Zu Sachbeschädigungen durch Graffiti werden polizeilich in der Statistik mehrere Komponenten zusammengefasst. Dazu zählen einfach gelagerte Sachbeschädigung, gemeinschaftliche Sachbeschädigung, Sachbeschädigung Kfz und sonstige Sachbeschädigung durch Graffiti. Um Jugendliche aus der Szene zu holen, läuft ein beim „Haus des Jugendrechts“ (HDJR) angesiedeltes Projekt „Tatortreiniger“. Dabei werden im Rahmen pädagogisch begleiteter Sozialstunden Graffiti entfernt. Ein entsprechend ausgerüstetes Fahrzeug hat der Förderverein des HdJR finanziert.
Graffiti-Ärger in Heilbronn: Ex-Telekom-Gebäude nach aufwendiger Sanierung beschädigt
In Heilbronn haben Unbekannte das frisch sanierte Ex-Telekom-Gebäude mit Graffiti beschädigt. Der Eigentümer zeigt sich angesichts des Vandalismus schockiert und fordert Konsequenzen.
Für den Eigentümer war es ein Schock. Der Mann, der namentlich nicht genannt werden will, hatte das markante ehemalige Telekom-Gebäude in der Heilbronner Oststraße 126 im Jahr 2015 gekauft und seither aufwendig saniert. Die Fassade hatte das renommierte Stuttgarter Architektenbüro Blocher Partners entwickelt und mit Le Corbusier-Farben gestaltet.
Auch die Technik des neungeschossigen Gebäudes war saniert worden. "Zum Ende des Jahres war alles fertig, dann kamen die Schmierfinken", ärgert sich der Investor. Zwischen dem ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag wurde das unterste Stockwerk des Gebäudes rundum von Sprayern beschmiert. Auch die Mauer zum Parkplatz und zum Nebengebäude wurde nicht verschont. Eine Woche später wurden im Umfeld weitere Gebäude beschmiert.
Ermittlungen ohne Spur: Polizei Heilbronn sieht geringe Aufklärungsquote bei Graffiti
"Wenn ich das jetzt reinigen lasse, kostet es mehr als 10.000 Euro, ärgert sich der Hausbesitzer. Bevor er die Beseitigung in Auftrag gibt, hofft Lange dass die Täter gefasst werden. Doch die Chancen dafür stehen bei Sprayer-Delikten generell schlecht. "Der oder die Täter konnten bislang nicht ermittelt werden. Erfolgversprechende Ermittlungsansätze liegen hier nicht vor", zieht Frank Belz, Sprecher der Polizeidirektion Heilbronn, eine ernüchternde Bilanz.

Das liegt auch an den Umständen wie diese Sachbeschädigungen, wie Graffiti strafrechtlich bewertet werden, ausgeführt werden. "Das sind meist schnell ausgeführte Taten, die nachts und in unbeobachteten Bereichen durchgeführt werden", erläutert Belz. In der Regel tragen Täter Masken und Handschuhe und hinterlassen keine oder kaum verwertbare Spuren. In der Szene herrsche zudem eine Schweigekultur. Das Verraten von Tätern werde als absolutes Tabu betrachtet.
Da ist es kein Trost, dass die Taten im Jahr 2025 im Stadtkreis Heilbronn leicht über dem Vorjahrszeitraum liegen. Auch im Landkreis haben sie leicht zugenommen. Allerdings liegen sie unter dem Schnitt der Jahre 2020, 2021 und 2022.
Polizei Heilbronn: Graffiti haben geringere Ermittlungspriorität im Vergleich zu schweren Straftaten
Auch die Buchstaben und Wörter, die an die Wände geschmiert wurden, dürften der Polizei wenig helfen. Begriffe wie ELK OJE, Tuef oder 29er sind in Heilbronn häufig zu finden und können Tätern schwer zugeordnet werden. Das gilt auch für eine auffällige Schmiererei an der Mauer zum Parkplatz, die im Bubble-Style den violetten Schriftzug Monie zeigt. Zudem haben Graffiti in der Hierarchie der Polizei eine geringere Ermittlungspriorität im Vergleich zu schweren Straftaten.
"Aufwendige Ermittlungsmaßnahmen sind rechtlich oft unverhältnismäßig. Ein Tatnachweis, selbst bei einem ähnlichen Schreibstil des ,Tags" ist schwer gerichtsfest zu führen", erläutert Frank Belz. Tags steht in der Szenesprache für das Pseudonym des Täters.
Kosten und Frust in Heilbronn: Eigentümer fordert härteres Vorgehen gegen Sprayer
Für die Hausbesitzer ist das schwer nachvollziehbar. "Es muss doch möglich sein, die Täter zu finden, die Szene in Heilbronn kann doch nicht groß sein", kritisiert der Betroffene. Für ihn müsste generell der Druck auf die Szene der Graffiti-Sprayer erhöht werden. "Wenn ich höre, dass diese Schmierer als Künstler bezeichnet werden, dann vergeht mir echt die Lust", ärgert er sich.
Auch die Polizei stört es, wenn die Delikte in der Öffentlichkeit verharmlost werden. Hier sei ein Umdenken notwendig, betont Frank Belz. "Wenn man Graffiti-Schmierereien pauschal verharmlost oder die Täter reflexhaft zu ,Künstlern" erklärt, sollte man bedenken, dass die Geschädigten in der Regel Privatpersonen, Kommunen, kleine Betriebe oder Wohnbaugesellschaften sind, die die Kosten der Farbschmierereien bezahlen und damit Mieter und Steuerzahler", sagt Belz.
Der Besitzer des Telekom-Gebäudes will sich jetzt eine Videoanlage kaufen. Ob die die Schmierer künftig abhalten wird, garantiert aber niemand.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare