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Heilbronn

Heilbronner Richter hat mit den harten Fällen gleich alle Hände voll zu tun

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Richter Dr. Martin Liebisch ist seit 1. August neuer Vorsitzender der Schwurgerichtskammer im Landgericht Heilbronn. Seiner Verantwortung ist er sich bewusst.

Für Richter Dr. Martin Liebisch ist Menschenkenntnis wichtig. Seine Entscheidungen fällt er aber streng nach Faktenlage.
Foto: Ralf Seidel
Für Richter Dr. Martin Liebisch ist Menschenkenntnis wichtig. Seine Entscheidungen fällt er aber streng nach Faktenlage. Foto: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Recht und Gesetz sind Dr. Martin Liebisch ein besonderes Anliegen. "Unser gesamtes Leben wird dadurch geordnet", sagt der 48-jährige Jurist. Seit 1. August ist der gebürtige Stuttgarter neuer Vorsitzender Richter der ersten Schwurgerichtskammer, der ersten Großen Jugendkammer und der ersten Großen Strafkammer im Landgericht Heilbronn. "Ich habe großen Respekt vor der Aufgabe und bin mir der Verantwortung bewusst."

Schnörkellos und zielgerichtet

Als Vorsitzender Richter leitet Liebisch nicht nur die Strafprozesse. Er befragt im Gerichtssaal Angeklagte und Zeugen gleichermaßen und erteilt den Prozessbeteiligten das Wort. Schnörkellos und zielgerichtet. Am Ende verkündet er das Urteil im Namen des Volkes und begründet die Entscheidung, die er gemeinsam mit zwei weiteren Berufsrichtern und zwei Schöffen getroffen hat. Auch wenn dabei immer wieder alle Augen im Gerichtssaal auf ihn gerichtet sind, zieht es Liebisch nicht in den Mittelpunkt. "Ich stehe eigentlich nicht gerne in der Öffentlichkeit", sagt der Familienvater.

15 Monate Zivildienst bei Nichtsesshaftenhilfe

Geboren ist der Jurist in der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Aufgewachsen und zur Schule gegangen ist er aber im Raum Backnang. Dort hat der Richter sein Abitur gemacht, bevor ihn der Zivildienst 15 Monate lang in die Nichtsesshaftenhilfe des diakonischen Sozialunternehmens Erlacher Höhe in Großerlach führte.

Promotion im Arbeitsrecht

Nach dem sozialen Dienst nahm Liebisch 1995 sein Jurastudium auf und hielt während der fünf Jahre der Universität in Freiburg die Treue. In seiner Promotion beschäftigte er sich mit Arbeitsrecht. Während dieser Zeit absolvierte Liebisch bereits sein Referendariat in Stuttgart.

Entscheidungen streng nach Faktenlage

Menschenkenntnis brauche man als Richter, ist Liebisch sicher. Auch müsse man mit Leuten umgehen können. Von Bauchgefühl, Instinkt oder Gespür lasse er sich aber ebenso wenig leiten wie von Sympathie oder Antipathie. Eine Entscheidung dürfe man nur aus Überzeugung treffen, steht für den Richter fest. Die wiederum müsse auf klaren Fakten beruhen. Es gehe ja schließlich darum, Regeln durchzusetzen und auch dafür zu sorgen, dass Leute zu ihrem Recht kommen.

2004 fing Liebisch als Zivilrichter in Heilbronn an. Es folgte ein Jahr bei der Heilbronner Staatsanwaltschaft. Danach arbeitete er ein gutes Jahr als Straf- und Familienrichter beim Amtsgericht Besigheim, um schließlich 2008 als Richter im Strafbereich ins Landgericht Heilbronn zurückzukehren.

Sport ist Ausgleich in der Freizeit

Nach der Ferienzeit drängen viele Verfahren. So hat Liebisch als Vorsitzender der Schwurgerichtskammer mit den harten Fällen gleich alle Hände voll zu tun. Laut Anklageschriften mit Totschlag, versuchtem Totschlag, Körperverletzung, Misshandlung und Sachbeschädigung. "Ich zähle meine Arbeitsstunden nicht", sagt er. Als Ausgleich macht er in seiner Freizeit viel Sport. Am liebsten Laufen, Radfahren und Schwimmen.

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