Der Kinderschutzbund Kreisverband Heilbronn hat ein breites Aufgabenfeld. Es gibt zwölf hauptamtliche Personen und rund 60 Ehrenamtliche. Neben Familienpatenschaften, Umgangscafé , Elternmobil Bimo sowie dem Familiencafé Pünktchen als Treffpunkt auch zum Spielen gibt es das Angebot „Anna und Marie“, das Mädchen ab zwölf Jahren in schwierigen Lebenssituationen eine große Freundin zur Seite stellt. Die Idee stammt aus den USA. Kontakt unter: 0176 98841027.
Waren ein „dream team“: Geschäftsführerinnen des Kinderschutzbundes hören auf
Die Chefinnen des Kinderschutzbundes Kreisverband Heilbronn scheiden aus dem Amt. So engagieren sie sich weiter für die Jüngsten.

Sie waren „ein unschlagbares Team“, wie Martina Grön (67), eine der Geschäftsführerinnen des Kinderschutzbundes Heilbronn über ihre Mit-Geschäftsführerin Veronika Siller (41) sagt. Jetzt hören sie gemeinsam auf. 2013 war Martina Grön zum Kinderschutzbund gekommen. Eines der Ziele bestand darin, den Verein auszubauen und auf professionelle Beine zu stellen. 2015 fragte sie Veronika Siller, die damals schon im Vorstand war, ob sie nicht mit ihr Geschäftsführerin werden wolle. „Das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens“, so Grön.
Beim Verein „das kleine Mitgefühl“ wollen sich beide Frauen weiter engagieren
Auch weiterhin wollen sich die beiden um Kinder kümmern, die Hilfe brauchen. Beim Verein „das kleine Mitgefühl“ sind sie zusammen engagiert, es gibt Workshops und Fortbildungen zum Thema, Besuche in Kindergärten und Schulen. Immer mit dabei: das Monsterchen MiG als personifiziertes „kleines Mitgefühl“, das etwa angehende Erstklässler als Geschenk bekommen.
„Hier kann ich jetzt mit voller Power durchstarten, darauf freue ich mich“, sagt Martina Grön. Veronika Siller macht nun eine Ausbildung als Kinder- und Jugendpsychotherapeutin.Hinzuhören, Mitgefühl zu zeigen, das war auch seither einer der Schwerpunkte ihrer Arbeit beim Kinderschutzbund, auch wenn sich der Träger über die Jahre deutlich vergrößert hat. Die Kernaufgabe ist gleich geblieben.
Schnell, unkompliziert und unbürokratisch zu sein, auch das hatten sich die scheidenden Geschäftsführerinnen auf die Fahnen geschrieben. Eines der Beispiele: In der Coronazeit hatten sie in zwei Tagen eine Telefonhotline eingerichtet.
Martina Grön: Wir wollen, dass die Familien sich wohlfühlen.
Die Vielfalt ist groß: Es gibt Bimo, eine mobile Beratung für Schwangere und Eltern mit Kindern in den ersten Lebensjahren, Pünktchen, das Familiencafé in der Weinsberger Straße für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern an vier Tagen die Woche mit Stillmöglichkeiten, Spielsachen und teils mit Hebamme vor Ort sowie Pünktchen on Tour an unterschiedlichen Orten in Heilbronn. Wichtig bleibt immer: „Wir wollen, dass die Familien sich wohlfühlen und die Schwelle so niedrig wie möglich ist“, sagt Martina Grön. „Wir haben alle Schichten, alle Nationalitäten, alle Glaubensrichtungen, und das Miteinander klappt tatsächlich.“
Im Umgangscafé in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt Heilbronn haben getrennt lebende Mütter und Väter die Möglichkeit, ihre Kinder zu treffen. Der begleitete Umgang, der meist deshalb nötig ist, weil zuvor häusliche Gewalt im Spiel war, bleibt ein schwieriges Thema. „Das Recht, die Kinder zu sehen, ist in Deutschland hoch angesiedelt, aber wir hatten auch schon die 14-Jährige, die keinen Kontakt zum Vater wollte“, so Martina Grön.
Manchmal melden sich sogar Grundschüler
„Wir haben zudem eine Lotsenfunktion“, sagt Veronika Siller. Kinder melden sich auch selbst. Wie die Grundschülerin, die anrief, weil sie sich zu Hause schlecht behandelt fühlte. „Ich habe ausgemacht, dass ich mit der Lehrerin sprechen darf“, erzählt Martina Grön. „Für die Kinder ist das Gefühl wichtig, da ist jemand da, der sich kümmert.“ Ein große Rolle spielt immer wieder die Armut. „Dass Familien wenig Geld haben, ein Fahrrad oder einen Schulranzen brauchen.“ Auch Essenspatenschaften gibt es.
Dazu kommen persönliche Themen. So genannte Erziehungsbeistandschaften des Kinderschutzbundes, die übers Jugendamt laufen, können helfen. „Auch hier geht es darum, zuzuhören, zu schauen, was ist hilfreich für den Jugendlichen. Schulabsentismus, Probleme, Freundschaften zu schließen, Streit mit den Eltern und Perspektivlosigkeit sind Sorgen, die den Heranwachsenden auf der Seele lasten. „Wir legen viel Wert auf Akzeptanz. Das Gefühl, gesehen zu werden, ist die Grundlage“, so Veronika Siller. Unterstützung kann auch einmal bei der Bewerbungsmappe gefragt sein. Das Vertrauen der Eltern zum Verein spielt eine Rolle, „sonst geht gleich die Klappe zu“.
Jetzt hinterlassen die Frauen ein bestelltes Feld an ihre Nachfolgerinnen Tatjana Fink und Julia Räbiger als Stellvertreterin. „Wir machen viel, und was wir machen, kann sich sehen lassen“, sagt Veronika Siller.
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