Per Smartphone durchs Heilbronner Rathaus
Ob bei der Suche nach Ansprechpartnern oder einem Parkplatz: Die Digitalisierung verändert die Stadt Heilbronn und ihre Verwaltung. 15 Projekte sollen in den kommenden Jahren umgesetzt werden. Einige sollen den Alltag in der Stadt wesentlich erleichtern.

Bürger der Stadt Heilbronn können vielleicht schon Ende dieses Jahres über ihr Smartphone Missstände an die Verwaltung melden. Das sogenannte Anliegenmanagement ist einer der Prototypen, die Heilbronn im Rahmen der Strategie "Digitale Stadt 2030" testen wird. Hinter der Konzeption, die der Gemeinderat in dieser Woche genehmigen soll, steckt aber noch viel mehr.
Missstände melden und dann auch Feedback bekommen
Ein voller Mülleimer, eine defekte Laterne, ein Schlagloch - wo bisher oft nur ein Schulterzucken oder die langwierige Suche nach zuständigen Verwaltungsmitarbeitern zur Wahl standen, soll künftig eine Meldung per App oder über die Internetseite der Stadt möglich sein. "Wir können das Problem somit sofort lokalisieren, können Feedback geben, nachfragen", sagt Juri Jacobi von der Stabsstelle Stadtentwicklung und Zukunftsfragen der Stadt Heilbronn. Es bedeute mehr Transparenz, "wenn der Bürger erfährt, was aus seiner Eingabe geworden ist".
Mit Einführung der E-Akte können Abläufe optimiert werden
"Technische Lösungen sind kein Selbstzweck", betont Oberbürgermeister Harry Mergel. Die Stadt wolle sie vielmehr dafür einsetzen, eine aktive Teilhabe der Bürger zu fördern, die Lebensqualität zu verbessern. Zudem biete sich die Chance, die Verwaltung weiter zu modernisieren. So wird im Zuge der Digitalstrategie beispielsweise auch die E-Akte eingeführt. Mit ihr sei auch ein "Qualitätsgewinn" möglich, Prozesse könnten optimiert werden.
Manche Projekte werden innerhalb weniger Monate umgesetzt
Wie schnell Ergebnisse sichtbar werden, ist sehr unterschiedlich. Das zeigt sich auch bei den Reallaboren, die die Verwaltung präsentiert. Neben dem Anliegenmanagement könnte auch die Indoor-Navigation schon in wenigen Monaten funktionieren. Mit ihrer Hilfe soll man in öffentlichen Gebäuden zügig zum richtigen Ansprechpartner finden.
Das "größte Reallabor" wird die Paketauslieferung über selbstfahrende Transporter im Neckarbogen während der Buga. "Das ist eine echte Pionierleistung", so Mergel.
"Smart-Parking" soll den Parksuchverkehr reduzieren
Mehrere Jahre wird es aber noch dauern, bis das Reallabor "Smart Parking" erprobt werden kann. Die freien Parkplätze im öffentlichen Raum sollen über Sensoren an Straßenlaternen erfasst und die Daten in Navigations-Apps eingespeist werden. Mehrere Jahre wird es somit auch dauern, bis damit der Parksuchverkehr, der bis zu 30 Prozent des gesamten Verkehrsaufkommens in der Innenstadt ausmachen soll, eingedämmt werden kann.
"Die technische Entwicklung in diesem Bereich schreitet sehr schnell voran", sagt Thomas Laue, der als Projektleiter Digitalisierung die Koordination über Abteilungsgrenzen hinweg übernimmt. Somit müssten derzeit sehr viele Details geklärt werden. Beispielsweise auch, welche Daten als "Open Data" dann auch extern angeboten werden können. Als Start-up-City hofft man darauf, Firmen zu finden, die die Daten für ihr Geschäftsmodell nutzen möchten.
Kulturwandel im Rathaus wird von Digitallotsen unterstützt
Damit später auch ältere Menschen, die nicht besonders technik-affin sind, von solchen Angeboten profitieren können, gehöre auch die Vermittlung von Digitalkompetenzen zu der neuen Strategie, wie Bernd Berggötz, Leiter der Stabsstelle Stadtentwicklung, erklärt. Dies ist eines von insgesamt 15 Projekten, die in der Strategie aufgelistet und detailliert beschrieben sind. Bis 2030 - so der Zeithorizont - sollen sie alle umgesetzt werden. "Und um bei diesem Kulturwandel unsere Mitarbeiter in der Verwaltung mitzunehmen, bilden wir auch Digitallotsen aus."
Keine Spielereien
Der Nutzen für die Menschen soll im Vordergrund stehen. "Es gibt natürlich viele Spielereien in dem Bereich", sagt OB Mergel. Deshalb habe man Projekte, wenn sie keinen Mehrwert versprachen, teilweise wieder fallen lassen, erläutert Juri Jacobi. So habe man sich vorgestellt, dass man mit digitalen Mitteln den Schulweg der Kinder verbessern und sicherer machen könnte. Im Gespräch mit Lehrern und Rektoren sei deutlich geworden, dass hier die klassische Verkehrserziehung zielführender ist.
Neuer Koordinator
18 Monate hat die Stabsstelle Stadtentwicklung und Zukunftsfragen an der Strategie "Digitale Stadt 2030" gearbeitet. Unterstützt wurde sie von der Beratungsgesellschaft KPMG. Der Gemeinderat soll an diesem Donnerstag die Konzeption und anderthalb Planstellen genehmigen. Als Projektleiter Digitalisierung ist Thomas Laue vorgesehen, der die Strategie schon in den vergangenen Monaten als Trainee begleitet hat. Der 39-Jährige hat Wirtschaftsinformatik in Stuttgart und Public Management in Ludwigsburg studiert. Er soll den Wandel in der Verwaltung vorantreiben.
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