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„Volkshochschule gehört zur DNA der Wissensstadt Heilbronn“

VHS Heilbronn mit Rekordjahr: KI-Vorträge und Integrationskurse stark nachgefragt 

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Warum mehr Frauen als Männer zur Volkshochschule Heilbronn gehen, welche Kurse besonders gefragt sind und welche Rolle die Erwachsenenbildung spielt – das erklärt Geschäftsführer Peter Hawighorst im Interview.

Geschäftsführer der Volkshochschule Heilbronn, Peter Hawighorst.
Geschäftsführer der Volkshochschule Heilbronn, Peter Hawighorst.  Foto: Christiana Kunz

Die Volkshochschule Heilbronn blickt auf ein Rekordjahr zurück: Noch nie zuvor haben so viele Menschen an Kursen und Einzelveranstaltungen teilgenommen. Im Gespräch erklärt VHS-Leiter Peter Hawighorst, welche Themen besonders gefragt sind.

Die VHS hat ein Rekordjahr hingelegt, was Besucherzahlen und Unterrichtseinheiten angeht. Gibt es Themen, die besonders stark nachgefragt werden?

Peter Hawighorst: Bei den Einzelveranstaltungen sind es die aktuellen Themensetzungen. Nehmen Sie zum Beispiel die „Heilbronner KI-Gespräche“, die wir gemeinsam mit der Stadt durchführen. Da geht es um Fragen wie: Wo begegnen uns Künstliche Intelligenzen bereits heute im Alltag oder im Beruf? Wohin wird die künftige Entwicklung gehen? Unser Ziel ist es, dass die Menschen für sich bewerten können: Birgt die KI eher Chancen oder Risiken? Auch Veranstaltungen, die das Weltgeschehen einordnen – zum Beispiel zum Russland/Ukraine-Krieg - sind sehr gut besucht.

Wie sieht es mit regulären Kursen aus – also jenseits der Einzelveranstaltungen?

Hawighorst: Bei der Kursauswahl entscheidet in der Regel die Neugier unserer Teilnehmenden, ob es um Fremdsprachen, kulturelle Bildung, berufliche Weiterbildungen oder Gesundheitsangebote geht. Mit Blick auf die geleisteten Unterrichtsstunden ist beispielsweise der Programmbereich „Deutsch als Fremdsprache“ seit Jahren anwachsend. In unserer Stadt leben Menschen aus über 150 Nationen. Da ist es von immenser Bedeutung, dass die VHS gesellschaftliche und berufliche Integration fördert.

Wie genau unterstützt die VHS hier?

Hawighorst: Wir bieten ein vollständiges Kursportfolio an. Es beginnt mit Basiskursen für Asylbewerber und Flüchtlinge, gefolgt von den klassischen Integrationskursen im Auftrag des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Daran schließen sich Berufssprachkurse an – ebenfalls gefördert vom Bundesamt – mit besonderem Fokus auf beruflich relevante Sprachkenntnisse, etwa auf dem Niveau B2. Und wir haben Kurse im Programm bis hin zu C1/2 – die notwendig sind, wenn jemand zum Beispiel in Deutschland studieren möchte. Und für all diese Formate bieten wir auch die passenden Prüfungen an – vom Einbürgerungstest über den Deutschtest für Zuwanderer bis zu Goethe-/Telc-Prüfungen. Hierfür hält die VHS Heilbronn ein eigenes Prüfungszentrum vor.

Wer kommt eigentlich zur VHS? Gibt es einen typischen Teilnehmer oder eine typische Teilnehmerin?

Hawighorst: Nein, in der VHS treffen sich Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen und Altersklassen. Was ich aber sagen kann: Unsere größten Altersgruppen bei den Teilnehmenden sind die 50  bis 65- Jährigen, dicht gefolgt von der Gruppe der 35- bis 50-Jährigen. Und: Unsere Teilnehmenden sind mehrheitlich weiblich – 72 Prozent im vergangenen Jahr.

„Unsere Teilnehmenden sind mehrheitlich weiblich“

Die VHS ist günstiger als viele kommerzielle Sprachschulen oder Fitnessstudios. Wie gelingt es, Qualität zu moderaten Preisen anzubieten?

Hawighorst: Volkshochschulen werden öffentlich gefördert, für Baden-Württemberg ist die Verpflichtung dazu im Weiterbildungsförderungsgesetz verankert. Finanzierungsbausteine sind also die Teilnehmergebühren sowie Zuschüsse von Stadt und Land. Unsere VHS hat 2024 mehr als zwei Drittel ihres Budgets unter anderem aus Teilnehmergebühren selbst erwirtschaftet. Das letzte Drittel erhält unser Bildungszentrum zum größeren Teil durch Zuschüsse von der Stadt Heilbronn und zum kleineren Teil vom Land Baden-Württemberg.

Erwachsenenbildung – ist das in Ihren Augen auch ein zentraler Pfeiler unserer Bildungslandschaft?

Hawighorst: Absolut. Die VHS ist ein Ort der Bildung und des lebenslangen Lernens, an der Zukunft gestaltet wird und Gemeinschaft wächst – und das nicht nur mitten in unserer Stadt, sondern auch wohnortnah in allen Stadtteilen und in einigen Kommunen des Landkreises. Sie ist seit mehr als 100 Jahren fester Bestandteil der kommunalen Bildungskette. Ich formuliere es gern so: Die VHS gehört zur DNA der Wissensstadt Heilbronn.

„Die VHS gehört zur DNA der Wissensstadt Heilbronn“

Gibt es Themen, die ganz neu sind und in Zukunft noch wichtiger werden könnten?

Hawighorst: Ich denke, wir sehen alle, dass die Demokratien weltweit unter Druck geraten. Hier sind Volkshochschulen wichtiger denn je, denn demokratiefeindlichen Tendenzen kann nur mit Bildung, die den Menschen Orientierung bietet, begegnet werden. Das hat auch der Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke überzeugend dargelegt, der im Rahmen der „Langen Nacht der Demokratie“ mit einem fulminanten Vortrag in der VHS zu Gast war. Einen weiteren eindrucksvollen Abend gestaltete vor einigen Wochen die Präsidentin des Landesamtes für Verfassungsschutz, Beate Bube.  Sie berichtete an der VHS, wie Extremisten und Verfassungsfeinde agieren und welche Abwehrmöglichkeiten die Sicherheitsorgane haben.  

Gibt es noch eine weitere Entwicklung, die Ihnen auffällt?

Hawighorst: Wir beobachten, dass es immer wichtiger wird, zweite Chancen möglich zu machen. Deutschlandweit beenden jährlich Zehntausende junge Menschen die Schulzeit, ohne einen Hauptschulabschluss erlangt zu haben. Wir haben aus diesem Grund einen Jahreskurs „Hauptschulabschluss für Erwachsene“ im Programm. Der ist zertifiziert, was dazu führt, dass von Arbeitsagentur und Jobcenter gegebenenfalls auch Bildungsgutscheine zur kostenfreien Teilnahme ausgegeben werden können. Auch ist festzustellen, dass viele Menschen im Erwachsenenalter Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben. Die Ursachen dafür sind oft komplex und Hilfsangebote im Grunde rar. Die VHS Heilbronn bietet Betroffenen deshalb im VHS-Lerntreff im Mehrgenerationenhaus Nordstadt kostenfreie und individuelle Unterstützungsangebote an.




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