Gewerbe-Baulücken in Heilbronn besser nutzen und damit Äcker schonen
Innerhalb der Gewerbegebiete von Heilbronn gibt es 51,7 Hektar freie Flächen. Doch auch sie können den Bedarf für Firmenansiedlungen nicht auffangen.

Der Bedarf an Gewerbeflächen wächst in Heilbronn bis 2025 laut Prognose um 72,1 Hektar (ha). Das ist die vierfache Größe der Nettobau-fläche in den Steinäckern, wo mit dem Innovationspark Künstliche Intelligenz (KI) Baden-Württemberg das letzte große Gewerbegebiet von Heilbronn überbaut wird. Gleichzeitig klaffen innerhalb mancher Gebiete Baulücken, die die Stadt auf 51,7 ha beziffert. Unterm Strich fehlen theoretisch also 20,4 ha. Zudem beklagt die Landwirtschaft einen zunehmenden Verlust an Ackerflächen, auch Naturschutzverbände warnen vor Flächenfraß.
Dickes Grundlagenpapier
Vor diesem Hintergrund hakte die CDU im Gemeinderat nach. Das Planungs- und Baurechtsamt antwortet jetzt mit einem dicken Strategiepapier. "Innen- vor Außenentwicklung" nennt Amtschef Dr. Christoph Böhmer einmal mehr als Credo der Stadtentwicklung. Laut Kataster gebe es in der Stadt genau 111 gewerbliche Baulücken mit insgesamt 51,7 ha Fläche. Nur 16 Prozent davon gehörten aber der Stadt. Sie würden zur strategischen Wirtschaftsförderung vorgehalten, seien aber fast komplett vergeben. Das zeige: "Allein durch Nachverdichtung und Baulückenaktivierung lässt sich der Mangel an gewerblichen Bauflächen nicht beheben." Damit Heilbronn seine oberzentralen Funktionen weiter erfülle, sei "eine maßvolle Flächenvorhaltung" für Betriebsneuansiedlungen notwendig, besonders für zukunftsorientierte Firmen.
Manche Betriebe hielten bewusst Teilfläche frei, um am Standort wachsen zu können, was im Sinne kurzer Wege auch okay sei. Zudem seien solche Freiflächen oft von außen gar nicht zugänglich. Ein Verkaufszwang sei rechtlich ausgeschlossen. Wenn die Stadt aber eine Fläche verkaufe, könne man damit ein Wiederkaufsrecht bei Nichtbebauung verknüpfen, so Böhmer.
Potenzial auf Parkplätzen
Außerdem sieht er auch Nachverdichtungspotenziale, etwa auf Parkplätzen oder über Flachbauten. Das Amt für Liegenschaften und Stadterneuerung betreibe hier über Absprachen ein gewisses Flächenmanagement. Böhmer: "Für ein darüberhinausgehendes Engagement stehen derzeit aber keine Personalressourcen zur Verfügung."
Auf gesamtstädtischer Ebene greifen Entwicklungskonzepte wie das Märkte- und Zentrenkonzept oder das Vergnügungsstätten- und Prostitutionsgewerbekonzept. Hier wolle man an "sensiblen Standorten nutzungsstrukturelle Konflikte und städtebauliche Fehlentwicklungen" abwenden, erklärt Böhmer.
Ein wichtiges Steuerungsinstrument seien städtische Bebauungspläne. Bei der Ausweisung müsse man etliche Aspekte unter einen Hut bekommen: Raumordnung, Boden, Natur und Landschaft, Artenschutz, Klimaschutz, Landwirtschaft, Erschließungsaufwand, Eigentumsverhältnisse oder etwa der Immissionsschutz.
Zuletzt habe die Stadt folgende Gewerbegebiete entwickelt: Böckingen-Nord (2020), Böckingen-West/Hüttberg (2019), Mühlberg/Weirach III (2018), Böllinger Höfe Nord (2016), Kolpingstraße 120 (2015), Nördlich Steinäckerstraße (2014), Böllinger Höfe Süd (2013), Eisbiegel (2012), Wohlgelegen (2012). Wobei Böhmer zu bedenken gibt, dass der Fokus derzeit "immer noch auf der Schaffung neuen Wohnraums" liegt.
Geplante Gewerbegebiete
Als aktuell projektierte Gewerbegebiete nennt Böhmer neben den 21,7 ha umfassenden Steinäckern, wo östlich der Böllinger Höfe der Innovationspark KI entsteht, das Gewann Lauffener Straße (17 ha) in Sontheim-Süd. Es grenze ans Talheimer Gewerbegebiet Rauher Stich an und an Flein (11,7 ha). So würde sich der Bereich als interkommunales Gewerbegebiet eignen, wobei solche nicht zwangsläufig an Gemarkungsgrenzen liegen müssten, außerdem könnten sie auch von einer Gemeinde allein oder von einem Zweckverband verwaltet werden.
Böckingen West soll um 1,8 ha bis zur Gemarkungsgrenze erweitert werden, wo Leingarten auf 3,5 ha das Gewerbegebiet Hipperich plant, das über Böckingen West erschlossen werde. Dann sei noch das Gewerbegebiet Schifftal (9,3 ha) geplant, östlich von Mühlberg-Weirach in Biberach.
Grunderwerb wird immer schwieriger
In diesen Plangebieten ist die Stadt nur "in sehr geringem Maß" Eigentümerin der Flächen. Aktuelle Erfahrungen zeigen, dass wegen zunehmender Flächenkonkurrenz zwischen Landwirtschaft und Siedlungsentwicklung der Grunderwerb immer schwieriger wird.


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