Mit Wein um den Hals durch die Heilbronner Innenstadt
Bei der Lesersommer-Aktion "Schlenderweinprobe" bekommen zehn Teilnehmer eine interessante Stadtführung, während sie an Weißwein, Rosé und Rotwein nippen. Am Ende sind alle zufrieden - und haben etwas dazugelernt.

Die Gruppe von zehn Lesern der Heilbronner Stimme, die am Donnerstagabend durch die Heilbronner Innenstadt schlendert, fällt auf: Um ihre Hälse hängen Weingläser an einer praktischen Vorrichtung und neonfarbenen Bändern - immer wieder bleiben die Teilnehmer um Stadtführerin Inge Friedrich stehen, nippen am Wein und hören ihren Geschichten zu.
Passend dazu heißt die Veranstaltung im Rahmen des diesjährigen Lesersommers Schlenderweinprobe. "Ich will diejenigen überzeugen, die sagen: Heilbronn? Was gibt es da schon zu sehen? Es gibt viel!", sagt Inge Friedrich gleich zu Beginn der zweieinhalbstündigen abendlichen Tour. Und das schafft sie.
Am Ende der Stadtführung sind die zehn Teilnehmer begeistert - zum Teil, weil sie die Stadt zuvor noch nicht gut kannten, wie im Fall von Michael Klinik aus Frankfurt, der mit seinem Partner Sven Beier aus Brackenheim gekommen ist. Zum Teil, weil sie zwar häufig durch die Innenstadt laufen, aber von Inge Friedrich trotzdem noch viel spannendes Neues erfahren.
Erste Station: Wie sich Heilbronns Stadtbild verändert hat

Los geht es in der Ehrenhalle der Stadt, direkt beim Rathaus, mit einer leicht lieblichen Weißwein-Cuvée im Glas. Hier beginnt Friedrich gerne ihre Touren - weil man dadurch besser verstehe, warum das Stadtbild Heilbronns heute so aussieht. In der Halle stehen Modelle von Heilbronn vor dem Zweiten Weltkrieg, direkt nach der Zerstörung 1944 und nach dem Wiederaufbau. Friedrich schildert menschliche Tragödien des Kriegs und der Zeit danach.
Weiter geht die Führung mit der Erklärung, warum vor dem Rathaus Fuchsien stehen und welche spezielle Verbindung sie zu Heilbronn haben. Auf dem Rathausplatz erklärt Friedrich den interessierten Lesern unter anderem, wie die Rathausuhr zu lesen ist, welche Geschichte hinter dem Käthchenhaus und dem Käthchen selbst steckt, warum es auf dem Turm der Kilianskirche so freche Figuren wie eine Nonne im Affengewand gibt und wer Robert Mayer war.
Auf der anderen Seite des Rathauses, an der Lohtorstraße, weist die Stadtführerin auf die "Kunst am Bau" hin. Ein Amtsschimmel und ein Bürokrat, der auf einem Stapel Unterlagen sitzt, sind dort an einer Säule zu sehen.
Auf dem Hafenmarktturm: Die Glocken läuten
Nach einem kurzen Stopp bei der Trümmerfrauen-Skulptur geht es hoch auf den Hafenmarktturm. Bei einem Trollinger Rosé und Blick über die Stadt erzählt Friedrich unter anderem von den Turmglocken, die täglich im Andenken an die Angriffe auf Heilbronn im Zweiten Weltkrieg je um 10.55 Uhr und um 19.20 Uhr Volkslieder erklingen lassen. Prompt ist es auch schon 19.20 Uhr und die Glocken spielen "Kein schöner Land".
Vom Hafenmarktturm geht es ins "Kirchhöfle" der Nikolaikirche, wo Friedrich besonders auf den Weinbau in Heilbronn und seine Tradition eingeht.
Einstimmung auf den Urlaub
Zum Ausklang der Schlenderweinprobe gibt es einen Rotwein am Weinpavillon auf der Neckarbühne, wo die Stadtführerin die Geschichte des Flusses und der Cluss-Brücke erläutert. "Das war eine tolle Einstimmung auf meinen Urlaub", sagt Sven Beier. Die Besucher sind sich einig: Interessante Geschichten, eine sehr kompetente Stadtführerin und leckere Weine bei Sommerwetter: Das ist eine wunderbare Kombination für eine Lesersommer-Veranstaltung.

Stimme.de
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