Eugen Gall übergibt sein Sontheimer Weingut in neue Hände

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Markus und Ramona Niklas übernehmen den Besen von Eugen Gall in Sontheim. Entschlossen hat sich der Wengerter zu diesem Schritt eher notgedrungen - aus Altersgründen und weil die Kinder kein Interesse am Weinbau haben. Bald ist Eröffnung.

Freuen sich auf eine neue Besenepoche: Ramona und Markus Niklas, Renate Schmidt und Eugen Gall, sowie Noelle und David Niklas (von rechts).
Foto: Andreas Veigel
Freuen sich auf eine neue Besenepoche: Ramona und Markus Niklas, Renate Schmidt und Eugen Gall, sowie Noelle und David Niklas (von rechts). Foto: Andreas Veigel  Foto: Veigel, Andreas

Es war aus einer geselligen Weinlaune heraus, als Markus und Ramona Niklas vor fünf Jahren gegenüber dem Heilbronner Wengerter Eugen Gall (73) ungeniert angedeutet hatten, auch einmal eine Besenwirtschaft führen zu wollen. Jetzt ist es soweit. Nachdem der Weinbaumeister aus Sontheim vor zwei Jahren seine 4,5 Hektar Wengert verpachtet hatte, übergab er nun seinen idyllisch gelegenen Besen am Fuße des Staufenbergs an die Familie Niklas.

Kein leichter Schritt für Eugen Gall

"Altershalber, und weil meine drei Kinder keinerlei Interesse am Weinbau haben, entschloss ich mich zu diesem nicht leichten Schritt", gewährt Gall, der seit 1994 dem Heilbronner Gemeinderat angehört, einen kleinen Einblick in sein derzeit noch aufgewühltes Innenleben. Firmieren wird die Schänke unter dem Namen Weinausschank Gall & Niklas.

Sieben Tage im Monat ist geöffnet

Am kommenden Montag nun werden erstmals Ramona (44) und Markus Niklas (46) Gäste in dem seit 40 Jahren bestehenden urigen Besen willkommen heißen. Ein Mal im Monat wollen sie für sieben Tage von 11.30 bis 22 Uhr öffnen. Unterstützt werden sich dabei von Eugen Gall und seiner Lebenspartnerin Renate Schmidt: "Ganz aus dem Besenalltag wollen wir uns doch nicht zurückziehen", hängen beide noch zu sehr an der schwäbischen Gemütlichkeit.

Die ganze Familie Niklas hilft mit

Details zum Besen gibt es hier.

Dass Fachfremde nun leidenschaftliche Besenwirte werden - Markus Niklas ist angestellter IT-Kaufmann, seine Frau Ramona arbeitet als Immobilienfachwirtin bei der Gewo Wohnbaugenossenschaft - hängt damit zusammen, dass der Besen eine Konzession für den "Verkauf von landwirtschaftlichen Erzeugnissen" hat, die auch für die Verpachtung gilt. Markus Niklas hat aber auch einen persönlichen Weinbau-Hintergrund: Seine Eltern Christel und Alois bewirtschafteten lange Zeit die Weinberge von Oma Agnes Weiß, die einst an der Hofgartenstraße - heute Handyland - eine Besenwirtschaft betrieben hatte. Mittlerweile sind die Wengert verpachtet. Besenluft schnuppern werden auch die beiden Niklas-Kinder David (18) und Noelle (15) und in ihrer Freizeit tatkräftig anpacken.

In einem ersten Schritt 50 000 Euro investiert

Mit der Neubesetzung des Besens gingen in den letzten Monaten größere Umbaumaßnahmen einher. So wurden eine Theke und ein Kühlhaus eingebaut sowie ein digitales Kassensystem mit einem "Besenkärtle" für die Bestellungen installiert. Die Strichliste auf dem Untersetzung aus Pappe ist passé. Der mit Palmen, Oleander und Palmen mediterran gestaltete Außenbereich wurde mit einem Zelt, das von selbstgefertigten Lampen aus Weinflaschen interessant beleuchtet wird, ergänzt. "An die 50 000 Euro wurden investiert", sagt Ramona Niklas und ergänzt: "2022 wird die Küche komplett erneuert."

22 Besengerichte stehen auf der Karte

Die Revolution auf dem Teller und im Glas findet im Besen Gall/Niklas nur bedingt statt. Es gibt 22 bewährte Besenessen von der Schlachtplatte bis zum Brätbrot, einen Mittagstisch und eine Sommerkarte. Die 14 Weine kommen aus dem Keller des Weinguts Albrecht-Kiessling, die zwei Sekte vom Weingut Schloss Affaltrach. Die Preise sind besengerecht. "Wir setzen voll auf Regionalität", betont Ramona Niklas. Zudem gibt es ein Bier aus der Flasche, die Schnäpse produziert Eugen Gall nach wie vor selbst. Jetzt brennt die gesamte Familie Niklas, am kommenden Montag die ersten Gäste begrüßen zu können.

 

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