Praxisnahes Lernen als Erfolgsmodell
Die Andreas-Schneider-Schule feiert das 20-jährige Bestehen der Übungsfirma. Das ist ein virtuelles Unternehmen, das unter realen Bedingungen arbeitet, ähnlich wie ein Flugsimulator.

Als der damalige Schulleiter Herbert Wolf 1999 ein zartes Pflänzchen namens Übungsfirma an der Andreas-Schneider-Schule säte, hoffte er, dass es sich behaupten würde: "Heute sehe ich, dass es sich bewährt hat und ein Erfolgsmodell geworden ist." Am Dienstagnachmittag würdigte die berufliche Schule des Landkreises Heilbronn die vor 20 Jahren geschaffene Einrichtung mit einem Festakt.
Virtuelles Unternehmen
Baier und Schneider sowie die Bechtle AG waren die ersten Patenfirmen. Mit Pflanzen-Kölle und Kaufland hat die Schule ihr Portfolio seit 2007 um zwei weitere Unternehmen erweitert. Die Andreas-Schneider-Schule war eine der ersten beruflichen Schulen im Land, die mit diesem Projekt startete. Die Schüler erwerben im Rahmen des Berufskollegs ihre Fachhochschulreife und bekommen durch die Übungsfirmen mehr als nur eine Vorstellung über betriebliche Abläufe. "Sie haben eine praxisnahe Ausstattung und lernen, ganzheitliche Zusammenhänge zu verstehen", stellte Schulleiter Dieter Arweiler fest.
Theorie und Praxis verzahnen
"Der Ansatz war, neben der Theorie auch die Praxis mitzudenken", erklärte Landrat Detlef Piepenburg. Die Schule begann mit zwei Klassen. Heute sind es vier Klassen mit 120 Schülern im ersten Jahr und zwei Klassen mit 60 Schülern im zweiten Jahr, also 180 Schüler insgesamt. Alle Aktivitäten entsprechen der kaufmännischen Praxis. Die Schüler müssen selbst Entscheidungen treffen. Herbert Wolf: "Sie besuchen Messen, können präsentieren und sich selbst organisieren."
Die Uni Konstanz begleitete das Konzept. "Die Mitarbeiter der Übungsfirmen erhalten Handlungsspielräume, sie können das Gelernte besser behalten, und sie haben bessere Chancen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen", nannte Ingo Noack aus dem Kultusministerium wesentliche Pluspunkte, die für dieses Modell sprechen. "Unsere Schüler aus den Übungsfirmen sind bei Unternehmen gefragt", sagte Dieter Arweiler. Einer der ersten Absolventen mit Übungsfirmen-Erfahrung war der heutige Lauffener Kämmerer Frieder Schuh. Vieles, was er in jener Zeit gelernt habe, komme ihm im Laufe seines beruflichen Werdegangs einschließlich vieler Praktika immer wieder zugute. In Lauffen ist er zuständig für einen 43-Millionen-Euro-Haushalt und arbeitet in der Kämmerei mit einem 15-köpfigen Team. Schuh: "Ich mag die Zeit an der Andreas-Schneider-Schule nicht missen und profitiere noch heute davon."
Übungsfirma thematisiert Nachhaltigkeit
Die 17-jährigen Vivien Herrmann und Sina Eisenhuth aus Gemmingen sind derzeit in der Kaufland-Übungsfirma und setzen sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander, wollen Papier und Plastikverbrauch reduzieren, den CO2-Verbrauch drosseln. Sie haben sich daher in ihrer Übungsfirma Kaufland-Reisen, die mit anderen Übungsfirmen vernetzt ist, dazu entschlossen, keine Kreuzfahrten mehr anzubieten. Und weil man aufs Fliegen nicht verzichten könne, solle man doch Green Flights nutzen. Vivien Herrmann: "Das Projekt ist eine gute Sache, weil man selbstständiges Arbeiten lernt und sich besser vorstellen kann, wie ein Unternehmen funktioniert."
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