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Von fünf bis zehn: Dammrealschule bringt Präventionsprogramm auf den Weg

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Mediengrundlage für die Fünfer, Ernährungsführerschein und Sexualprävention für die Sechser, Cannabis und Alkohol für die Zehner: Die Dammrealschule in Heilbronn gibt sich ein umfangreiches Präventionsprogramm. Das steckt dahinter.

Die Dammrealschule in Heilbronn hat ein umfassendes Präventionsprogramm verabschiedet, auch Sicherheit im Netz gehört dazu.
Die Dammrealschule in Heilbronn hat ein umfassendes Präventionsprogramm verabschiedet, auch Sicherheit im Netz gehört dazu.  Foto: Annette Riedl

Es sind eindrückliche Filmsequenzen, die in einem Klassenzimmer der Dammrealschule zu sehen sind. Jugendliche würgen auf einem Internetvideo, weil sie Waschmitteltabs im Mund haben. Es läuft außerdem das letzte Video eines Mädchens, das im Internet über Wochen erst in liebevollem Kontakt mit einer Person stand, dann aber von ihr gemobbt wurde und sich vier Stunden nach der Aufnahme das Leben nimmt. Neuntklässler haben besonderen Unterricht mit ihrem Rektor Slawomir Siewior. Mutproben, Cybermobbing, Sexting - also Mobbing im Internet und sexuelle Belästigung im Digitalen: Schon vor seiner Zeit als Rektor in Heilbronn war er in Prävention digitaler Phänomene tätig und hat 2012 nach eigenen Angaben das erste umfassende deutschsprachige Buch zur Thematik veröffentlicht. Die Schüler sind aufmerksam, haken nach, erzählen von dem, was sie selbst erlebt haben: Dass ein Mädchen ungefragt Nacktfotos zugeschickt bekommen hat, dass sie gefragt wurde, ob sie Lust habe. Dass ein Jugendlicher von unbekannten Telefonnummern angerufen wurde, weil er kürzlich bei einem vermeintlichen Gewinnspiel teilgenommen hat. 

Slawomir Siewior schimpft nicht über das Internet, auch Handys gehören zum Alltag. "Bis zu einem gewissen Grad ist es nicht schlimm, aufs Handy zu schauen." Er will allerdings dafür sensibilisieren, nicht alles ins Internet hochzuladen, sondern das eigene Handeln zu hinterfragen. Und er sagt eben auch, dass das Internet positive Seiten hat.

Prävention in Dammrealschule: Neuner erzählen von ihren Erfahrungen mit dem Internet und im Digitalen

Neuner erzählen von ihrem Alltag, zu dem soziale Netzwerke gehören. "Es passiert da immer etwas Neues", sagt ein Mädchen. Ein Junge berichtet allerdings auch von negativen Begleiterscheinungen. Er sagt, dass er Controller wütend umhergeworfen hat, weil er beim Spielen mit der Videokonsole verloren hat. Dennoch: Nach den 90 Minuten nehmen Jugendliche vieles mit, wie sie im Anschluss erzählen. Firmen im Internet speicherten Daten, sagen sie. "Das Internet ist gefährlicher, als ich dachte." Ein Mädchen regt an, einmal im Jahr einen Präventionstag anzubieten. Eine Mitschülerin findet, dass auch ältere Jugendlichen mit den jüngeren über Handynutzung und Gefahren reden könnten.

Gerade in diese Richtung steuert die Dammrealschule, die ein umfassendes Präventionsprogramm erarbeitet hat und im kommenden Schuljahr umsetzen will. Die Einheiten der einzelnen Klassenstufen bauen aufeinander auf. "Ein Rädchen greift ins andere", sagt Rektor Slawomir Siewior. Mediengrundlage und Ernährungsführerschein steht unter anderem in Fünf und Sechs an, für die Älteren geht es dann um Vapen und Nikotin, Alkohol, Esstörungen, Canabis und Sexualprävention.

Zum Konzept der Schule gehört, dass Ältere mit Jüngeren reden

Bestandteil des Präventionskonzepts ist, dass Ältere mit den Jüngeren reden - über Risiken im Digitalen oder über die Ernährung. Wenn beispielsweise die Jüngsten sehen, sagt der Rektor, dass die Älteren in der Schule Obst und Wasser zu sich nehmen, verzichten die auf Energy-Getränke. Vorteil davon sei auch, dass die Schule als Einheit zusammenwachse. Alle Fünfer sollen einmal Paten aus der Neunten haben, sagt Slawomir Siewior. "Das wollen wir langsam initiieren."

An der Schule gilt übrigens ein Handyverbot, und das kommt bei den Neunern an. Ein Mädchen sagt: Seit auf dem Schulhof keine Geräte mehr benutzt werden dürfen, hat sie neue Freundschaften geknüpft. "Ich kenne viel mehr Leute."




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