Prostituierte vor Menschenhändlern schützen
Die Mitternachtsmission sieht erste Erfolge durch ein neues Prostituiertenschutzgesetz. Zwei Frauen wurden in Sicherheit gebracht. Bei der Finanzierung eines Hilfsprojekts aber knirscht es.

Ein neues Prostituiertenschutzgesetz, das die Stadtverwaltung bei Beratung, Anmeldewesen und Kontrolle mit ins Boot nimmt und Zwangsprostitution eindämmen soll, hat offenbar erste positive Auswirkungen. "Wir identifizieren durch das Gesetz Betroffene von Menschenhandel, und das ist gut so", sagte Alexandra Gutmann im Sozialausschuss. Die Leiterin der Fachberatungsstelle Mitternachtsmission verwies auf zwei Frauen, die man nach Hinweisen an einem geschützten Ort untergebracht habe.
Den Umfang der Prostitution in Heilbronn stufte sie als "relativ typisch" bei der Zahl an Prostituierten, Bordellen und Clubs im Vergleich zu anderen ähnlich großen Städten ein. Rund 150 Frauen betreut die Mitternachtsmission. Jede Prostituierte muss sich nach dem neuen Gesetz beim Ordnungsamt anmelden, wenn sie in dem Metier arbeiten will. Ein gesundheitliches Beratungsgespräch mit Aufklärung ist Pflicht. 139 Gespräche hat die Stadt im ersten Jahr bis Ende September geführt.
Wie die Mitternachtsmission Kontakt zu den Frauen aufnimmt
Da im Rotlichtmilieu viele ausländische Frauen arbeiten, die oft wenig Deutsch und teilweise nicht lesen und schreiben können, ist für die Mitternachtsmission eine aufsuchende Sozialarbeit in den Straßen ein Muss. Für diese Arbeit hat sie das Projekt Kontaktmobil gestartet, tourt mit einem Gefährt zu den Prostituierten. Ein Antrag ans Land auf weitergehende Förderung des Projekts ist nach Angaben von Gutmann abgelehnt worden. Jetzt hat die Stadt Heilbronn nach den Worten von Bürgermeisterin Agnes Christner das Projekt mit Hilfsmitteln übergangsweise zwischenfinanziert. Aber: "Wir denken, dass das Land sich da bewegen muss."
Bei den neuen Aufgaben mit dem Prostituiertenschutzgesetz "kratzen wir an der Oberfläche", stufte Christner die Möglichkeiten ein. Die Mehrzahl der Frauen übe den Job "nicht selbstbestimmt" aus, ist sie überzeugt. Man könne nicht sagen, "wir beherrschen das Milieu". Es sei aber wichtig, "das Gesetz umzusetzen und Angebote zu machen".
Kathrin Geih, Sozialarbeiterin bei der Mitternachtsmission, berichtete, dass man viele Prostituierte in Beratungsgespräche vermittelt und zwei Frauen positiv auf Geschlechtskrankheiten getestet habe. Die Mitternachtsmission bietet auch Hilfe beim Ausstieg aus dem Milieu an. Der Weg sei "häufig lang und steinig", sagte Geih. Immerhin sechs Frauen hat die Mission zuletzt beim Ausstieg begleitet - eine kehrte in die Prostitution zurück.
Wie viele Anmeldeanträge die Stadt abgelehnt hat
Ohne Anmeldung darf Prostitution nicht betrieben werden. Die Stadt hat seit dem Start 108 Anmeldebescheinigungen erteilt, drei Anträge abgelehnt, weil die Frauen keine Aufenthaltserlaubnis hatten. Wer ein Prostitutionsgewerbe betreiben will, braucht eine Erlaubnis. Rüdiger Muth vom Ordnungsamt verwies darauf, dass man bisher zwei Betriebsschließungen angeordnet, zwei Erlaubnisse und zwei Duldungen erteilt habe.
Als "Unding" kritisierte Stadtrat Rainer Hinderer (SPD), dass das Land keine Mittel für das Projekt der Mitternachtsmission bereitstelle. Dass diese wichtige Sozialarbeit ins Leere laufe, wenn der Kontakt abbricht, erklärte Steven Häusinger (Grüne). Zwangsprostitution werde das neue Gesetz nicht lösen, dazu greife es zu kurz, sagte Herbert Burkhardt (FWV). Sylvia Dörr (FDP) regte an, abgelehnte Frauen in der Praxis weiter zu überprüfen.
Gesundheitsberatung
Damit eine Prostituierte eine Anmeldebescheinigung erhält, benötigt sie eine gesundheitliche Beratung von Medizinern des Gesundheitsamts. Neben Themen wie Kondompflicht, Hygiene und übertragbare Erkrankungen werden auch Belastungen des Berufs, Schwangerschaftsrisiken und körperliche Gewalterfahrungen besprochen. Bis 30. September hat das Heilbronner Gesundheitsamt 139 Beratungsgespräche mit 138 Frauen und einer transsexuellen Person geführt.
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