Silke Wolf sorgt für die zahlreichen Vögel in der Voliere im Pfühlpark
Foto: Berger, Mario
Sie ist neben dem Rosengarten am nördlichen Eingang, dem Spielplatz am Kiosk und dem See im Osten die beliebteste Anlaufstelle im Heilbronner Pfühlpark. Kleine und große Besucher drängen sich regelmäßig um die Gitter, hinter denen die aufgeweckten Vögel ihre Lieder pfeifen, schnäbeln oder umherfliegen. Die große Voliere im gut neun Hektar großen Park ist eine Besonderheit, die es so in Baden-Württemberg selten gibt. „Wir haben das Ganze praktisch geerbt“, schildert Stephan Näschen lächelnd. Seit 26 Jahren ist der Grünflächenamtsmitarbeiter unter anderem für den Pfühlpark und damit auch für die Tiere zuständig. Das Vogelhaus in seiner jetzigen Form wurde im 1934 angelegten Park wohl in den 1960er Jahren gebaut.
Voliere ist Treffpunkt für Alt und Jung
„Eine Voliere wie unsere ist wirklich etwas Ungewöhnliches für eine Parkanlage“, bestätigt Stephan Näschen. Einen Neubau würden die Behörden heute wohl nicht mehr genehmigen. Umso mehr freuen sich die Parkbesucher, wie die Freundinnen Renata Kundi und Emine Kenar, die um die Mittagszeit mit ihren Kleinkindern trotz der kalten Witterung zur Voliere gekommen sind. „Früher als ich noch in der Nähe gewohnt habe, war ich noch öfter mit meinem sechsjährigen Jungen Kerem Aleksander hier, das ist einfach super“, freut sich Kundi.
Auch heute kommt sie regelmäßig mit ihrem zweijährigen Julian. „Die Kinder sind von den Vögeln ganz begeistert“, betont Kundi. „Es ist einfach super hier“, bestätigt ihre Freundin Ermine Kenar, die ebenfalls mit ihrem zweijährigen Jungen an der Voliere steht. Doch nicht nur die jüngsten freuen sich über jeden Besuch bei den rund 25 Wellensittichen und 30 Nymphensittichen, auch die Bewohner des nahegelegenen Seniorenheims Domicil sind regelmäßig an der Voliere, um dem Spiel der bunten Gefährten zuzuschauen und ihren Liedern zu lauschen.
Voliere im Pfühlpark
Foto: Berger, Mario
Liebevolle Betreuung
Die Einzigartigkeit des Freiluftgeheges im Pfühlpark liegt auch an seiner Größe und Sauberkeit. Dafür sorgen unter der Woche die Bauamtsmitarbeiterin Silke Wolf mit ihrem Kollegen Philipp Gebhard. „Die Tiere wollen beschäftigt sein“, weiß Wolf. Deshalb sind in der geräumigen Voliere Hängeleitern, Sträucher und Seile aufgebaut, an denen die Vögel auf und ab kletterrn können. „Im Sommer gibt es noch einen Extra-Haselnussstrauch, und ich schaue auch immer ob die Vögel gesund sind“, schildert die Badenerin.
Bleibt ein Vogel am Boden oder gibt es Anzeichen von einer Krankheit, wird sofort der Tierarzt eingeschaltet. „Ratten könnten eine gewisse Gefahr darstellen, deshalb achten wir verstärkt darauf“, ergänzt Stephan Näschen. Einmal sei es vorgekommen, dass vermutlich ein Marder einen Vogel getötet hat. Daraufhin haben die Bauhofmitarbeiter ein zweites Stahlgitter eingezogen. Die gute Pflege spüren auch die zahlreichen Fans der Vogelvoliere, die regelmäßig stehen bleiben, um die putzigen Tierchen zu bewundern. „Wir bekommen das Jahr über viel positives Feedback“, freut sich Wolf.
Das liegt zu einem großen Teil auch an Anke und Mario Möller, die seit rund 25 Jahren an Wochenenden und Feiertagen die Versorgung der Tiere übernehmen. „Wir haben das damals angefangen und sind dann hängengeblieben“, erinnert sich Anke Möller. Bereut haben die Möllers, die immer Äpfel und Salatblätter mitbringen das bis heute nicht. „Uns macht das Spaß und wir schauen, dass in der Voliere alles passt“, betont die 53-Jährige. Auseinanderhalten kann sie die Vögel trotz der langen Zeit nicht. „Meine Tochter schafft es schon, dass die Wellensittiche ihr aus der Hand fressen, aber bei uns halten sie meist Abstand“, schildert Anke Möller.
Bestand erhalten
Dass die Vögel nicht aussterben, dafür sorgen Heilbronner, die ihre Tiere nicht mehr versorgen können und anfragen, ob sie diese im Pfühlpark abgeben können. „Wenn es der Besatz es zulässt und das Veterinäramt zustimmt, nehmen wir die Vögel gerne auf“, erläutert Silke Wolf. „Züchten dürfen wir aber nicht“, macht Näschen klar. Manchmal gelingt es den cleveren Tieren aber auch, ihre Eier versteckt auszubrüten und damit zusätzlich für frischen Wind im Gehege zu sorgen.
Frischer Wind herrscht auch immer, wenn Silke Wolf am Morgen ins Freiluftgehege kommt, um die Vögel zu füttern, frisches Wasser aufzufüllen und sauberzumachen. „Die kennen mich schon und flattern dann um mich herum“, schildert Wolf. „Und wenn sie zu laut werden, mache ich Musik auf meinem Handy an“, verrät die Pflegerin. „Dann beruhigen sie sich schnell und zwitschern einfach mit.“
Hintergrund:Tiere im Park
In Deutschland entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts in vielen Städten Englische Gärten, Volksparks und öffentliche Grünanlagen. Sie sollten den Bürgern, die meist in beengten Verhältnissen lebten, als Ausgleich dienen. Häufig wurden in den Parks auch exotische Tiere angesiedelt. Der 9,3 Hektar große Pfühlpark entstand 1934 als Ergebnis eines Ideenwettbewerbes zur Gartenbauausstellung. 1996 wurde die gesamte Parkanlage für rund 2,5 Millionen Euro saniert und in seine heutige Form gebracht.
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