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Villa Dittmar in Heilbronn: Wie sie entstand – und wie sie heute genutzt wird

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Im Heilbronner Osten zeugen historische Prachtbauten von der reichen Unternehmergeschichte der Stadt. In die Villa Dittmar, ein architektonisches Juwel, gibt es nun einen seltenen Einblick. 

Von Stefanie Pfäffle 

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Der Blick aus dem breiten Treppenhaus, der Boden mit kunstvollen Villeroy & Boch-Fliesen ausgelegt, erinnert ein bisschen an den Film „Der kleine Lord“. Herrschaftlich im Sinne von adelig waren die Erbauer der Villa Dittmar in der Heilbronner Dittmarstraße nicht, aber Messerfabrikant Theodor Dittmar ein sehr erfolgreicher Unternehmer, ausgezeichnet mit zahlreichen internationalen Preisen und Patenten. Seit 20 Jahren gehört die Villa der Steuer- und Wirtschaftsprüfungskanzlei Remmlinger und Partner und wird vollständig als Büro genutzt.

Messerfabrikant Theodor Dittmar ließ bis 1881 diese Villa im Heilbronner Osten errichten.
Messerfabrikant Theodor Dittmar ließ bis 1881 diese Villa im Heilbronner Osten errichten.  Foto: Pfäffle, Stefanie

Laut Grundbuchauszug, der im ersten Geschoss an der Wand hängt, kaufte die Stadt Heilbronn am 5. August 1940 das Gebäude von der Familie Dittmar. „Das war damals ein hochherrschaftliches Grundstück, das bis zur Oststraße runterging“, weiß Jochen Remmlinger. Die Stadt legte es aber um, teilte das Gebiet in mehrere Grundstücke auf. Trotzdem ist die Villa immer noch von einem ansehnlichen Garten umgeben.

Historische Villa Dittmar im Heilbronner Osten aufwendig renoviert

Es ist nicht das einzige, was sich durch die neuen Besitzer änderte. Zuletzt war hier die Beratungsstelle für Familie und Erziehung untergebracht und dementsprechend praktisch eingerichtet und ausgestaltet. „Diese zweiflügelige Doppeltüre zu meinem Büro war zum Beispiel mit Pressspanplatten eingeschalt, dadurch wurde sie quasi konserviert“, erzählt der 73-Jährige.

Die stattliche zweiflügelige Tür war mit Pressspanplatten verschalt, wurde so konserviert.
Die stattliche zweiflügelige Tür war mit Pressspanplatten verschalt, wurde so konserviert.  Foto: Pfäffle, Stefanie

Vieles mehr kam zum Vorschein, als die Firma anfing, zu sanieren. „Es war wirklich in unrenoviertem Zustand“, macht er klar. Immer mit dabei – das Denkmalamt. „Es war undenkbar, das so praktisch zu lassen, die Renovierung war eindeutig notwendig, die Maßnahmen fanden aber sehr sanft statt.“

Der erste Blick fällt auf die bereits erwähnten Fliesenböden. Sie sind genauso im Originalzustand wie das Parkett. „Villeroy & Boch haben aber eine extra Abteilung dafür und liefern auch noch nach, im Außenbereich haben wir ein paar Ersatzfliesen benötigt.“ Dunkelbraune Kassettendecken, Bögen über den Durchgängen und jede Menge Stuck kamen bei der Renovierung zutage und wurden wieder freigelegt.

Der Blick ins Treppenshaus zur Weihnachtszeit hat ein bisschen was vom Film Der kleine Lord.
Der Blick ins Treppenshaus zur Weihnachtszeit hat ein bisschen was vom Film Der kleine Lord.  Foto: Pfäffle, Stefanie

Steuerkanzlei Remmlinger und Partner nutzt heute die Villa Dittmar in Heilbronn

Nicht alles konnte in den Originalzustand zurückversetzt werden. Im Wintergarten, ebenfalls kunstvoll verfliest, sind eigentlich die komplette Decke und die Wand wunderschön bemalt. Doch nur ein weißer Pfau ist jetzt zu sehen. „Das Denkmalamt hat untersagt, die Farbe weiter zu öffnen, um das Gemälde zu schützen“, erläutert Jochen Remmlinger.

Mit seinem Sohn Stephan, den beiden gehört die Villa, geht es eine alte gewundene Steintreppe nach oben. Ursprünglich war das der Aufgang fürs Gesinde und führt ganze 81 Stufen den Wohnturm im Stile italienischer Geschlechtertürme der Renaissance nach oben.


Im ersten Stock hängen Pläne der einstigen Aufteilung der Räume. Es gibt ein Bügelzimmer, die Waschküche, verschiedene Zimmer, gleich aufgeilt auf zwei Etagen, die heute alle Büros sind. Von ganz oben hat man einen malerischen Blick über die Stadt – als hier noch kaum etwas gebaut war, muss er noch beeindruckender gewesen sein. „Eine Verwandte Dittmars erzählte uns, dass er von da oben immer in die Sterne geschaut hat“, berichtet der 46-Jährige. Ganz unten wiederum befindet sich ein großer Gewölbekeller, der jetzt als Aktenlager verwendet wird.

Ausgestattet sind die herrschaftlichen Büros übrigens mit modernem Mobiliar, einen Weg, den Jochen Remmlinger ganz bewusst gegangen ist. Seit der aufwendigen Renovierung ist das Gebäude wieder in einem guten Zustand, nur hin und wieder muss mal ein Sandstein ausgetauscht werden. „Man muss da schon einen Sinn für haben“, weiß er.

Die Decke im Wintergarten ist kunstvoll ausgemalt, das Denkmalamt erlaubte jedoch nur die Freilegung eines kleinen Teils.
Die Decke im Wintergarten ist kunstvoll ausgemalt, das Denkmalamt erlaubte jedoch nur die Freilegung eines kleinen Teils.  Foto: Pfäffle, Stefanie

Das war der Heilbronner Unternehmer Theodor Dittmar 

Theodor Dittmar (1829-1900) ließ die nach ihm benannte Villa vom Heilbronner Architekten Hermann Maute entwerfen, nach historischen Stadtplänen zu beurteilen das erste Wohnhaus auf dem Lerchenberg, wie Claudia Küpper von der Pressestelle der Stadt Heilbronn recherchiert hat. Küpper bietet Stadtführungen mit Villen-Fokus an. Der Entwurf der Dittmar-Villa ist an die Formensprache der italienischen Landhausarchitektur der Hochrenaissance angelegt.


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Die Messerschmiede Dittmar war 1789 von Johann Georg Dittmar gegründet worden. Die Klingen der Rasiermesser waren aus vorzüglichem englischem Stahl, mit besonderer Sorgfalt gehärtet und galvanisch vergoldet. 1897 besaß die Firma 114 Medaillen, Patente und Preise von Deutschland, Österreich, Russland, Frankreich, England und Amerika und war königlich württembergischer Hoflieferant. 1939 spielte die Messerfabrikation in Heilbronn keine große Rolle mehr. 1967 wurde die Firma endgültig aufgelöst.




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