Während die Clubszene in Heilbronn am Karfreitagabend geschlossen bleibt, tanzt eine Diskothek in Stuttgart aus der Reihe. Unter dem Motto „Gegen Tanzverbot und stille Tage“ wirbt das LKA Longhorn auf seiner Website für deren 90er Party. Beigelegt ist eine Sondergenehmigung der Stadt Stuttgart, die das Event vom Feiertagsgesetz befreit. Matze Kern schüttelt dazu nur den Kopf.
Tanzverbot am Karfreitag: Wie Heilbronner Clubs mit dem stillen Feiertag umgehen
In Gartenlaube, Mobilat und Co. wurde trotz Tanzverbot in den Karfreitag hinein gefeiert. Zwei wurden durch die Polizei geschlossen. Besitzer und Verband fordern einheitliche Regelungen.

Der Nachtclub Gartenlaube in Böckingen ist gut besucht. Doch ausgelassene Feierstimmung? Ein wenig Fehlanzeige. Die meisten Partygäste wiegen sich locker im Takt, ein Getränk in der Hand – das ist heute Usus.
Der womöglich dafür verantwortliche „Partycrasher“ steht am Eingang: Ein großes DIN-A3-Plakat verkündet „Heute Tanzverbot“. Verwunderte Blicke unter den Gästen sind keine Seltenheit.
Gartenlaube, Mobilat, Musikpark: Heilbronner Clubs feiern trotz Tanzverbot
Doch das Schild hat seinen Grund: Gefeiert wurde vom Gründonnerstagabend hinein in den Karfreitag – den höchsten Feiertag der Christen. An diesem Tag gedenkt man dem Leiden und Sterben Jesu am Kreuz. Der Karfreitag ist deshalb in Deutschland ein sogenannter stiller Feiertag. Geschäfte und Behörden bleiben geschlossen, Tanz- sowie meist auch Sportveranstaltungen sind untersagt. In Baden-Württemberg gilt dies von Gründonnerstag, 18 Uhr, bis Karsamstag, 20 Uhr.
Wer am Donnerstagabend durch Heilbronn schlendert, stellt schnell fest: Viel Bedeutung scheint das Feiertagsgesetz hier nicht zu haben. Bars und Clubs sind geöffnet, Partymusik erklingt, viele Sportvereine trainieren noch nach 21 Uhr. Wie passt das zusammen?
Uneinheitliche Regelungen zwischen Bundesländern
Es sind die uneinheitlichen Regelungen des Feiertagsgesetzes zwischen den Bundesländern, die Clubbetreibern zu schaffen machen. „Tatsächlich ist der Gründonnerstag einer der stärksten Ausgehtage“, erklärt Matze Kern, Betriebsleiter der Gartenlaube. In Berlin oder Bremen etwa gilt am Gründonnerstag kein Tanzverbot, am Karfreitag dürfen Clubs dort bereits ab 21 Uhr wieder öffnen. „Das ist wie Wettbewerbsverzerrung“, meint Kern.
Die Heilbronner Clubszene lädt deshalb seit Jahren am Gründonnerstag geschlossen zum Feiern ein: Musikpark, Mobilat, Creme21, Bukowski und auch die Gartenlaube haben geöffnet. Das Problem: „Wir wissen genau, auf welchem Boden wir uns bewegen.“ Barbetrieb sei erlaubt, tanzen ab 18 Uhr und laute Musik ab 0 Uhr, hingegen nicht, erklärt der Betriebsleiter. Bei Verstößen gegen das Feiertagsgesetz drohen Bußgelder von bis zu 1.500 Euro. Polizeikontrollen seien in den vergangenen Jahren jedoch selten gewesen, so Kern. Eine Anfrage der Heilbronner Stimme zur Umsetzung des Feiertagsgesetzes blieb seitens der Stadt Heilbronn bis zum Redaktionsschluss am Freitag um 18 Uhr unbeantwortet.

Kein Änderungsbedarf bei Feiertagsgesetz für Innenminister Strobl
„Ich wünsche mir einheitliche Vorgaben im ganzen Land“, sagt Kern. „Das Verständnis für solche Regel-Flickenteppiche ist bei den Leuten spätestens seit Corona kaum noch vorhanden.“ Auch die DEHOGA BW setzt sich seit 2022 für eine Aufhebung des Tanz- und Musikverbots ein.
Für Innenminister Thomas Strobl (CDU) besteht hingegen kein Anpassungsbedarf: „Zum Tanzen, Feiern und für Veranstaltungen stehen reichlich andere Tage zur Verfügung.“ Feiertage seien Teil der christlichen Werte. „Der Karfreitag ist heilig. Er ist der einzige Feiertag mit einem ganztägigen Veranstaltungs- und Tanzverbot. Das entspricht dem stillen Wesen und der ernsten Bedeutung dieses Tages“, erklärte Strobl gegenüber der dpa.
Mobilat muss nach Polizeikontrolle frühzeitig schließen
Der DJ in der Gartenlaube erinnerte die Gäste im Laufe des Abends mehrfach an das bestehende Tanzverbot und bat um Verständnis. Doch bei Klassikern wie „Major Tom“ oder „Skandal im Sperrbezirk“ fiel dies vielen Laube-Gästen schwer. Zudem informierte er darüber, dass zwei Clubs am anderen Ende der Stadt von Polizei und Ordnungsamt geschlossen worden seien. Ein Polizeisprecher bestätigte am Freitagmittag, dass „die Fortsetzung des Betriebs im Mobilat in den frühen Morgenstunden untersagt wurde.“ Auch im Creme21 und im Musikpark fanden Gaststättenkontrollen statt.
Gegen 3 Uhr morgens schloss Matze Kern die Gartenlaube. Am Karfreitag selbst bleibt sie – wie alle Clubs in Heilbronn – geschlossen.
Kommentare öffnen

Stimme.de
Kommentare