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Heilbronn

Unterwegs in arabischen Lebensmittel-Geschäften in Heilbronn

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Vieles von dem was Hikmat El Awad in seinem Laden verkauft, findet man nicht im Supermarkt. Mittlerweile gibt es acht orientalische Läden in der Heilbronner Innenstadt - sie bieten ihren Kunden ein Stück Heimat zwischen den Regalen.

Von Emad Almansour und Bärbel Kistner
Verschiedene Teesorten in schöner Verpackung dürfen in einem arabischen Laden nicht fehlen.
Verschiedene Teesorten in schöner Verpackung dürfen in einem arabischen Laden nicht fehlen.  Foto: Seidel, Ralf

Die Italiener in Heilbronn haben Italfood und einige kleine Lebensmittelläden zur Auswahl. Für türkische Kunden gibt es einen Supermarkt. Wer aus Russland kommt, findet Geschäfte mit typischen Produkten wie Teigtaschen und eingelegten Tomaten. In Böckingen gibt es transsilvanische Spezialitäten. Der Einzelhandel hat sich auf die unterschiedlichen Kulturen in der Stadt eingestellt.

Mit der Flüchtlingskrise kamen sehr viele Menschen aus arabischen Ländern nach Heilbronn, und auch für sie gibt es immer mehr Angebote. Mittlerweile kann man in acht Geschäften Lebensmittel aus dem Orient einkaufen.

Hikmat El Awad eröffnet schon 2001 einen Laden

Hikmat El Awad hat mit Orient Lebensmittel in der Sonnengasse den ersten arabischen Laden in Heilbronn eröffnet.
Hikmat El Awad hat mit Orient Lebensmittel in der Sonnengasse den ersten arabischen Laden in Heilbronn eröffnet.  Foto: Seidel, Ralf

Hikmat El Awad ist der Pionier. Orient Lebensmittel in der Sonnengasse hat bereits 2001 geöffnet, als noch nicht viele Araber hier lebten. "Damals gab es in Heilbronn noch keine arabischen Geschäfte in der Stadt. Ich musste jeden Monat ein bis zwei Mal nach Stuttgart fahren, um meine Einkäufe zu erledigen", erzählt Hikmat El Awad, der vor 30 Jahren nach Deutschland gekommen ist.

Der 65-Jährige verkauft vor allem Waren aus Syrien und dem Irak, die er von Großhändlern in Esslingen und Stuttgart bezieht. "Die meisten meiner Kunden wollen vor allem Fladenbrot", erzählt der Libanese, das er in einer arabischen Großbäckerei in Stuttgart einkauft. Auch bei Gewürzen wie grünem Kardamom, das man für viele arabische Gerichte benötigt, werden Kunden fündig. Ein besonderes Angebot sind Süßigkeiten mit klangvollen Namen wie zum Beispiel Namura, Betifur und Mamoul.

Mehr Konkurrenz

Als vor zwei Jahren viele arabische Flüchtlinge nach Heilbronn strömten, gab es in der Stadt noch kaum Konkurrenz. "Ich hatte gut zu tun und sehr viel Kundschaft", sagt El Awad. Doch inzwischen habe das Geschäft nachgelassen, weil weitere Läden geöffnet haben.

Einer der neuen Ladeninhaber ist Goran Mustafa aus dem Irak. Der 44-Jährige lebt seit 18 Jahren in Deutschland und hat in der Lammgasse vor eineinhalb Jahren ein Geschäft eröffnet. Der Händler war überzeugt, dass es wegen der vielen Flüchtlinge in Heilbronn genügend Nachfrage für ein weiteres arabisches Geschäft geben werde. Auch bei Mustafa finden Kunden orientalische Atmosphäre. "Wer hier eintritt, bekommt oft Heimweh", berichtet der Iraker mit kurdischen Wurzeln. Arabische Produkte entdecken, orientalische Lieder hören, das erinnere die Kunden sofort an ihre Heimatländer.

Makdous mit Walnüssen gefüllt

Vieles, was es Goran Mustafa (li.) in seinem Markt in der Lammgasse zu kaufen gibt, haben normale Supermärkte nicht im Angebot: zum Beispiel Makdous, eingelegte, gefüllte Auberginen. Fotos: Ralf Seidel
Vieles, was es Goran Mustafa (li.) in seinem Markt in der Lammgasse zu kaufen gibt, haben normale Supermärkte nicht im Angebot: zum Beispiel Makdous, eingelegte, gefüllte Auberginen. Fotos: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Der Mustafa-Markt bietet alles, was man für die arabische Küche braucht. Zum Beispiel gibt es Thymian oder Malvenblätter und natürlich Makdous: in Öl eingelegte Auberginen, gefüllt mit Walnüssen, Peperoni, Paprika und Knoblauch - für Araber ein typisches Gericht zum Frühstück. Auch Süßigkeiten und arabischen Kaffee hat Mustafa im Angebot. Er kauft außer in Stuttgart bei Großhändlern in Nürnberg und München ein.

"Mir fehlen nur manche syrischen Produkte, nach denen gefragt wird. Zum Beispiel spezielle Käsesorten", sagt der Händler. Er plant, Gemüse, Obst und frisches Fleisch in sein Sortiment zu nehmen. Der Mustafa-Markt hat Kunden verschiedener Nationalitäten. Der Ladenbetreiber spricht neben arabisch noch kurdisch und persisch - und natürlich deutsch. Inzwischen haben auch viele Heilbronner das Geschäft und die Produkte aus dem Orient für sich entdeckt.

 

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