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Tätowiererin statt Astronautin: Heilbronnerin erfüllt sich ihren Kindheitstraum

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Corona-bedingt wird ihre Ausbildung abgebrochen und die ersten Schritte als Tätowiererin sind hart. Heute hat Millenia Ferrarese knapp 6000 Abonnenten bei Tiktok und ihr eigenes Studio in Heilbronn.


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„Speak friend and entersteht auf der Fußmatte. Das „Herr der Ringe“-Zitat lädt ein, in das Tattoo-Studio Amai Ink in Heilbronn-Böckingen. An den matten Wänden des Studios hängen ein Pulp-Fiction-Poster und Pokémon-Artworks und in einem kleinen Regal stehen Manga-Comics und Sammelfiguren. Millenia Ferrarese, genannt Mina, hat hier einen Ort geschaffen, an dem sie und ihre Kunden sich gleichermaßen wohlfühlen.

Von der Tattoo-Convention in Berlin zum eigenen Studio in Heilbronn

Seit zwei Jahren hat Ferrarese ihr eigenes Studio. Für die 25-Jährige ist das die Erfüllung eines Kindheitstraums. Als ihre Mutter sie im Alter von zehn Jahren mit auf eine Tattoo-Convention nach Berlin nimmt, ist für Mina Ferrarese klar: Ich will Tätowiererin werden! „Damals war das aber noch so ein Kindheitstraum, wie Astronaut werden“, erklärt sie. 

Fokus: Als Tätowierer braucht man Geduld und eine ruhige Hand.
Fokus: Als Tätowierer braucht man Geduld und eine ruhige Hand.  Foto: Frank, Dennis

Doch der Weg zum Traumberuf ist lang. Mit vierzehn arbeitet Ferrarese das erste Mal in einer Bäckerei und hat eigener Aussage nach zwölf unterschiedliche Jobs, bis sie in Vollzeit zur Tattoo-Nadel greift. 2020 mach Ferrarese ihre Ausbildung zur Tourismuskauffrau in einem Reisebüro. Doch Corona sorgt damals nicht nur für reihenweise abgesagte Reisen, sondern auch dafür, dasFerrareses Arbeitgeber ihr die Ausbildungsstelle kündigt.

Schwerer Start für die Heilbronnerin in der Tattoo-Community

Für Ferrarese rückblickend ein Glücksfall: Die damals 20-Jährige konzentriert sich auf ihre Leidenschaft und beginnt in ihrem Zimmer damit, auf Kunsthaut das Tätowieren zu üben. Zu dieser Zeit wohnt sie noch in Backnang und beginnt in einem leerstehenden Kunststudio zum ersten Mal Kunden zu tätowieren. Beinahe hätte sie die Nadel früh wieder zur Seite gelegt, denn das erste Feedback ist brutal.

Snacks für den Blutzucker, Zukünftige Tattoo-Motive an der Wand und Mangas für die Kunden – Mina Ferrarese drückt dem Studio ihren Stempel auf.
Snacks für den Blutzucker, Zukünftige Tattoo-Motive an der Wand und Mangas für die Kunden – Mina Ferrarese drückt dem Studio ihren Stempel auf.  Foto: Frank, Dennis

Millenia beginnt, wie in der Branche üblich, Tattoos gegen Rabatt zu stechen. Der Kunde weiß dabei das ein Anfänger sie tätowiert. Ein reduzierter Preis für ein unausgereiftes Tattoo. Zu dieser Zeit beginnt Ferrarese auch auf den sozialen Medien ihre Fortschritte zu teilen, und kommt zum ersten Mal mit der Tattoo-Szene in Kontakt.

„Es war wirklich hart am Anfang. Die Tattoo-Community ist stellenweise sehr toxisch. Ich wurde beleidigt für meine Tattoos und eine Tätowiererin hat mir sogar geschrieben, das ich es einfach lassen soll“, erzählt Ferrarese.

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Erste Anstellung bei Think-Tattoos in Heilbronn

Doch Sie lässt es nicht. Zwar dachte sie ihrer eigenen Aussage nach ans Aufgeben, macht aber weiter und fängt 2021 nach ihrem Umzug bei Think-Tattoos in Heilbronn ihre erste Anstellung in einem offiziellen Tattoo-Studio an. Und dort beginnt sich Ferrarese ihren Ruf aufzubauen. Auch weil sie ihren Stil findet.

Der Stencil muss sitzen – Millenia Ferrarese platziert die Tattoo-Vorlage auf ihrer Kundin.
Der Stencil muss sitzen – Millenia Ferrarese platziert die Tattoo-Vorlage auf ihrer Kundin.  Foto: Frank, Dennis

Denn MilleniaFerrarese entwickelte in jungen Jahren nicht nur eine Leidenschaft fürs Tätowieren, sondern auch für japanische Animationsfilme, genannt Anime. Und genau wie Tattoos liegen Animes aktuell im Trend. Und für Ferrarese ist das kein Zufall. „Anime und Manga Fans sind sehr leidenschaftlich. Viele finden Komfort in ihren Lieblingsanime und tragen diese gern unter der Haut“, erzählt sie. Und so spezialisiert sich die 25-Jährige auf das Stechen von Fineline- und Anime Motiven.

Von der Nordsee nach Heilbronn – zwölf Stunden Fahrt für ein Tattoo

Und die Heilbronnerin gewinnt schnell an Popularität. Wo sie in den sozialen Medien anfangs auf Widerstand gestoßen ist, findet sie jetzt Zuspruch. Jeweils knapp 6000 Menschen verfolgen ihre Kunst auf Instagram und Tiktok. Das meistgeklickte Video auf Fararreses Tiktok-Account „Amai_Ink“ wurde von knapp 200.000 Menschen gesehen.

In den Räumlichkeiten in denen tätowiert wird ist er verboten: Ferarreses weißer Samojede Shen .
In den Räumlichkeiten in denen tätowiert wird ist er verboten: Ferarreses weißer Samojede Shen .  Foto: Frank, Dennis

Und während Abonnenten im Internet oft eine unsichtbare Präsenzsind, merkt Ferrarese im Studio, wie viele Menschen sie erreicht. „Ich habe Stammkunden aus Berlin, Köln und Hamburg. Eine Kundin von mir wollte unbedingt, das ich sie tätowiere, also ist sie zwölf Stunden von der Nordsee aus hierher gefahren“, berichtet sie. Tattoos trägt man eben sein Leben lang mit sich, da ist die Auswahl des Künstlers sehr wichtig. Und Mina Ferrarese hat sich bereits in jungen Jahren einen Ruf erarbeitet, der weit über die Grenzen Heilbronns herausreicht.




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