Schwere Zeit für Bestatter und Hinterbliebene

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Die Kontaktbeschränkungen und Abstandregeln wegen Corona gelten auch bei Beerdigungen, das ist für Trauernde nicht leicht und führt auch zu Unverständnis. Aber auch die Bestatter müssen sich umstellen und kreativ sein.

von Helmut Buchholz
Bei Bestattungen gelten wegen der Corona-Pandemie strenge Regeln. Nur fünf Trauergäste dürfen dabei sein, der Kreis kann aber erweitert werden.
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Bei Bestattungen gelten wegen der Corona-Pandemie strenge Regeln. Nur fünf Trauergäste dürfen dabei sein, der Kreis kann aber erweitert werden. Foto: dpa  Foto: Nicolas Armer

In Deutschland ist die Corona-Sterberate im Vergleich zu Italien zwar noch gering. Doch bei Todesfällen gibt es jetzt schon starke Einschränkungen, um das Infektionsrisiko zu verringern. Das stellt die Bestatter vor große Herausforderungen.

Bei der Stimme hatte sich schon vor einigen Tagen eine 66-Jährige aus einer Heilbronner Landkreiskommune gemeldet, die jetzt ihren Ehemann zu Grabe tragen muss, der nicht an Corona gestorben ist. Sie kritisiert die Einschränkungen. Der Personenkreis bei Trauerfeiern am Grab ist stark eingeschränkt. In Bau- und Supermärkten dürften sich mehr Leute aufhalten, so die Witwe. Es würden auch Personenkontrollen stattfinden. "Das ist entwürdigend, gerade in einer Zeit, in der man trauert." Ihr sei klar, dass es sich gerade um eine Ausnahmesituation handelt. "Man ist nervlich am Ende, und dann wird da abgezählt und kontrolliert. Das ist hart für die Angehörigen."

Verwandte dürfen dabei sein

Zwischenzeitlich haben sich die Regeln schon wieder geändert, sie wurden Anfang April angepasst. Bei Trauerfeiern dürfen nicht mehr zehn, sondern nur noch fünf Personen anwesend sein. Dieser Kreis kann aber erweitert werden. In jedem Fall dabei sein dürfen Verwandte in gerader Linie, also beispielsweise Eltern, Großeltern, Kinder und Enkelkinder. Pfarrer oder Mitarbeiter der Bestattungsunternehmen werden nicht mehr auf diesen Personenkreis angerechnet, wie es noch Ende März der Fall war.

Es gelten nach wie vor die Pandemie-Hygiene und Abstandsregeln. "Man ist dermaßen eingeschränkt, das schlägt einem selbst aufs Gemüt", berichtet Uwe Knapp. Der Chef des Heilbronner Bestattungsunternehmens Knapp erzäht, "dass wir diese Regeln den Hinterbliebenen einfühlsam erklären müssen". So gebe es die Möglichkeit, die Trauerfeiern bei Urnenbestattungen zu verschieben. Bis zu zwei Monate. Schwierig wird es auch für die Bestatter bei Corona-Toten und Verdachtsfällen, die genauso wie Infizierte zu behandeln sind. "Wir haben zu wenig Schutzausrüstung", berichtet Knapp. Allerdings würden sich in der Not die Bestattungsunternehmen mit Schutzmaterial gegenseitig aushelfen. "Man hält zusammen." Trotz Konkurrenz.

Händedesinfektion ist Pflicht

Aber klar sei, dass die Bestatter zurzeit Beerdigungen nicht so gestalten könnten, wie sie es gerne würden. Zum Beispiel dürften nur noch zwei Personen zum Gespräch mit dem Bestatter erscheinen. Händedesinfektion ist Standard, wer wolle, bekomme auch einen Mundschutz. Knapp versichert, dass Hinterbliebene viel Verständnis für die Einschränkungen aufbringen. "Die haben ja auch Angst vor Ansteckung." Uwe Knapp berichtet von einer Beerdigung in Mosbach, das war noch vor der Anpassung der Regeln. Da durften nur fünf Personen am Grab stehen. "Aber 25 weitere Trauergäste standen in gebührendem Abstand zueinander an der Friedhofsmauer zusammen, und nahmen gemeinsam Abschied. Das war sehr berührend."

Frank Schöneberg, Chef eines Bestattungsunternehmens in Eppingen, sieht den "einen oder anderen Kollegen in der Pflicht, sich vorzubereiten". Er habe schon im Januar nach den ersten Meldungen erkannt, dass Corona sich nicht auf China beschränken würde und hat deshalb vorgesorgt und sich rechtzeitig Schutzausrüstungen gekauft. Schöneberg hat noch "nichts Negatives" von Angehörigen über die derzeitigen Einschränkungen gehört. "Die Leute verstehen das." Schlimm sei, wenn Hinterbliebene ihre Verstorbenen nicht mehr sehen dürften, wenn sie an dem Virus gestorben sind. Als Bestatter müsse man nun kreativ sein. Man könne zum Beispiel mit dem Leichenwagen noch mal am Haus des Verstorbenen vorbeifahren. Eine symbolische Geste, die den Angehörigen das Gefühl gebe, "er war noch mal da".

Ein Abschied ist wichtig

Pascal Appel kann auch für sein Heilbronner Bestattungsunternehmen berichten: "Angehörige von Verstorbenen bringen für die jetzige Lage viel Verständnis auf." Am schlimmsten sei, wenn Angehörige sich nicht mehr von den Sterbenden beziehungsweise Verstorbenen verabschieden können. Pascal Appel: "Das ist eine Tragödie."

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