Was Sicherheit kostet

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Region Heilbronn - Nach Kritik an Rettungsdienstsystem. Zu teure Sicherheitskonzepte bei Veranstaltungen? Mit dieser Meinung ist Heilbronn-Marketing-Chef Bernhard Winkler nicht allein. Auch Karl Maier, seit Jahren Organisator des Unterländer Volksfests, sagt: „Die Verhältnismäßigkeit ist nicht mehr da.“

Von unserem Redakteur Carsten Friese

Andrang beim Unterländer Volksfest: Auch Organisator Karl Maier klagt über drastisch gestiegene Kosten für den Rettungsdienst.Foto: Archiv/Veigel
Andrang beim Unterländer Volksfest: Auch Organisator Karl Maier klagt über drastisch gestiegene Kosten für den Rettungsdienst.Foto: Archiv/Veigel
Region Heilbronn - Nach Kritik an Rettungsdienstsystem - Zu teure Sicherheitskonzepte bei Veranstaltungen? Mit dieser Meinung ist Heilbronn-Marketing-Chef Bernhard Winkler nicht allein. Auch Karl Maier, seit Jahren Organisator des Unterländer Volksfests, sagt: "Die Verhältnismäßigkeit ist nicht mehr da." Eine Steigerung der Kosten für den Rettungsdienst "um 500 Prozent" führt er an, nachdem Leitende Notärzte Gutachten erstellten.

Habe er für die elf Tage auf der Theresienwiese vor vier Jahren "um die 2000 Euro" für den Rettungsdienst bezahlt, seien es jetzt rund 10.000 Euro. Jetzt müsse auch ein Arzt vor Ort sein, die Zahl der Kräfte habe sich erhöht. Obwohl sich an den Rahmenbedingungen nichts Grundlegendes geändert habe. Auch bei den Securitykräften habe sich der Kostenaufwand mindestens verdoppelt. "Man weiß als Veranstalter bald nicht mehr, wo man das Geld hernehmen soll." Schätzungsweise 200.000 bis 250.000 Besucher kamen in den vergangenen Jahren aufs Volksfest. Die Basis für Gutachten-Berechnungen.

Akzeptiert

Auch Marcus Christen, der bei "In.Stuttgart" den 17-tägigen Cannstatter Wasen mit organisiert, nennt das Sicherheitskonzept "teuer". Teilweise haben man "schon das Gefühl", der nach einer Notarzt-Analyse eingeteilte Rettungsdienst sei etwas überdimensioniert. Aber: "Wir richten uns danach" − auch wenn sich die Kosten etwa verdoppelt hätten. "Wir möchten sichere Voraussetzungen." Eine halbe Million Euro für Fluchttreppen führt Christen an; zudem kämen über 100 000 Euro für den Rettungsdienst und mehrere hunderttausend Euro für den Sicherheitsdienst zusammen. Etwa vier Millionen Besucher strömen zum Canstatter Wasen.

In Heilbronn hatten Heilbronn Marketing und der Schwäbische Turnerbund ein um das Dreifache verteuerte Sicherheitskonzept beim Landesturn- und Neckarfest kritisiert. 90.000 Euro kostete es, 50.000 Euro entfielen auf den Rettungsdienst. 12.500 Sportler waren an mehr als 30 Wettkampstätten in der Stadt, mit 100.000 Besuchern rechneten die Organisatoren.

Keine großen Preissteigerungen − und kein gesondertes Notarzt-Gutachten, das sich an geschätzten Besucherzahlen orientiert, gibt es beim Bad Wimpfener Talmarkt. Man erarbeite seit Jahren das Konzept gemeinsam mit Feuerwehr, DRK, Polizei, Sicherheitsdienst, erklärt Marktmeister Jochen Großkopf. Es sei eine gewachsene Veranstaltung mit sicheren Strukturen.

Anderer Weg

Wie viele Gäste kommen? Großkopf schätzt mehrere Tausende an guten Tagen, aber "wir können es nicht zählen". Für ihn ist es auch "ein großer Unterschied", ob ein Fest auf einem Platz oder an verschiedenen Orten mit starken Besucherbewegungen stattfindet. Auf rund 20.000 Euro beziffert er die Gesamtkosten fürs Sicherheitskonzept beim Talmarkt (5,5 Tage). Nach Angaben von Bürgermeister Claus Brechter macht der Rettungsdienst etwa ein Viertel aus.

Debatten über hohe Kosten beim Rettungsdienst kennt auch Fred Mainka nicht, der viele Jahre den Bad Wimpfener Weihnachtsmarkt mit organisierte. Es gibt kein spezielles Rettungsgutachten, das Gesamtkonzept entsteht in gemeinsamer Vorplanung. Sicherheitskosten für den Weihnachtsmarkt 2011 (neun Tage): 18.000 Euro, davon etwa 3000 für den Rettungsdienst.

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