Romantisches Ritual mit Liebesschloss bleibt in Mode
Am Tag des Liebesschlosses wird ein romatischer Brauch an der Heilbronner Götzenturmbrücke gefeiert. Hier hängen schon 15000 Liebesschlösser am Geländer. Während das Ritaul andernorts längst verboten ist, hat es in Heilbronn viele Anhänger.

Manche belächeln sie, gießen gar Hohn und Spott über die Aktion. Andere halten es schlicht für Kitsch und Gefühlsduselei. Doch für den Initiator Hans A. Hey und seine Frau Ingrid ist es einfach "die schönste und harmloseste Bewegung, die es in Heilbronn gibt". Vor neun Jahren hatten der 85-Jährige und seine Gattin das erste Liebesschloss an die Götzenturmbrücke gehängt und den Schlüssel gemeinsam in den Neckar geworfen - ein romantisches Ritual.
Das war der Startpunkt des sogenannten "Liebespunktes", der sich zu einer Art Attraktion in der Stadt gemausert hat. Zwei Mal im Jahr, am Valentinstag und am 10. August, dem Tag des Liebesschlosses, feiern Hey, seine Mitstreiter und die Heilbronn-Marketing-GmbH vor Ort den Brauch im Besonderen und die Liebe im Allgemeinen. Am Samstag war es wieder so weit.
Der Hauptgewinn ist ein Goldbarren
Mittlerweile hängen rund 15 000 Schlösser am Brückengeländer. In anderen Orten wird das Gewicht schon ein statisches Problem. Nicht so in Heilbronn, versichert Hey. Er verteilt Lose, an seinem Revers hängt ein blinkendes, rotes Plastikherz. Es gibt Sekt, jedes der 450 Lose gewinnt. Hauptgewinn ist ein von der Kreissparkasse gestifteter Goldbarren im Wert von 400 Euro. Doch die Menschen freuen sich auch schon über einen Luftballon in Herzform, den unter anderem Käthchen Denise Fohr verteilt. Sie kann sich gar nicht vorstellen, wie man die Aktion schlecht finden kann. "Es ist doch schön, wenn die Liebe gefeiert wird."
Zum Tag des Liebesschlosses gibt es Beziehungstipps
Beim Publikum kommt der Tag des Liebesschlosses jedenfalls prima an. "Ich bin zufällig hier vorbeigekommen und würde auch gern ein Schloss aufhängen", sagt Hazal (20), die schon seit rund einem Jahr mit ihrem Freund liiert ist. Was ihr an dem Schloss an der Brücke so gefällt? "Man kann noch nach Jahren vorbeikommen und erinnert sich dann..." Ihr Geheimnis für eine dauerhafte Liebensbeziehung lautet: "Sich aussprechen, über alles, was einem auf dem Herzen liegt. Nichts in sich reinfressen."
Anna und Jazek Zietek sind aus dem niedersächsischen Städtchen Uslar in Heilbronn zu Besuch. Sie nennen die Schlösser unisono "eine gute Idee, das ist doch wunderbar". In ihrer kleinen Stadt gebe es so etwas nicht. Jazek Zietek, der schon einmal geschieden ist, hat ebenso einen Ratschlag, wie die Liebe wie ein abgeschlossenes Schloss zusammenhält: "Zuhören, nicht über alles wie Kinder streiten."

Kleine Aufmerksamkeiten erhalten die Liebe
Wer könnte besser über unendliches Liebesglück sprechen als Hans A. Hey selbst. Er feiert mit seiner Ingrid nächstes Jahr Diamentene Hochzeit. Damit zwei Herzen so lange im Takt schlagen, rät der 85-Jährige: "Die Liebe hält ewig, wenn sie jeden Tag erneuert wird." Es seien nicht die großen Dinge, die dies bewerkstelligen, sondern mehr die kleinen Aufmerksamkeiten: "Neben ihr aufwachen und ihre Hand nehmen, etwas tun, was sie freut." Die Basis von allem sei jedoch "grenzenloses Vertrauen". Wie kann es da sein, dass so viele Ehen in Deutschland geschieden werden? Hey antwortet: "Daran kann man sehen, wie groß diese Aufgabe ist."
Das Aufhängen der Liebesschlösser sei über die neun Jahre hinweg "kontinuierlich so weitergegangen", habe nie wirklich nachgelassen. Hey: "Für die Menschen ist das ein emotionaler Ort." Das Aufhängen des Schlosses "ist ein intimer Akt, da hängt viel Gefühl dran". Manche würden die Schlösser hegen und pflegen. "Da steckt mehr dahinter als wir glauben."
Kontroverse
Anders als in Heilbronn gibt es schon viele Städte, in denen Liebesschlösser verboten sind. Laut Internetlexikon Wikipedia ist das Anbringen der Schlösser zum Beispiel in Venedig und Berlin untersagt. Wer es in der italienischen Lagunenstadt trotzdem tut, zahlt bis zu 3000 Euro Bußgeld. Oft stört der optische Eindruck, auch das Gewicht der Schlösser wird mancherorts zum Problem, etwa in Köln, wo die Schlösser einen heftigen Streit auslösten. Rostbildung spielt ebenso eine Rolle. Andere Städte entdecken das touristische Potenzial, so etwa Lübeck. red
Stimme.de
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