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In Südstadt wird die Post schmerzlich vermisst

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Hohe Verkehrsdichte, Nahversorgung, Sicherheit: Bei der Stimme-Lokaltour kommen viele Themen auf den Tisch. Ein Pilotprojekt Quartiersentwicklung soll Ende Februar für das Viertel starten. Ein Ziel: Die Versorgung für Ältere verbessern.

Von unserem Redakteur Carsten Friese
Sorgt für Verärgerung im Südviertel: Die einzige Poststelle ist geschlossen. Ersatz gab es bisher nicht.
Fotos: Friese
Sorgt für Verärgerung im Südviertel: Die einzige Poststelle ist geschlossen. Ersatz gab es bisher nicht. Fotos: Friese  Foto: Friese, Carsten

Als die Stimme-Lokaltour spezial am Mittwochabend in der Südstadt in der Gaststätte "Kistle" schon auf der Zielgeraden ist, bringt Mieterbund-Chef Alfred Huber ein drängendes Problem vor. Im Neubauareal am Südbahnhof "entsteht keine einzige bezahlbare Wohnung für ganz normale Leute", kritisiert er. Das sei für Bürger ein großes Problem.

Auch Anwohnerin Martina Vaihinger berichtet von drastischen Preissteigerungen. Die Stadtsiedlung habe vor wenigen Jahren zwei Blöcke an private Investoren gekauft, die die Miete drastisch erhöht hätten. "Die Mieter wurden rausgeworfen. Sie konnten das nicht mehr bezahlen", berichtet sie. Grünen-Stadträtin Susanne Bay fordert eine Quote für bezahlbare Wohnungen auch bei privaten Investoren. "Die brauchen wir."

Rücksichtslos

Nach Anwohnerangaben verwirrend: die Führung der Radwege rund um den Rathenauplatz.
Nach Anwohnerangaben verwirrend: die Führung der Radwege rund um den Rathenauplatz.  Foto: Friese, Carsten

Es ist der Abschluss einer eifrigen Diskussionsrunde, zu der rund 25 Lokaltour-Gäste gekommen waren. Im Dialog mit Stimme-Chefredakteur Uwe Ralf Heer sprechen sie über Probleme und regen Verbesserungen an. Verkehr ist auch im Südviertel ein drängendes Thema. Eine kreative, aber verwirrende Verkehrsführung mit mehreren Radwegen nebeneinander am Rathenauplatz kritisiert Ulrich Krips. "Da weiß man nicht mehr, wie man fahren soll." Eine Ampel an der Kreuzung Werder-/Urbanstraße, an der man nur rechts fahren könne und die zudem mit einem Grünpfeil für Rechtsabbieger versehen ist, ist für ihn "rausgeworfenes Geld".

Zurück auf den Gehweg

Gut 90 Minuten Austausch über Themen der Südstadt: Stimme-Chefredakteur Uwe Ralf Heer (Mitte) und Bürger bei der Lokaltour im urigen "Kistle". 
Foto: Ralf Seidel
Gut 90 Minuten Austausch über Themen der Südstadt: Stimme-Chefredakteur Uwe Ralf Heer (Mitte) und Bürger bei der Lokaltour im urigen "Kistle". Foto: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Die Fahrradstraße Steinstraße ist Martina Vaihinger ein Dorn im Auge, weil gut 90 Prozent des Verkehrs von außerhalb komme. Durch die vielen Autos "fährt ein Großteil der Anwohner mit dem Rad wieder auf dem Gehweg", kritisiert sie. Und: Autofahrer würden teilweise rücksichtslos die Vorfahrt missachten und über Gehwege fahren. Sie regt eine Einbahnregelung an. Zudem findet sie es nicht in Ordnung, dass es in nahen Straßen Anwohnerparken gebe, in der Steinstraße nicht. Dadurch würden dort viele Ortsfremde die Plätze zuparken.

Wehklagen über Autostaus ist für Anwohner Klaus Burkhardt ein falscher Ansatz. Er hat ein Sahne-Ticket für den Nahverkehr, sei von der Harmonie nach sieben Minuten im Kaufland, nach neun Minuten in Neckarsulm. "Das soll mir ein Autofahrer mal nachmachen." Die Autostaus seien "viel schlimmer als wenn mal eine Stadtbahn ausfällt".

Große Müllcontainer, die auch außerhalb der Leerungstage Gehwege verengen, sind für Dorothee Scharch ein Ärgernis. Und: Da die einzige Poststelle am Rathenauplatz ersatzlos zugemacht habe, müsse man nun mit dem Bus zur nächsten Anlaufstelle in die Bahnhofstraße fahren. Eine Entwicklung, die mehrere Anwohner verärgert.

Sicherheitsgefühl

Durch Einbrüche und aufgebrochene Autos leidet das Sicherheitsgefühl. "Man fühlt sich nicht sicher", sagt Frank Palinkas. Er wünscht sich eine erhöhte Polizeipräsenz - fühlt sich sonst im Südviertel aber "gut aufgehoben".

Verbesserungen bei der Nahversorgung gerade für ältere Menschen wünscht sich Anwohner Erich Dressel. Es wird sich etwas tun: Wie Roswitha Keicher von der städtischen Stabstelle für Partizipation in der Runde erklärt, wird die Stadt Ende Februar ein Pilotprojekt zur Quartiersentwicklung in der Südstadt starten. Mit Vertretern von Organisationen wird man über Bedürfnisse im Viertel sprechen, Haushalte befragen. Zentrales Thema sei, wie man im Alter "so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben kann". Lieferdienste bei Lebensmitteln, eine verbesserte ärztliche Versorgung nennt sie Beispiele.

Zur vieldiskutierten Situation am zentralen Martkplatz, wo sich eine große Zahl junger Flüchtlinge trifft und bei einigen Bürgern für Unbehagen sorgt, sagt Keicher: "Die Struktur stimmt nicht." Das Land habe Gelder für Sprachförderung gekürzt; nachmittags wüssten Flüchtlinge nicht, "was sie machen sollen".

Kritik an der Stimme und anderen Medien, wenn sie in der Diesel-Abgas-Affäre beschönigend von "Schummeleien" reden, äußerte Ulrich Krips. Uwe Ralf Heer stimmte ihm zu. "Es ist Betrug. Deshalb sitzen auch Leute im Gefängnis."

Nächste Lokaltour spezial

30. Januar, 19 Uhr, Kaffeehaus Hagen, Christophstraße. Thema: Nordstadt

 
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