Historische Loks unter Dampf gesetzt
Bei den Dampftagen des Süddeutschen Eisenbahnmuseums waren am Wochenende zahlreiche historische Loks zu besichtigen, darunter eine besonders seltene, 77 Jahre alte Güterlok.
Als die große Güterlok von 1942 plötzlich ein lautes Rauschen von sich gibt, muss sich die dreijährige Laura erstmal die Ohren zuhalten. Heizer Christian Löffler hat die Dampfstrahlpumpe in Gang gesetzt, die Wasser aus dem Tender in den Kessel drückt. Das geht nicht geräuschlos. Doch dafür sind die Besucher zu den Dampftagen ins Süddeutsche Eisenbahnmuseum nach Böckingen gekommen: Um alte Technik in Aktion zu sehen.
Pünktlich um 10 Uhr stehen am Samstag die Loks vor dem Ringschuppen. Präsentiert wird unter anderem die neue Elektro-Rangierlokomotive von 1938, die von den Vereinsmitgliedern in Böckingen über mehrere Jahre restauriert wurde und zuletzt noch den typischen roten Anstrich bekam. Optisch muss sie wettmachen, was ihre dampfenden Geschwister mit Pfeifen oder Grollen an Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Beim Blick durch die Feuertür ist die Hitze zu spüren
Laura und ihre Geschwister Annalena (7) und Paul (5) sind etwas eingeschüchtert ob all der Geräusche und der riesigen Loks, die sie bisher nur in Miniatur gesehen haben. Mit ihren Eltern Janina und Michael Koch sind sie aus Hamburg zu Besuch bei der Urgroßmutter in Offenau. Jetzt dürfen sie einen Blick in den Führerstand der Güterlok werfen, die sie gerade so erschreckt hat. Als sich Laura behutsam, aber neugierig Richtung Feuertür vorwagt, spürt sie auch aus sicherer Entfernung die Hitze. Ein kurzer Blick, schon tränen die Augen. Schnell nimmt sie Abstand.
Statt auf der Sauschwänzlebahn nun für Fototouren unterwegs
"3164 Loks der Baureihe 50 wurden von 1939 bis 1943 gebaut, dies ist die letzte betriebsfähige", erzählt Lokführer Valentin Stöckle. Er ist Vorsitzender der Dampflokfreunde Schwarzwald-Baar, die diese Güterlok hier im Lokschuppen schon untergestellt haben und an diesem Wochenende als befreundeter Verein zu Besuch sind. Bis 2014 war der Verein mit seinen Loks auf der Sauschwänzlebahn unterwegs. Seitdem die Stadt Blumberg den Betrieb ohne die ehrenamtlichen Vereinsmitglieder organisiert hat, ist eine Hauptaufgabe weggefallen. "Dafür wurde die Lok nun für das DB-Netz fit gemacht", erklärt Christian Löffler. Regelmäßig ist sie für Fotofahrten unterwegs.
Der 25-jährige Heizer aus Furtwangen sichert wie andere in seinem Alter die Zukunft der Dampfeisenbahn. Doch es wird schwieriger, Mitstreiter zu finden, die teils viele Hundert Stunden im Jahr investieren wollen. Für die Vereinsmitglieder des Süddeutschen Eisenbahnmuseums beansprucht das Hobby viel Zeit. Zudem benötigt der Verein für Bauteile und Investitionen Geld.
Dampftage sind die Haupteinnahmequelle, erklärt der Vorsitzende Oliver Sauer. Er steht am Souvenirstand und verkauft kleine und noch kleinere Loks, Literatur für Eisenbahnfans und echte Devotionalien. Signalschilder etwa, oder auch eine alte Oberwagenlaterne, die einst an jedem Zugende befestigt sein musste. "Die kann man noch mit Petroleum betreiben", sagt Sauer. Einen dreistelligen Betrag würde er dafür gerne sehen. "Bei so etwas lassen wir die Leute ein Angebot abgeben."
Zu wenig Parkplätze und eine wenig ansprechende Fassade
Dass noch viel zu tun ist rund um das Süddeutsche Eisenbahnmuseum, spüren Besucher schon bei der Parkplatzsuche. Stadtverwaltung und Bahnfreunde schieben sich die Verantwortung gegenseitig zu: Für die Stadt sind die Betreiber in der Pflicht, Parkraum zu schaffen. Der Verein sieht angesichts umfangreicher Bauarbeiten im Umfeld dafür derzeit keine Möglichkeit. Im Südosten des Areals wird momentan eine Schiebebühne eingebaut. Wenn diese fertig sei, könne man versuchen, Parkplätze auf dem Gelände auszuweisen, erklärt Oliver Sauer vom Museumsverein.
Immerhin neu gestaltet wird im Zuge der neuen Verkehrsführung am Sonnenbrunnen die Außenanlage rund um den Ringlokschuppen von 1893. Die Stadt investiert 1,3 Millionen Euro. Weil sich die Arbeiten verzögern, fragte zuletzt Stadtrat Herbert Tabler im Bauausschuss (SPD) nach. Baubürgermeister Wilfried Hajek erklärte, ihm sei versprochen worden, dass das Areal vor der Sommerpause fertig wird. Was die teils wenig ansprechende Außenfassade des Lokschuppens angeht, sei man auf der Suche nach einem Sponsor.
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