Berufsmusiker im Unterricht: WKO-Mitglieder besuchen Heilbronner Grundschulen

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Neues Angebot: Das Württembergische Kammerorchester bietet interessierten Schulen besondere Besuche an. Das steckt dahinter.

Musiker des Württembergischen Kammerorchester besuchen Schulklassen, um sie für die Instrumente und Musik zu begeistern sowie ihnen die verschiedenen Klänge zu präsentieren. Das besondere Angebot ist noch recht jung. Entstanden ist die Idee, als sich Karin Schüttler, die im Rathaus das Schul-, Kultur- und Sportamt leitet, und Cellist Georg Oyen vor einiger Zeit unterhalten haben. Nun wird der Plan umgesetzt. Wer sich für die Besuche im Musikunterricht interessiert, darf nicht nur Saiteninstrumente erwarten. "Ich vermittele gern auch Oboe und Fagott", sagt der Musiker nach einer Stunde bei Zweitklässlern der Wilhelm-Hauff-Schule.

"Cellospielen ist einfach", steht auf dem großen Koffer, in dem das Instrument sicher steckt und das sich der Musiker auf den Rücken geschnallt hat. Eine Stunde ist Georg Oyen bei den Zweitklässlern. Und wer ihn dabei beobachtet, ahnt, dass viel Üben nötig ist, um die verschiedenen Klänge und Stimmungen hervorzuzaubern.

Ein Mitglied des Württembergischen Kammerorchesters ist im Unterricht: Die Kinder bringen sich ein

Ein Wilhelm-Hauff-Schule: WKO will Kinder für Musik begeistern - warum das alles?
Ein Wilhelm-Hauff-Schule: WKO will Kinder für Musik begeistern - warum das alles?  Foto: Berger, Mario

Die unzähligen Stunden des Übens lohnen sich, die Jungen und Mädchen sind aufmerksam dabei, machen interessiert mit. "Welches Gefühl drückt denn der Musiker über sein Instrument aus?", lässt er die Kinder raten. Schnelle Läufe, die nach einem Tanz klingen. Die Schüler liegen richtig: fröhlich. Wer das empfinde, erklärt Georg Oyen die gespielte Melodie, der springe umher. Ein anderes Mal improvisiert er mit kurzen Tönen. Mit "ängstlich" haben dieses Mal die Kinder wieder Recht. Die schnellen Töne hörten sich nach Gänsehaut an, erzählt das WKO-Mitglied.

Georg Oyen nimmt die Kinder mit. Lässt die Klasse vorschlagen, welches Gefühl er denn in eine Melodie packen soll. Neidisch, so der Wunsch, solle er jetzt klingen. "Uh", sagt er und atmet aus, "das ist schwer." Kinder lachen kurz auf, freuen sich darüber, wie das WKO-Mitglied dieses Gefühl spielt. Und sie beobachten den Musiker, der vor der Tafel sitzt und ganz in den Klängen aufzugehen scheint, die gespielten Gefühle auch durch Mimik verstärkt.

Der Cellist spricht über das wichtigste Instrument - die Stimme

Die Stunde vergeht schnell. Georg Oyen stellt das Instrument vor, erzählt von der Herkunft des Namens und vom überhaupt wichtigsten Instrument - "der Stimme", wie er sagt und das sehr eindrucksvoll belegt. Allein durch unterschiedliche Betonungen eines Namens ändert sich der Ausdruck. Geht es um verträumte Liebe oder um den hartnäckigen Wunsch der Mutter, endlich mal das Zimmer aufzuräumen? Erst durch die Stimme werde ein Name zur Musik, sagt er.

Durch Instrumente kommen Gefühle zum Ausdruck. Und wenn man die Augen schließt, sieht man auch Tiere vor sich. Das erleben die Kinder zum Abschluss der Stunde, als Georg Oyen aus dem "Karneval der Tiere" das Stück über den Schwan anstimmt. Zuhörer können den majestätischen Vogel vor dem inneren Augen sehen, wie er souverän und stolz auf dem See auftaucht und graziös seine Runden dreht.

Musiklehrerin ist froh, dass es das Angebot gibt

Stephanie Heine-Groß ist Musiklehrerin an der Schule und ausgebildete Opernsängerin, und sie bietet den Klassen gern diesen besonderen Unterricht an. Als sie von dem Projekt erstmals gehört hat, war ihr sofort klar, dass sie mitmachen werde. Musikalische Förderung sei wichtig für die geistige und kognitive Entwicklung der Kinder, sagt sie. An der Schule haben viele Mädchen und Jungen einen Migrationshintergrund, und nicht alle würden zu Hause gut gefördert.

Einen direkten Zugang zur Musik wolle er vermitteln, sagt Georg Oyen. Dem Vernehmen nach stehen aber nicht alle Musiklehrer in Heilbronn dem WKO-Angebot offen gegenüber. Das kann Stephanie Heine-Groß nicht verstehen, denn durch den Besuch bekämen die Kinder viel mehr mit als beispielsweise durch einen Film, in dem ein Cellist zu sehen ist. Sie selbst ist auch keine Alternative. "Ich kann nur singen und Klavier spielen", sagt sie.

Das WKO gibt spezielle Konzerte für Kinder

Das Württembergische Kammerorchester gibt Konzerte, die sich speziell an Kinder richten. Das Familienkonzert "Zauberei" für Drei- bis Sechsjährige beginnt am Sonntag, 4. Februar, um 16 Uhr auf dem Bildungscampus. Außerdem organisiert das Ensemble spezielle Kindergartenkonzerte, die beispielsweise am 5. Februar auf dem Bildungscampus stattfinden. Details dazu per E-Mail kommunikation@wko-heilbronn.de.

 
Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben