Verein der Köche Heilbronn stellt steigendes Interesse an Gastro-Berufen fest
Die Ausbildungszahlen in Gastro-Berufen steigen nach Angaben des Heilbronner Vereins der Köche an. Das hängt auch mit einem Wandel in der Branche zusammen.
Beim Verein der Köche Heilbronn erfreut man sich an einem Wandel: Die Zahlen an Auszubildenden für Gastroberufe – Köche, Restaurant- und Hotelfachpersonal – steigen. Wie Vereinsvorsitzender Markus Hoffmann berichtet, gibt es aktuell wieder vier entsprechende Schulklassen an der Peter-Bruckmann-Schule in Heilbronn. Dort betreut der 46-Jährige aus Leingarten sie als Berufsschullehrer auf dem Weg in den Job.
Während der Corona-Jahre und in den Jahren danach verzeichnete man dagegen eine Durststrecke. Es gab laut Hoffmann Zeiten, in denen nur zwei Klassen ausgebildet wurden. Doch warum das nun wachsende Interesse? Thomas Ballmann, früherer Vereinsvorstand und langjähriges Mitglied, sieht die Ursache vor allem in einer veränderten Arbeitswelt.
Gastronomie in Heilbronn: Teildienste bei Köchen werden zunehmend abgeschafft
Während früher lange Arbeitszeiten, geteilte Dienste und hoher körperlicher Druck typisch waren, berichten viele Köche heute von deutlich verbesserten Arbeitsbedingungen. In vielen Betrieben gibt es inzwischen geregeltere Arbeitszeiten. Teildienste, bei denen zwischen Mittag- und Abendschicht mehrere Stunden Pause liegen, werden zunehmend abgeschafft. Das fällt auch in Stellenanzeigen auf, die angesagte Restaurants in der Region veröffentlichen. Der Wegfall der Teildienste wird dort gerne betont.
„Wir haben einen Generationenwechsel in den Betrieben“, erklärt Markus Hoffmann, der vor seiner Zeit als Berufsschullehrer mit seiner Frau Diana die Herzogskelter in Güglingen geführt hat. Die neuen Chefs verstehen die Sprache der Azubis und die Bedürfnisse der nachkommenden Generationen.
Trotzdem bleibt Koch ein leistungsorientierter Beruf, was sich lange Jahre nicht jeder junge Mensch, der das mal ausprobieren wollte, so vorgestellt hat. Viele bekamen ihr Bild aus Fernsehserien, „Köche waren da ja omnipräsent“, sagt Ballmann (64) aus Brackenheim-Neipperg. „Es ist aber im echten Leben nicht so, dass man 18 Schälchen hingestellt bekommt, in denen alles vorbereitet ist.“
Interesse an Gastronomie: Technischer Fortschritt erleichtert Köchen die Arbeit
Die Technik allerdings, die hilft – und zwar zunehmend mehr. Man könne immer mehr Dinge vorbereiten und müsse nicht alles in Hektik erledigen, wenn gerade der Laden voll ist. Moderne Geräte wie Kombidämpfer und Sous-vide-Geräte erleichtern viele Arbeitsschritte, sorgen für gleichbleibende Qualität und entlasten die Mitarbeitenden auch körperlich. Induktionsherde verursachen weniger Hitze in der Küche, wodurch das Arbeiten angenehmer ist. Dadurch wird der Beruf insgesamt zugänglicher und effizienter.
Betriebe sehen sich auch deshalb gezwungen, attraktiver zu werden, weil ein Fachkräftemangel besteht. Dadurch stehen nach Ansicht von Hoffmann und Ballmann Themen wie Work-Life-Balance und faire Bezahlung ebenfalls stärker im Fokus als früher.
Manche Betriebe werben über Programme im Ausland um Unterstützung – in manchen Küchen in der Region gibt es beispielsweise mehrere nepalesische Auszubildende. Ballmann berichtet, dass migrantische Auszubildende seiner Erfahrung nach eine hohe Einsatzbereitschaft eint sowie eine starke Loyalität zum Arbeitgeber.
Verein der Köche engagiert sich für Nachwuchsförderung und organisiert Workshops
Der Rückgang von Dorfgaststätten indes wird schwer aufzuhalten sein. Früher war es üblich, sechs Tage in der Woche zu arbeiten – und die ganze Familie half mit. Es war nichts Außergewöhnliches, wenn noch die gesamte erweiterte Familie mithalf. „Heute gibt es das kaum noch“, so Ballmann. Für genau solche Gaststätten sei es auch schwerer geworden, steigende Kosten in allen Bereichen zu stemmen, insbesondere gestiegene Personalkosten.
Der Verein der Köche Heilbronn e. V. ist ein regionaler Zusammenschluss von Köchinnen, Köchen und Auszubildenden, der sich für den Austausch, die Weiterbildung und die Zukunft des Berufs einsetzt. Als Teil des Verbands der Köche Deutschlands engagiert sich der Verein besonders in der Nachwuchsförderung und organisiert regelmäßig Workshops, Wettbewerbe und Veranstaltungen für junge Talente.
Durch gezielte Nachwuchsarbeit – etwa Azubi-Workshops und Wettbewerbe – stärkt der Verein die Begeisterung für den Beruf. Die Ausbildung zum Koch selbst ist vielseitig und umfasst auch Planung, Organisation und den Umgang mit Lebensmitteln.
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