Benzin in Diesel-Zapfsäule an Heilbronner Tankstelle? Das steckt dahinter
Ein Diesel-Fahrer schildert auf Facebook, dass Benzin in den Tank gelangt sei – Schuld sei eine falsch verbundene Zapfpistole. Die Tankstelle dementiert. Doch was sollten Autofahrer in solchen Fällen tun?
Was ein Nutzer einer Heilbronner Facebook-Gruppe Ende Januar schildert, ist der Albtraum jedes Dieselfahrzeug-Fahrers: Er will in der letzten Januar-Woche an einer Tankstelle in der Käthchenstadt getankt haben – und dann sei Benzin anstatt des erwarteten Diesel-Kraftstoffs aus der Zapfpistole geflossen. Der falsche Sprit sei im Nachhinein nachweislich im Tank seines Autos festgestellt worden.
Telefonisch habe ihm das Tankstellenteam vor Ort Diesel-Probleme an der Heilbronner Tankstelle bestätigt. Als angebliche Reaktion darauf hätten die Mitarbeiter die Diesel-Zapfsäulen zwischenzeitlich gesperrt.
Angeblicher Vorfall an Heilbronner Tankstelle: Kam Benzin aus Diesel-Zapfpistole?
Auf Nachfrage beim Firmensitz des angeblich betroffenen Mineralöl-Unternehmens ergibt sich allerdings ein anderes Bild. Die Diesel-Zapfsäulen seien tatsächlich zwischenzeitlich gesperrt gewesen, „jedoch nicht aus den in dem Facebook-Post genannten Gründen“, wie ein Konzernsprecher auf Stimme-Nachfrage und nach Kontaktaufnahme mit dem Tankstellenteam in Heilbronn mitteilt. Die Angaben des Nutzers seien nicht korrekt, die Sperrung erfolgte aus technischen Gründen.
Doch nicht nur wenn – wider Erwarten – falscher Kraftstoff aus der vermeintlich richtigen Zapfsäule sprudelt, kann Schaden entstehen. Auch wenn man versehentlich zum verkehrten Zapfrüssel greift, füllt sich der Tank womöglich mit dem falschen Treibstoff.
Diesel-Zapfpistolen haben größeren Durchmesser als Benzin-Zapfpistolen
Allerdings gibt es an den Tankstellen Vorkehrungen, die genau das verhindern sollen: „Diesel-Zapfpistolen haben per Norm einen größeren Durchmesser als die Zapfpistolen für Benzin“, berichtet Fabian Faehrmann, Unternehmenssprecher beim ADAC. „Das soll verhindern, dass man versehentlich Diesel in einen Benziner einfüllt.“
In der Praxis könne es dennoch zu dem Fehler kommen: Die Tanköffnung an manchen Benziner sei laut Faehrmann groß genug, dass die Diesel-Zapfpistole trotzdem hineinpasst. Laut ADAC-Tests verfügen nur wenige Benziner-Pkw über eine Schutzklappe, die das Einführen des Diesel-Zapfhahns verhindert. Faehrmann: „Umgekehrt verfügen die meisten Diesel über eine entsprechende Vorrichtung, damit dort kein Benzin eingefüllt werden kann.“
Benzin verursacht Motorschaden in Diesel-System
Was passiert jedoch technisch, wenn Benzin in ein Diesel-System gelangt? „Benzin entfernt schnell den Schmierfilm, den der Diesel naturgemäß aufbaut. In diesem Fall droht ein Motorschaden, wenn der Treibstoff in das Motorsystem gelangt“, berichtet der ADAC-Sprecher. Dieser Schaden kann mehrere Tausend Euro teuer werden – bis hin zum wirtschaftlichen Totalschaden. Wichtig sei, die Problematik rasch zu bemerken, da Experten das Motorsystem entsprechend reinigen können.
Allerdings falle der Irrtum, dass sich Benzin statt Diesel im Tank befindet, meist erst während der Fahrt auf. „Der Motor läuft dann meist unruhiger, und es gibt Leistungsverluste. Zudem können Warnleuchten im Fahrzeug aufblinken. Nach einer gewissen Zeit geht in der Regel der Motor von alleine aus und lässt sich nicht mehr starten“, berichtet Faehrmann. Auch der umgekehrte Fall, Diesel im Benzin-System, ist ähnlich problematisch.
Benzin im Dieseltank: Abpumpen kann hohen Schaden verhindern
Was ist allerdings zu tun, wenn man falsch getankt hat? Sofern man bereits während des Tankvorgangs den Fehler bemerkt, sollte man keinesfalls die Zündung einschalten. Faehrmann: „Außerdem sollten Fahrer moderner Autos möglichst vermeiden, dass die Fahrertür geöffnet wird.“ Denn dann starten einige Fahrzeuge bereits die Kraftstoffpumpe – und der falsche Stoff gelangt ins Motorsystem. „Stattdessen sollten Autofahrer die Hinweise des Fahrzeugherstellers in der Bedienungsanleitung befolgen. Wurde der Motor noch nicht gestartet, reicht unter Umständen das Abpumpen des Diesel-Benzin-Gemischs aus dem Tank.“
Offenbar hat sich der auf Facebook verbreitete Vorfall in der Heilbronner Tankstelle als unwahr herausgestellt. Wer haftet aber, falls man zur richtigen Zapfpistole greift, diese jedoch nicht mit dem korrekten Kraftstoff verbunden ist? Fabian Faehrmann erklärt: „Der Schaden wird beim Tankstellenbetreiber geltend zu machen sein – auch dann, wenn der Fahrer des Tanklastzuges oder der Lieferant einen Fehler gemacht hat. Betroffene sollten zunächst den direkten Kontakt zum Tankstellenbetreiber suchen und hier den Vorfall schildern.“
Darüber hinaus sei es wichtig, Beweismittel zu sichern, um im Streitfall nachzuweisen, dass aus dem Zapfhahn wirklich der falsche Kraftstoff geflossen ist. Das Aufbewahren einer Kraftstoffprobe aus der entsprechenden Zapfsäule sei hierbei hilfreich.
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