Im Gaffenberg-Wald ist Platz für alle
Das Waldheim-Gelände ist Abenteuerspielplatz und bei der Sommerhitze ein idealer Schattenort für Kinder und Betreuer.

Wer mit dem Fahrrad kommt, spürt es am Besten: Mit jedem Höhenmeter schwindet die Hitze der Stadt, und oben auf dem Gaffenberg ist es gefühlt ein paar Grad kühler. Nicht einen einzigen Regentag gab es in den fast vier Wochen Kinderfreizeit, "sondern immer nur richtiges Sommerwetter", schwärmt Oberonkelin Stefanie Kress, passend zum Choral bei der Ankunft der Kinder, "Es tagt der Sonne Morgenstrahl".
Als einzige mitten im Wald
"Der Wald ist der ideale Ort bei diesen Temperaturen", sagt Kress. Die Stadtranderholung macht ihrem Namen alle Ehre. Das Gaffenberg-Waldheim ist das einzige der Heilbronner Freizeitengelände, das rundum von Wald umgeben ist.
Schon immer gehört es zum Gaffenberg, dass die Kinder einen Großteil der Zeit im Wald verbringen. Direkt hinterm Zaun haben die Gruppen 25, 27 und 28 ihren Platz für Spiele und die Mittagsruhe. Zwischen den Bäumen hat jede Gruppe aus Stöcken und Ästen ein Lager gebaut. "Unser Lager wurde zerstört", ärgern sich Julian (9), Jonas (9) und Moritz (10). "Das kommt vor", meint Onkel Maximilian, "dann wird es wieder aufgebaut." Der 18-jährige Betreuer ist überzeugt: "Der Wald tut den Kindern gut, er hat eine positive Wirkung."
Jungs wollen Lager bauen
Auch "seine Jungs" bauen jeden Tag in der Mittagspause an ihrem Lager, berichtet Onkel Jules. Typisches Rollenverhalten? Die Mädchen sitzen in dieser Zeit lieber auf ihrer Decke und machen Fadenspiele, meint der 19-jährige Betreuer aus der Partnerstadt Béziers.
Bei Gruppe 25 ist Zeit für "Nachmittagskaffee": Es gibt Joghurt oder Pudding, dazu, wie schon seit Jahrzehnten, grünes Wasser mit Waldmeistersirup aus dem Plastikeimer. Weil der Deckel auf dem Laubboden landet, schwimmt nachher auch ein wenig echter Wald im Sirup.
Den Wald fühlen und riechen
Draußen Erfahrungen zu sammeln, ist pädagogisches Konzept des evangelischen Waldheims. "Uns geht es um ein spielerisches Verhältnis zu Wald und Natur", sagt Kress. Kinder sollen den Wald fühlen, schmecken, riechen und einen Bezug zur Natur entwickeln.
Dafür gibt es das ausdrückliche Okay vom zuständigen Forstrevierleiter im Heilbronner Stadtwald, Stephan Drescher. Er hat den Betreuern auch die Plätze am Köpferbach ausgewiesen, wo das Dämmebauen ausdrücklich erlaubt ist.
Es braucht nur ein paar weniger Regeln und Vorsichtsmaßnahmen. Onkel und Tanten müssen auf tote Äste in den Bäumen achten. Für die Kinder gilt: Stöcke bleiben, außer beim Lagerbau, am Boden. Die extreme Trockenheit in diesem Jahr macht vor allem Staub. "Da wir nie mit Feuer hantieren, mussten wir am Programm nichts ändern", berichtet Kress. Zeckenbisse, Mückenstiche, Wespenplage: Auch das gehört zum Gaffenberg und hält sich "im üblichen Rahmen". Die Krankenstation Julie habe nicht mehr zu tun als üblich. Auch Läusealarm gebe es jedes Jahr: "Das versetzt uns nicht in Panik", so Kress.
Ist Wald cool oder langweilig?
In Gruppe sechs, den 13-Jährigen, gibt es unterschiedliche Meinungen zum Wald. "Der ist langweilig", meint Alina und ist damit in der Minderheit. Leonie findet den Wald cool, dort kann man prima chillen. Und Mia gefallen die Geländespiele, die sich Riki und Viktor ausgedacht haben. "Bei den Älteren kommt es darauf an, wie man das Spielen im Wald rüberbringt", erklären Tante und Onkel.
FÖJ auf dem Gaffenberg
Einige der Betreuer haben einen ganz besonderen Bezug zum Gaffenbergwald: Sie haben ein freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) gemacht und pflegen ein ganzes Jahr das Gelände. Ein FÖJ-ler hat Bestimmungstafeln mit den Baumnamen angebracht. Auch für Onkel Matti Gärtner (18) ist nach den Freizeiten nicht Schluss. Sein FÖJ beginnt am 1. September.
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