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Heilbronner Ruderschwaben bauen ein neues Bootshaus

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Noch vor zwei Jahren war die Stimmung im Heilbronner Traditionsverein am Tiefpunkt, nachdem die Verhandlungen über den Verkauf der Vereinsgrundstücke in der Badstraße gescheitert waren. Nun die überraschende Wendung: Die Ruderschwaben kaufen ein Teilgelände des Freibads Neckarhalde. Ende 2022 soll das neue Bootshaus fertig sein.

Das Bootshaus (links) und das Schwabenhaus an der Badstraße verkauft der Verein, um mit dem Geld das neue Bootshaus finanzieren zu können.
Foto: Mario Berger
Das Bootshaus (links) und das Schwabenhaus an der Badstraße verkauft der Verein, um mit dem Geld das neue Bootshaus finanzieren zu können. Foto: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Die Heilbronner Rudergesellschaft Schwaben (HRS), ein Verein mit einer 141-jährigen Geschichte, kann beruhigt in die Zukunft blicken: Die Gespräche über den Bau eines neuen Vereinsheims mit Bootshalle auf einem rund 4600 Quadratmeter großen Teilbereich der südlichen Liegefläche des Freibads Neckarhalde sind erfolgreich. "Die Planungen für den Neubau laufen auf Hochtouren", bestätigt Vorsitzender Gerhard Münzing gegenüber der Heilbronner Stimme.

Dabei war vor fast zwei Jahren bei den Ruderschwaben die Stimmung auf dem Tiefpunkt angelangt, nachdem die Verhandlungen mit der Schwarz Immobilien Gesellschaft nach sechs langen Jahren für gescheitert erklärt worden waren. Es war damals um den Verkauf der beiden Vereinsgrundstücke Badstraße 48 und 50 gegangen.

Mit dem Erlös sollte ein neues Vereinsheim gebaut werden, zumal das mehr als 110 Jahre alte Bootshaus an der Badstraße in die Jahre gekommen ist, keine Erweiterungsmöglichkeiten bestanden und erhebliche Investitionen erforderlich gewesen wären.

Liegefläche im Freibad Neckarhalde bleibt ausreichend groß

Wie es zu der Wende kam, darüber schweigt Gerhard Münzing und begründet seine Diskretion so: "Wir haben mit unseren Partnern Stillschweigen vereinbart." Nur so viel verrät er: "Unter Berücksichtigung der Investitionskosten wurde die Planung in den vergangenen Monaten optimiert, mit dem Käufer der beiden Grundstücke an der Badstraße besteht Einigung und der Antrag auf einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan ist gestellt." Von den Plänen für das neue Bootshaus ist Münzing begeistert: "Dieses Jahrhundertprojekt fügt sich einmal perfekt in die grüne Landschaft am Neckar ein."

Der Vertrag über den Verkauf der Freibad-Fläche ist nach den Worten von Stadtwerke-Geschäftsführer Erik Mai noch nicht unterschrieben. Dies könnte aber noch im September über die Bühne gehen. Unter dem Verkauf der Liegefläche wird das Freibad Neckarhalde nicht leiden: "Es gibt noch genügend Platz, zumal die Zeiten, in denen die Menschen ins Schwimmbad geströmt sind, vorbei sind."

Was das neue Bootshaus kosten soll

Die Kosten für den Neubau belaufen sich auf rund vier Millionen Euro. Neben dem Verkauf des Boots- und Schwabenhauses - der Schätzwert für beide Grundstücke lag 2019 bei einer bis 1,2 Millionen Euro - sollen vor allem Spenden zur Finanzierung beitragen. Mitte August belief sich das Spendenvolumen auf knapp 532.000 Euro.

"Um unser Ziel von 650.000 Euro zu erreichen, fehlen uns also noch 118.000 Euro", rechnet Gerhard Münzing hoch. Vor allem freut den Vorsitzenden, dass ein Gönner jede seit April neu zugesagte Spende verdoppelt und dass mit Spendern aus der Wirtschaft Einigung zur Sicherstellung der Finanzierung erzielt wurde: "Dafür ein herzliches Dankeschön", sprudelt es aus ihm heraus.

Baubeginn soll im Oktober 2021 sein

Die Baugenehmigung erwarten die Ruderschwaben im Mai des kommenden Jahres. Ab Oktober 2021, so die Vorstellungen des 230 Mitglieder zählenden Sportvereins, soll mit der Räumung des Geländes auch Baubeginn sein. "Einzug in unser neues Heim soll dann in der späten zweiten Hälfte 2022 sein", hat Münzing klare Vorstellungen.

Unterstützung für das Bauprojekt erhält der Verein von prominenter Seite. "Die Heilbronner Rudergesellschaft Schwaben ist ein wertvoller Partner innerhalb der Vielfalt der Heilbronner Sportvereine - im Leistungssport wie im Freizeitsport. Mit einem neuen Bootshaus stehen den Ruderschwaben die Entwicklungsmöglichkeiten zur Verfügung, die sie für eine erfolgreiche Zukunft brauchen", sagt Oberbürgermeister Harry Mergel in den HRS-Clubnachrichten.

Und die Olympia-Gold- und Silbermedaillengewinnerin Carina Bär erklärt: "Die Heilbronner Rudergesellschaft als mein erster und einziger Ruderverein hat mich im Rudersport großgezogen und war stets ein zuverlässiger Förderer des Leistungssportes - dafür bin ich sehr dankbar."

 

Das Schwabenhaus

Das Schwabenhaus an der Badstraße 48 in Heilbronn ist das Bootshaus und einstige Vereinslokal der 1879 gegründeten Rudergesellschaft Schwaben. Es ist das älteste Vereinsheim der Stadt. Bei den Luftangriffen auf Heilbronn im Jahr 1944 wurde das Bauwerk schwer beschädigt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schwabenhaus nach dem alten Vorbild wieder instandgesetzt und 1946 wurde der Ruderbetrieb wieder aufgenommen. 1987 taten sich die Ruderschwaben mit der Sektion Heilbronn des Deutschen Alpenvereins zusammen, um die Immobilie gemeinsam zu erhalten. Die DAV-Sektionsgeschäftsstelle verblieb dort bis zum Umzug in die Kletterarena 2008, Veranstaltungen der Sektion fanden aber weiter im Schwabenhaus statt.

Das Haus an der Rosenbergbrücke gehörte 2013 noch zur Hälfte der DAV-Sektion, die ihren Anteil damals aber zum Preis von 165 000 Euro an die Ruderschwaben verkaufte.

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