen Mythen. Geringere Kirchensteuereinnahmen wirken sich auf Angebote der Diakonie in Heilbronn aus.

Die Kirche und ihr Geld: Einige Mythen, die kursieren, wollte Stefan Werner, Direktor im Evangelischen Oberkirchenrat und juristischer Vertreter des Landesbischofs beim Neujahrsempfang der Diakonie im Heilbronner Land, entkräften. Beiträge wie „Dein Reichtum komme“ vom NDR stoßen ihm sauer auf. „Da wird vom Milliardenvermögen der Kirchen gesprochen und der Eindruck vermittelt, der Bischof bade wie Dagobert Duck im Geld“, sagt er. Tatsächlich seien die Werte wie Kirchen oder Gemeindehäuser, mit denen marktwirtschaftlich kein Gewinn zu erzielen sei. „Wir können ja schlecht das Ulmer Münster verkaufen“. Trotzdem stünden viele der 6000 Gebäude der Kirchengemeinden, die diese nicht mehr unterhalten könnten und die zur württembergischen Landeskirche gehören, auf dem Prüfstand. Eine Einnahmequelle sei das aber nicht.
Auch in der Region wurden schon einige Kirchen und Gemeindehäuser verkauft
Dazu gehörten Kitas und Gemeindehäuser. Karl Friedrich Bretz, Geschäftsführer der Diakonie kann die Beispiele in der Region nur so aus dem Ärmel schütteln. Die Kreuzkirche in Heilbronn-Sontheim etwa wurde verkauft und wird inzwischen als Architekturbüro genutzt. In der Dammstraße wurde das evangelische Gemeindehaus verkauft, das große Gemeindehaus mit Kindergarten in der Olgastraße durch das kleinere Kilianshaus gegenüber der Kilianskirche ersetzt, die Aukirche an die griechisch-orthodoxe Gemeinde verkauft. Und das Gemeindehaus Böckingen zu einem Quartierszentrum mit Mischnutzung und städtischer Beteiligung gemacht. „Es gibt den Mythos der reichen Kirche. Aber das ist nur ein scheinbarer Reichtum“, sagt Bretz. Werner ergänzt: „Das Bilanzvermögen wird verwechselt mit dem verwertbaren Vermögen.“
Land zahlt keine Bischöfe
Auch dass die Kirchen milliardenschwere Rücklagen anhäuften und an der Börse spekulierten, sei falsch. Richtig sei: Diakonie und Caritas seien der zweitgrößte Arbeitgeber nach dem Staat mit 2700 kirchlichen Beamtenverhältnisse in der württembergischen Landeskirche. Ein Fonds ist eingerichtet, um die Pensionen zu sichern. Aktien, Immobilien, Investitionen in Windparks oder Stromleitungen dienten dem Werterhalt dieser Rücklagen. „Spekulationen sind nicht erlaubt.“ Der Staat in Baden-Württemberg zahle auch keine Bischöfe, sie würden aus dem Topf der Landeskirche entlohnt.
Die Kirchensteuer komme mit „rund 650.000 Euro“ jährlich der Diakonie zugute. In Heilbronn profitierten Sozial- und Paarberatung davon, sagt Karl Friedrich Bretz.
Auch dass der Staat die Kirchensteuer eintreibe, sei eine Verkürzung des Sachverhalts. Für diese Dienstleistung zahlten etwa 2022 die evangelische und die katholische Kirche 380 Millionen Euro.
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