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Kultur „to go“

Heilbronner Straßenkunstfestival sorgt für volle Innenstadt und gute Stimmung

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Einfach mal stehenbleiben und genießen: Das geht bei keiner Kulturveranstaltung so leicht wie beim Straßenkunstfestival in der Heilbronner Fußgängerzone. Während bei den Künstler Jongleure überwiegen, das Publikum bunt gemischt.

Von Stefanie Pfäffle

„Nicht über die Bühne gehen!“ Und wieder drängt Clown Klikusch ein paar Passanten freundlich, aber bestimmt zurück. Weil sich so viele Menschen rund um die imaginäre Bühne am Hafenmarktturm aufgestellt haben, bleibt den Uninteressierten nur noch der Weg um das Spielplatzschiff herum.

Straßenkunstfestival Heilbronn zieht mit Jonglage, Musik und Clownerie zahlreiche Besucher an

So geht das am Samstag immer wieder in der Heilbronner Innenstadt, denn kaum stellt sich ein Künstler beim Straßenkunstfestival im Rahmen des Kultursamstags auf, bilden sich Menschentrauben, die sich von Jonglage, Musik, Clownerie und mehr verzaubern lassen.

Das Straßenkunstfestival findet im dritten Jahr zum siebten Mal statt. Auch für 2026 ist ein weiterer Termin am 18. Juli angedacht, wieder mit einem komplett neuen Programm. Zum ersten Mal allerdings haben die 15 Künstler und Gruppen so schönes Wetter. „Wir haben zum ersten Mal keine Sturmwarnung“, freut sich Steffen Schoch, Geschäftsführer der Heilbronn Marketing GmbH (HMG).

Clown Kilkusch war recht spontan für verletzte Kollegen eingesprungen und amüsierte die Passanten, die sich gerne auf den Spaß mit ihm einließen.
Clown Kilkusch war recht spontan für verletzte Kollegen eingesprungen und amüsierte die Passanten, die sich gerne auf den Spaß mit ihm einließen.  Foto: Stefanie Pfäffle

Straßenkunstfestival Heilbronn: Was zum Erfolgsrezept gehört

Das macht nicht nur Eis zur begehrten Ware, sondern bringt naturgemäß sowieso schon mal mehr Menschen in die Fußgängerzone, auch wenn sie nicht ursächlich wegen der Kunst hier sind. „Das Erfolgsrezept ist das niederschwellige Angebot und dass sich so viele Spielorte durch die ganze Innenstadt ziehen“, fasst Irina Guzina, Leiterin des Geschäftsbereichs City Management bei der HMG, zusammen. Die fünf Bühnen ziehen sich vom Wollhaus bis zur Nikolaikirche. Zusätzlich gibt es Mitmachangebote im Deutschhof und in der Stadtgalerie.

Am Abend werden dann auch noch die Neckarbühne und das Marrahaus musikalisch bespielt, nachdem alle Künstler mit den Zuschauern in einer bunten Parade dorthin flaniert sind. Das Ziel sei es, eine Belebung hinzubekommen, die für Jung und Alt interessant sei. Dass das Ganze vornehmlich ohne Sprache, sondern mit Musik und Pantomime auskommt, ist ein zusätzliches Plus.


„Müsste hier jetzt nicht Janna Wohlfahrt auftreten?“ fragt ein Pärchen am Infostand. Eigentlich schon, aber die Einradfahrerin musste kurzfristig absagen, genau wie der Walking Act Bonpardon. Doch mit dem Tübinger Akrobaten Fabio Zimmermann und Clown Klikusch konnte Ersatz gefunden werden. Die Künstler kommen gern nach Heilbronn. „Das Festival ist sehr schön, alles ist so herzlich organisiert und ich brauche praktisch nur kommen, alles ist schon da“, erzählt Verena Rau aus Karlsruhe, die eine Mischung aus Jonglage, Geschichtenerzählen und Gesang rund um den Feuervogel Phoenix darbietet.

Wobei die strahlende Sonne dieses Mal doch eine Herausforderung bei ihrem Auftritt auf dem Kiliansplatz ist. „Ich musste mich immer etwas abdrehen beim Jonglieren, damit ich was sehe.“ Jonglage ist ein bisschen das Hauptthema bei dieser Festivalauflage, die Akteure kennen sich auch untereinander gut. Als Konkurrenz sehen sie sich aber nicht. „Ich freue mich, dass Jonglage so präsent ist, und das Schöne ist, dass wir alle einen sehr unterschiedlichen Stil haben, so dass es nicht langweilig wird.“

Verena Rau aus Karlsruhe bietet eine Mischung aus Geschichtenerzählen, Gesang und Jonglage rund um den Feuervogel Phoenix.
Verena Rau aus Karlsruhe bietet eine Mischung aus Geschichtenerzählen, Gesang und Jonglage rund um den Feuervogel Phoenix.  Foto: Stefanie Pfäffle

Straßenkunstfestival Heilbronn: Zuschauer können sogar mitmachen

Zurück zu Clown Klikusch. Der hat hohe Ansprüche. Nicht einfach losklatschen, wenn er die Bühne betritt, sondern bitte auf sein Zeichen. Angst vor Körperkontakt hat er nicht, greift einem Mann auch mal an den Kragen, um ihm eindringlich die Regeln zu erklären oder gibt das Eis einer jungen Frau an einen Mann weiter, weil der wissen wollte, was er denn für sein Mitmachen bekommt. Kinder kichern ausgelassen und bewundern anschließend, wie er zunächst drei Bälle in der Luft hält.

„Wir sind extra wegen des Festivals hergefahren, weil wir wussten, dass dann auf jeden Fall was los ist“, erzählt Helena Aberle aus Öhringen, die mit Sohnemann Nick (4) und Ehemann Stefan einen entspannten Familientag mit spazieren gehen, Eis essen und Wetter genießen erleben möchte. Katharina Feil, die mit Tochter Klara unterwegs ist, hat das Angebot überrascht. „Es ist völliger Zufall, aber jetzt nehmen wir auch ein paar Auftritte mit“, beschließt die Heilbronnerin. Es sei schön, wenn die Stadt so belebt werde. „Ich finde, dass sich die Stadt da viel einfallen lässt.“ Brigitte und Norbert Andree aus Karlsruhe sind ganz begeistert von der schönen Heilbronner Innenstadt. „Hoffentlich wird unsere auch mal so.“

 




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