Wo in Heilbronn ein neues Busdepot für 50 Millionen Euro entsteht, ist noch unklar
Die Verkehrsbetriebe der Stadt Heilbronn müssen wegen der Umrüstung auf E-Mobilität investieren. Warum der aktuelle Standort kaum Perspektiven bietet.

Die Verkehrsbetriebe der Stadt Heilbronn stehen nach dem Bau der Stadtbahn vor einer ihrer größten finanziellen Herausforderungen: Das Busdepot an der Georg-Vogel-Straße nördlich des Wilhelm-Leuschner-Kreisels ist zu klein geworden und muss durch einen Neubau ersetzt werden.
Verkehrsbetriebsdirektor Tilo Elser geht von geschätzten Kosten in einer Größenordnung von etwa 50 Millionen Euro aus. Fördermittel gibt es dafür vom Bund und vom Land.
Einen Wunschstandort hat Tilo Elsner nicht
Derzeit läuft die Standortsuche. Sie soll Ende des Jahres, Anfang des kommenden Jahres abgeschlossen sein. Einen Wunschstandort hat Elser nicht: "Da bin ich leidenschaftslos." Allerdings schließt er Flächen in den Böllinger Höfen oder das alte Tierheim-Areal an der Wimpfener Straße aus: "Das Gewerbegebiet in Neckargartach wäre zu weit weg vom Liniennetz-Mittelpunkt, das alte Tierheim-Grundstück ist deutlich zu klein."
Gesucht wird folglich ein Standort mit einer Größe von mindestens 2,2 Hektar, der bei späterem Bedarf noch erweitert werden kann: "Wir dürfen bei der Summe aller Leerfahrten nicht schlechter liegen", nennt Elser einen wichtigen Parameter. Baubeginn könnte, wenn seitens der Planung alles optimal läuft, 2025 sein.
Obwohl der 1966 bezogene Bus-Betriebshof an der Georg-Vogel-Straße aus Sicht von Elser "ideal liegt", muss gehandelt werden. Hauptgrund ist die sukzessive Umrüstung der Busflotte auf E-Fahrzeuge beziehungsweise später einmal Wasserstoff: "Hier bietet unser Depot kaum Perspektiven. Ein Umbau unterm rollenden Rad ist schwierig, käme deutlich teurer und würde deutlich länger dauern", begründet Tilo Elser den Neubau.
Allein die E-Ladekapazität würde derzeit gerade für zwei-E-Busse ausreichen. Von den 62 Stadtbussen, davon ein Drittel Gelenkzüge, ist derzeit nur ein Fahrzeug mit der E-Technologie ausgestattet. Für die Verkehrsbetriebe fahren außerdem vier RBS-Busse. Die Busunternehmen Bonk (Leingarten) und Müller (Massenbachhausen) bedienen die Kleinbuslinien.
Verkehrsbetriebe wollen auch in Wasserstoffbusse investieren
Und genau die neuen Energieformen in der Mobilität lösten bei den Verkehrsbetrieben Überlegungen für einen neuen Standort aus. Dies auch vor dem Hintergrund, dass bei Neuanschaffungen von Bussen 22,5 Prozent E-Fahrzeuge beziehungsweise Omnibusse mit Wasserstoffantrieb gekauft werden müssen. Dazu ein interessantes Detail am Rande: E-Busse kosten bei der Anschaffung etwa doppelt so viel wie ein herkömmlicher Bus, bei Wasserstoff muss drei Mal so viel bezahlt werden. In der Geschichte des Heilbronner Nahverkehrs, die 1897 mit den ersten Straßenbahnen begann, wäre das neue Busdepot der dritte Standort eines Betriebshofes.
Begonnen hatte es in der westlichen Bahnhofstraße, dort, wo sich heute der zentrale Busbahnhof für die Überlandbusse befindet. 1964 erfolgte der Spatenstich für den jetzigen Betriebshof auf dem 17 000 Quadratmeter großen Areal an der Kanalstraße, heute Georg-Vogel-Straße - benannt nach Georg Vogel, dem ersten Heilbronner Hafendirektor. Die Kosten betrugen 7,7 Millionen Mark. Der neue Betriebshof kostet 60 Jahre später sieben Mal so viel.
Wie sich der Nahverkehr in Heilbronn entwickelt hat
Die Verkehrsbetriebe Heilbronn betreiben ein Stadtbus- und Stadtbahnnetz aus 21 Linien in der Stadt Heilbronn und der Gemeinde Flein. Das Verkehrsunternehmen ging 1940 aus der ehemaligen Heilbronner Straßenbahn AG hervor, welche für die Straßenbahn Heilbronn (1897 bis 1955) zuständig war. Zugesetzt hat den Verkehrsbetrieben das Corona-Jahr 2021: Mit dem Stadtbus und der S-Bahn waren nur 18,8 Millionen Fahrgäste unterwegs. Das sind 70 Prozent des Niveaus von 2019.
Mehr als 200 Mitarbeiter sorgen für den sicheren und reibungslosen Transport der Fahrgäste. Wie fast jede andere Firma auch, sind die Verkehrsbetriebe Heilbronn auf der Suche nach Fahrerperson.
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