Wasserversorgung bei Blackout: Stadtwerke Heilbronn sind für den Ernstfall gerüstet
Das städtische Versorgungsunternehmen hat strategische Maßnahmen für die Wasserversorgung im Notfall ergriffen. Es wurde ein mobiles Notstromaggregat angeschafft. Die erste Testphase brachte wichtige Erkenntnisse.
Der Technik-Thriller „Blackout – Morgen ist es zu spät“ des österreichischen Schriftstellers Marc Elsberg, der über einen Zeitraum von zwei Wochen die katastrophalen Auswirkungen eines großflächigen Stromausfalls in Europa beschreibt, stand nicht Pate für die strategischen Maßnahmen der Stadtwerke Heilbronn (SWHN) und der Heilbronner Versorgungs GmbH (HNVG) für die lückenlose Wasserversorgung im Notfall. „Wir treffen vielmehr umfassende Vorsorgemaßnahmen, damit die Bürger in Heilbronn und Nordheim hinsichtlich der Wasserversorgung auch im Krisenfall gut abgesichert sind“, erklärt SWHN-Geschäftsführer Erik Mai die Vorgehensweise.
Wasserversorgung im Notfall: Heilbronner Unternehmen setzen auf Notstromaggregate
Die beiden städtischen Versorgungsunternehmen setzen dabei auf Notstromaggregate. „Diese werden im Falle eines Stromausfalls automatisch aktiviert und versorgen die Pumpwerke mit dem nötigen Strom“, erläutert der Technische Leiter Hannes Gänse. Das neueste mobile Notstromaggregat mit einer Leistung von 500 KW steht am Pumpwerk in Heilbronn-Frankenbach unweit der Dörnlestraße und kann bis zu 15.000 Einwohner mit Wasser versorgen.

Trinkwasserversorgung in Heilbronn im Ernstfall weit über Vorgaben gewährleistet
„Es wird mit winterfestem und lang lagerfähigem synthetischem Diesel betrieben und kann bis zu zehn Stunden im Volllastbetrieb laufen“, beschreibt Markus Stattelmann vom Bereich Elektro bei der HNVG das Prunkstück. Und Erik Mai ergänzt voll des Lobes: „Mit diesem Stromerzeuger garantieren wir, dass die Trinkwasserversorgung weit über den vom Verband Gas/Wasser gesetzlich geforderten 72 Stunden hinaus gesichert ist.“ Gekostet hat der Stromerzeuger auf Rädern 240.000 Euro. 50 Prozent davon steuerte der Bund über ein Förderprogramm bei.
In den vergangen Tagen wurde der Stromerzeuger in einer Testphase auf seine Belastbarkeit hin geprüft. Der V8-Motor schnurrte auch am vergangenen Mittwoch unüberhörbar vor sich hin. Pro Tag verbraucht er 1000 Liter Diesel und 80 Liter AdBlue. Für eine schnelle Betankung sorgt das Tankwagenteam der Stadtwerke. Bei der Bevorratung an Diesel sehen sich die Versorgungsbetriebe auf der sicheren Seite. Aus Sicherheitsgründen werden über die Menge jedoch keine Angaben gemacht.
Stromaggregat wird in Heilbronn regelmäßig getestet
„Die Systeme laufen einwandfrei“, zieht Hannes Gänse eine erste Bilanz. Dennoch wird die regelmäßige Wartung zum Alltagsgeschäft werden: „Alle acht Wochen wird das Stromaggregat künftig getestet“, bemerkt Markus Stattelmann. An den Wasserhähnen in den Wohnungen merken die Bürger nicht, ob die Pumpen mit Strom aus dem Netz oder vom Aggregat betrieben werden: „Der Druck bleibt gleich“, sagt Hannes Gänse. In Hochhäusern mit mehr als vier Stockwerken seien sowieso Druckerhöhungsanlagen eingebaut.

Um die Stromversorgung an ihren Trinkwasserknoten an der Salzstraße, Schillerstraße und in Frankenbach bei einem Blackout sicherzustellen, setzen die Stadtwerke zudem auf eigene nicht mobile Containeraggregate. Aus gutem Grund: Im Ernstfall benötigen Feuerwehr und Technisches Hilfswerk ihre Stromerzeuger selbst. Das Pumpwerk in Frankenbach, das in den 1980er Jahren gebaut worden war, versorgt alle Haushalte westlich des Neckars mit Trinkwasser. Durch die Rohe fließen 80 Prozent Bodenseewasser und 20 Prozent Eigenwasser. „Beides keimfrei und in bester Qualität“, betont Erik Mai.
Hintergrund: SHWN und HNVG setzen auf Eigenwasser
Den Eigenwasser-Anteil wollen die Heilbronner Versorger künftig deutlich steigern. Aufgrund des steigenden Bedarfs muss nach den Worten des Stadtwerke-Geschäftsführers Erik Mai die Wasserabgabe von derzeit rund acht Millionen Kubikmeter um 1,8 Millionen Kubikmeter pro Jahr erhöht werden. Da die Kontingente für Bodenseewasser vergeben sind, setzen SHWN und HNVG auf Eigenwasser. Dafür werden in den Böckinger Wiesen die vorhandenen und vor Jahren stillgelegten Brunnen teuer reaktiviert. Zudem wird dort ein kleines Wasserwerk gebaut. Die Gesamtkosten beziffert Mai auf voraussichtlich 27 Millionen Euro. Die Planung läuft bereits, die Fertigstellung ist für Ende des Jahrzehnts terminiert.
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