Kaum eine Kastanie leidet nicht unter diesem Schädling
Die Kastanien in Heilbronn leiden unter der Miniermotte. Der Schädling hat es auf weißblühende Rosskastanien abgesehen. Ohne natürliche Feinde ist es schwer, den Schädling zu beseitigen. Wie groß ist das Problem?

Gerade einmal fünf Millimeter kann die Miniermotte groß werden. Den Namen hat der Schädling von den Tunneln, die die Larven zwischen Ober- und Unterseite des Blattes der weißblühenden Rosskastanie fressen. Sie "minieren" es und schneiden damit sowohl Wasser als auch Nährstoffzufuhr ab. Als Folge sterben Teile des Blattes ab. So kann es vorkommen, dass die befallenen Bäume bereits im August ihr Kleid verlieren.
95 Prozent der Kastanien sind betroffen
Schon 2005 war die Kastanie Baum des Jahres. Unter anderem, um auf den immer stärker werdenden Befall aufmerksam zu machen. Heute, 13 Jahre später, ist das Problem so aktuell wie eh und je. 95 Prozent der Kastanien im Heilbronner Stadtgebiet haben unter der Motte zu leiden, wie Stephan Näschen vom Grünflächenamt der Stadt Heilbronn weiß. Allerdings müsse kein Baum allein wegen der Miniermotte gefällt werden.
Das Hauptproblem ist, dass der Baum durch den Befall geschwächt wird und so angreifbarer für andere Schädlinge, wie beispielsweise das Bakterium Pseudomonas ist. Kommt noch dieser Parasit dazu, sterben einzelne Äste der Kastanie ab, die Krone wird schütter. Darüber hinaus entstehen im Frühjahr auffällige, blutende Flecken am Stamm oder an den Ästen − sogenannte Teerflecken.
Warum man den Schädling so schwer beseitigen kann
Um der Miniermotte und den mit ihr einhergehenden Schäden Einhalt zu gebieten, wird das abgefallene Laub, soweit wie möglich, entsorgt. Denn die gefräßigen Larven überwintern in den herabgefallenen Blättern, schlüpfen im Frühjahr und befallen den Baum erneut. Damit kann man das Problem jedoch auch nur eindämmen, nicht beseitigen, denn die Miniermotte reproduziert fünf Generationen in einem Jahr, wie Leiter der Forstamtsaußenstelle Eppingen Martin Rüter erzählt.
Den Schädlingen auf andere Art und Weise zu Leibe zu rücken scheint schwierig. Die Stadt Heilbronn hat versuchsweise Lockstofffallen eingesetzt. Diese setzen weibliche Sexualduftstoffe ein, um die Männchen zu verwirren und in die Falle zu locken. Allerdings fehlen die Kapazitäten, um diese Art der Schädlingsbekämpfung großflächig anzuwenden, wie Stephan Näschen erzählt. Auch natürliche Feinde habe die Miniermotte kaum und es sei schwierig diese zielgerichtet anzusiedeln.
Auf den heißen Sommer folgt ein bunter Herbst
Dem heißen Sommer und dem schwer zu bekämpfenden Schädling zum Trotz: Der diesjährigen Herbst und das damit verbundene Färben der Blätter bleibt uns. "Wenn das Wetter so bleibt, erwartet uns ein gigantischer Herbst mit allen Farben, die es so gibt", prophezeit Näschen.
Und das zwei Wochen früher als gewöhnlich. Denn die Bäume verlieren ihr Wasser größtenteils über die Blätter. Dort verdunstet es. Um nicht zuviel Wasser zu verlieren, färben sie ihre Blätter in diesem Jahr etwas früher. Von Grün über alle möglichen Gelbtöne bis hin zu einem satten Rot werden wir alle Farben des Herbstes zu sehen bekommen - denn je heißer der Sommer, desto bunter wird der Herbst.
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