Trecker-Treck ist eine Wissenschaft mit Leidenschaft
Beim Trecker-Treck in Sontheim geht es um viel mehr, als einfach nur auf seinem Schlepper zu sitzen. Balastierung, Reifenprofil und Reifendruck machen die Feinheiten aus, die beim Ziehen des Bremswagens über den Sieger bestimmen.

Der Bulldog zieht an. Nach kurzer Zeit wird es immer lauter. Aus dem Auspuff über dem Fahrer quillt schwarzer Rauch. Die Räder drehen sich fest. Die Nase des Schleppers reckt sich in die Höhe. Noch ein kurzes Aufbäumen, dann geht nichts mehr. Kopfschütteln beim Fahrer, lautstarker Jubel beim Publikum. So ging das gestern den ganzen Tag auf den Hüttenäckern in Sontheim. Nach zwei Jahren Pause war endlich wieder Zeit für viele PS und große Reifen - Trecker-Treck.
Es geht zu wie auf dem Rummel in einer Kleinstadt. Ein Kinderkarussell dreht sich, Familien flanieren über den stoppeligen Boden, Männer stehen in der langen Kassenschlange, um ihren Anhang mit Verpflegung zu versorgen. All das passiert rund um die Rennstrecke auf einem brach liegenden Acker. Die Zuschauer flankieren die Absperrzäune. Links und rechts stehen zig Hänger, deren Besitzer sie mit Sofas und Theken zu persönlichen VIP-Lounges umgerüstet haben.
Die Anmeldezahlen für die unterschiedlichen Gewichtsklassen sind gut
Alle wollen sie einen guten Blick auf das Geschehen haben. In den letzten Jahren waren es im Schnitt immer um die 160 bis 180 Ackerschlepper, die hier in zehn verschiedenen Gewichtsklassen gegeneinander angetreten sind. Um die Mittagszeit gehen die Anmeldezahlen auch in diese Richtung. Doch um was geht es eigentlich? Ein Traktor zieht einen Bremswagen. Ein beweglicher Gewichtsbehälter bewegt sich während des Ziehens von der Achse nach vorne über die Kufe, was den Widerstand drastisch erhöht. Wer es nun schafft, den so genannten Pull, also den Zug, am weitesten durchzuziehen, gewinnt.
Jetzt könnte man denken, Landwirt X und Wengerter Y kommen einfach mit dem Trecker angefahren, der gestern noch auf dem Hof im Einsatz war, stellen sich auf die Bahn und gut ist. Aber nein, der Trecker-Treck ist eine Wissenschaft für sich und für die meisten Anwesenden ein Hobby, das sie mit Leidenschaft ausüben.
Ohne Sonderausstattung hat ein Schlepper keine Chance
Lukas Feeser etwa begleitete seinen Vater schon als kleiner Junge zum Treck. "Seitdem ich meinen Führerschein habe, und ein Jahr davor, fahre ich selber", erzählt der Böckinger. Mit der Landwirtschaft sei das ein gutes Hobby, da wird viel am Schlepper gebastelt. Feeser startet in Klasse drei bis 2,7 Tonnen. Kleine Arbeiten werden mit dem guten Stück zwar auch noch erledigt, aber von Juni bis September bekommt er seine Sonderausstattung für die fünf Trecker-Trecks in der Region. "Wir verzichten komplett auf optisches Tuning, aber die Gewichtsbalastierung und -verteilung muss stimmen, das ist in den kleinen Klassen das A und O", erklärt er. Gewichte sind also das eine, die Reifen das andere.
Ein gutes Profil und nicht so viel Luft müssen sie haben. "Manche lassen raus, was geht, damit sie mehr Bodenfläche haben, aber dann besteht die Gefahr, dass sie auf der Felge drehen und der Reifen kaputt geht", erzählt Sebastian Kühner. Er selber wolle mit seinem auch noch arbeiten. Der Bachenauer fährt in der Klasse fünf mit, aus Spaß an der Freude, wie er sagt. Ein bisschen Ehrgeiz habe er zwar, aber da gebe es ganz andere: "Die stecken richtig viel Geld rein, die kaufen sich einen extra Trecker nur für den Trecker-Treck."
Die besonders Ambitionierten besitzen Schlepper mit 500 PS und besondere Kraftstoffe
Die besonders Ambitionierten sind in der Sportklasse 4+ unterwegs. Hier treten sie mit getunten Traktoren bis 500 PS und Sonderkraftstoffen an. Davon waren in Sontheim fünf am Start. Am Samstag maßen sich bereits 13 Quads, fünf Geländewagen, 42 Schmalspurschlepper und sechs Teams à zehn Personen beim Mannschaftsziehen. Der Regen zwischendurch - in Sontheim war es nicht viel - hat dem Wettkampf nicht geschadet. "Jeder hat ja zwei Züge, das gleicht sich ziemlich aus", weiß Hermann Kurz, zweiter Vorsitzender vom Trecker-Team Sontheim, das bereits die 23. Veranstaltung organisierte.


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