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Lehrer aus dem Ausland

Von der Absage ins Klassenzimmer: AIM in Heilbronn bringt ausländische Lehrer zurück an Schulen

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Lehrer aus dem Ausland können an einem Qualifizierungsprogramm der Akademie für Innovative Bildung und Management (AIM) in Heilbronn teilnehmen, um unter anderem Geflüchtete in sogenannten Vorbereitungsklassen und im Vorbereitungsjahr Arbeit und Beruf ohne Deutschkenntnisse zu helfen. Das berichtet eine Teilnehmerin.

Zugewanderte Lehrer als Potenzial für den Unterricht: Die Akademie für Innovative Bildung und Management aus Heilbronn bildet ausländische Lehrer weiter, damit sie unter anderem in sogenannten Vorbereitungsklassen Geflüchtete unterrichten können.
Zugewanderte Lehrer als Potenzial für den Unterricht: Die Akademie für Innovative Bildung und Management aus Heilbronn bildet ausländische Lehrer weiter, damit sie unter anderem in sogenannten Vorbereitungsklassen Geflüchtete unterrichten können.  Foto: Ina Fassbender

Alina Kroker hatte die Hoffnung, jemals wieder vor einer Klasse zu stehen, längst aufgegeben. In Weißrussland hat sie einst als Lehrerin Gemeinschaftskunde und Geschichte unterrichtet. In Deutschland, wo sie seit 30 Jahren lebt, wollte sie auch in Schulen tätig sein, doch hier erhielt sie immer nur Absagen. „Überall“, erzählt sie. Stattdessen gab es die Empfehlung, dass sie in einer Imbisskette arbeiten könnte, erinnert sie sich.

Demotiviert sei Alina Kroker gewesen, erzählt sie stimme.de. Sie zweifelte an sich und fragte sich sogar, warum sie überhaupt studiert habe. Zuletzt wollte sie gar nicht mehr in Schulen sein, aber mit Mädchen und Jungen arbeiten. Sie hoffte darauf, durch ihre Erfahrungen wenigstens schneller als Erzieherin für Kindergärten anerkannt zu werden. Nicht möglich. „Von A bis O“, sagt sie, „hätte ich die Ausbildung machen müssen.“ Nie wieder beruflich vor Kindern stehen. „Ich hatte mich damit abgefunden“, sagt sie. „Ich hatte alle Träume begraben.“

Mit der Akademie für Innovative Bildung und Management (AIM) aus Heilbronn kommt ausländische Lehrerin wieder an ein Gymnasium

Die Zeit hat sich für Alina Kroker gewandelt, sie macht in einem Gymnasium ein Praktikum und steht wenige Wochen davor, ganz offiziell in einen Vertretungspool für Lehrer zu kommen. „Ich bin total glücklich.“

Möglich macht das ein Programm der Akademie für Innovative Bildung und Management (AIM) in Heilbronn, das sich an zugewanderte Lehrer richtet. Wer ab September an der knapp einjährigen Fortbildung teilnehmen will, kann sich bis Ende Mai anmelden. Die AIM organisiert es mit dem Landratsamt Heilbronn sowie dem Staatlichen Schulamt in Heilbronn. Laut AIM bereitet es Lehrer für die Arbeit an Schulen vor, besonders eingesetzt werden sollen sie in sogenannten Vorbereitungsklassen (VKL) und im Vorbereitungsjahr Arbeit und Beruf ohne Deutschkenntnisse (VPO).

Lehrerin bekommt Unterstützung von ihrem jetzigen Arbeitgeber

Alina Kroker ist froh über das Angebot, und sie bekommt sogar von ihrem bisherigen Arbeitgeber und ihren Kollegen Unterstützung. Um an diesem Qualifizierungsprogramm teilnehmen zu können, reduzierte sie ihre Arbeitszeit auf 20 Wochenstunden – ihr Chef und die Kollegen stünden hinter ihr, sagt sie. 

Alina Kroker schließt bald das Fortbildungsprogramm ab. Der Einsatzbereich sei vielfältig, erzählt sie. Andere Teilnehmer gingen für Praktika in Grundschulen, andere in Realschulen – dahin, wo der Bedarf besteht.

Lehrergewerkschaft GEW sieht Potenzial in ausländischen Lehrern

Ausländische Lehrer in deutsche Schulen bringen: Harald Schröder von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) weiß nicht, wie viele mögliche Lehrer in der Region leben. Allerdings weiß er von Schulleitern, dass sich immer wieder Interessierte melden würden. Zusagen können die Rektoren nicht, die ausländischen Lehrer würden stets an die zuständigen Stellen im Schulsystem verweisen, sagt der GEW-Sprecher für den Kreis Heilbronn.

Beim Fortbildungsprogramm der AIM steht im ersten Semester unter anderem ein Intensivkurs Deutsch auf dem Niveau C1 an, zudem gibt es ein Blockpraktikum an einer Schule. Im zweiten Semester geht es erneut in eine Schule, Deutsch steht wieder auf dem Stundenplan. Das Wissen von Pädagogik, Schulsystem und Unterrichtsmethoden wird laut Ankündigung vertieft.

Ausländische Lehrer können helfen, die Lücken in den Klassenzimmern zu schließen. Sie seien pädagogisch und fachlich ausgebildet, sagt Harald Schröder. 

„Ist hervorragend“: GEW-Vertreter setzt auf Deutsch-Programme

Für Harald Schröder sind Fortbildungen für ausländische Lehrer trotzdem nötig, um ihnen unter anderem das deutsche Schulsystem zu erklären. Für die Vorbereitungsklassen seien sehr gute Deutschkenntnisse erforderlich. „Wenn wir ausländische Lehrer auf dieses Sprachniveau bringen können, ist das hervorragend.“ Selbst in Fächern wie Mathe könnten unter Umständen einzelne Nachschulungen nötig sein. Je nach Herkunftsland unterscheide sich die Didaktik „ganz erheblich“, sagt der Gewerkschaftsvertreter.

Auf die Lehrer, die im Ausland unterrichtet haben, möchte Harald Schröder keinesfalls verzichten. „In den Schulen können wir sie gut gebrauchen“, sagt der Gewerkschaftsvertreter. „Wir sollten das Potenzial nicht verkümmern lassen.“

Am 22. September 2025 beginnt ein weiteres Qualifizierungsprogramm für Lehrerinnen und Lehrer aus dem Ausland. Das Programm findet in Vollzeit statt und dauert nach Angaben der Akademie für Innovative Bidung und Management (AIM) zwei Semester. Zu den Voraussetzungen gehört unter anderem ein universitärer Abschluss als Lehrkraft im Ausland sowie mindestens zwei Jahre Lehrererfahrung. Interessierte melden sich bis 30. Mai an: h.hindahl@landratsamt-heilbronn.de.




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