Türkei löst WM-Ticket, Drama um Italien: Fans fiebern in Kneipen der Region mit
Die letzten Tickets für die Fußball-WM sind vergeben: Acht Teams kämpften am Dienstagabend ums Weiterkommen, eine Zitterpartie wurde es unter anderem für Italien und die Türkei. Fans in Heilbronn oder Neckarsulm fieberten vor der Leinwand mit.
Was für ein Fußballkrimi: Die Türkei löst am Dienstag in den Playoffs auf den letzten Drücker das Ticket zur WM, Italien durchleidet ein Elfmeter-Desaster. Bosnien jubelt. Fans in der Region Heilbronn erleben die dramatischen Szenen in Kneipen live vor dem Bildschirm. Hunderte türkischeFans feiern ihre Mannschaft nach Abpfiff mit einem Autokorso auf der Allee.
Zurück zum Anpfiff: Die Stimmung sei ausgelassen und friedlich, sagt Kenan Yilmaz, Inhaber des Ahanda, einer Zigarren- und Cocktailbar, in Neckarsulm. Auf zwölf Monitoren läuft in einem großen Raum das Spiel Türkei gegen Kosovo, weil der Platz nicht reichte, wurden auch andere Räume mit Flachbildschirmen für Fans der Türkei und des Kosovo freigemacht. Denn an den Spielen Dänemark gegen Tschechien und Polen gegen Schweden war das Interesse nur gering. In einem kleinen Raum schauen italienische Fußballfans gemeinsam mit Bosniern das vierte Spiel. Rund 200 Leute seien heute hier, sagt Yilmaz.
Bar Ahanda in Neckarsulm wird zur WM-Arena der Nationen
Unter anderem Ersin ist heute wegen des Spieles der Türkei vor Ort. „Die Stimmung ist unbeschreiblich“, sagt er. Das sei ein wichtiges Spiel, die Türkei sei seit 24 Jahren nicht mehr bei einer WM dabei gewesen, das war 2002. Damals war er acht Jahre alt, sagt der heute 32-Jährige, immer wieder mit Blick zu den Bildschirmen, auf denen das Spiel läuft. „Noch 25 Minuten und ein Traum wird wahr.“

Auch Vanessa Hochkeppl ist heute hier, um zusammen mit einem Freund das Türkei-Spiel anzuschauen. Sie sieht sich selbst als Unterstützung, denn sie habe viele Freunde aus der Türkei und drücke ihnen die Daumen. Es sei eine tolle Atmosphäre, ein spannendes Spiel, jeder fiebere mit. Wenn die Türkei gewinnt, werde sie am Autokorso teilnehmen.
Armin Masic sitzt in einem kleinen Raum mit etwa zehn Leuten. Der Bosnier sei sehr angespannt und wünsche sich, dass Bosnien-Herzegowina das Spiel gegen Italien gewinnt, denn die letzte WM-Teilnahme war 2014 und ist damit schon einige Zeit her. „Es wäre einfach großartig, bei der WM dabei zu sein“, sagt er.
Jonnys Sportsbar in Heilbronn: Kaum freie Plätze zu den WM-Playoffs
Mit ihm im selben Raum: Rachele Moraw. Die Italienerin ist ebenfalls gekommen, um das Spiel zu schauen, seit der zweiten Halbzeit ist sie hier. Am Anfang sei sie sehr angespannt gewesen, jetzt denkt sie: „Es kommt, wie es kommt. Aber eigentlich müssen wir gewinnen.“ Die Stimmung in dem kleinen Raum sei sehr gut, jeder hier gönne dem anderen den Sieg, sagt sie.
Auch in der Heilbronner Innenstadt haben sich Menschen zum Fußballschauen getroffen, so in Jonnys Sportsbar. „Umso wichtiger das Spiel, umso mehr ist los“, sagt Danilo Iaria. Heute herrsche ein Ausnahmezustand. Viele Leute bekommen keinen Platz mehr, schauen sich die Spiele im Stehen an. Manche sitzen auch draußen auf der Terrasse und verfolgen durch das Fenster das Geschehen. Heute seien viele Bosnier da, sagt Danilo Iaria, aber es laufen alle Spiele gleichzeitig auf verschiedenen Bildschirmen.
Adnan beispielsweise schaut sich das Spiel mit mehreren Freunden an. Sie seien heute wegen Bosnien-Herzegowina da. „Wir sind alle gut gelaunt und freuen uns auf das Spiel. Aber wir wollen uns noch nicht zu früh festlegen, wer gewinnt.“ Anders sehen das zwei junge Männer: „Natürlich Kosovo!“ antworten sie auf die Frage, wer beim Spiel Türkei gegen Kosovo triumphieren wird.
Türkei-Fans im Neckarsulm: Der Traum vom WM-Titel
Immer mehr Menschen drängen in die Sportsbar. „Hier ist ja Full House“, ruft einer und sieht sich nach einem Platz um. Andere überlegen, woanders hinzugehen, da es ihnen zu voll ist. „Ich bin für die Kleinen, die Underdogs“, sagt ein weiterer Gast. Deswegen unterstütze er heute Kosovo.
„Ich kann nicht mehr hinschauen“, ruft jemand, es laufen die letzten sechs Minuten der Nachspielzeit des Spiels Türkei gegen Kosovo. Kollektiv wird im Ahanda immer wieder aufgestöhnt bei brenzligen Situationen, als der Abpfiff kommt, jubeln die Menschen, reißen die Hände in die Höhe und liegen sich in den Armen. Freunde von ihm seien Kosovaren, sagt Ersin, sie hätten ihm zum Sieg der Türkei gratuliert. Nun werde er nach Hause gehen. „Heute Nacht träume ich davon, wie wir den Pokal holen“
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