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Heilbronn

Einkaufsspaß zwischen Kittelschürzen und Schimmelspray

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Der Heilbronner Pferdemarkt zog am Wochenende wieder Tausende Besucher an. Die skurrilen Produkte und die Sprüche der Verkäufer machen das besondere Flair aus. Noch bis einschließlich Montag kann man durch die Budengassen rund um die Harmonie bummeln.

von Carsten Friese

In den Budengassen mit den teilweise skurrilen Produkten wird es wieder eng: Beim Auftakt des Heilbronner Pferdemarkts bummeln am Samstag Tausende Besucher an den rund 400 Ständen entlang. Das besondere Krämermarkttreiben in der Innenstadt hat auch in der 251. Auflage nichts von seiner Anziehungskraft verloren.

Die urigen Produkte sind das eine. „Die Leute sehnen sich nach Begegnung, wollen handeln, feilschen und Spaß beim Einkauf haben“, fasst Heilbronn-Marketing-Geschäftsführer Steffen Schoch zusammen. Und die Vielfalt der nicht-alltäglichen Angebote fällt ins Auge.

Händler aus ganz Deutschland bieten bunte Produktvielfalt

Besen und Spezialbürsten, Pferdebalsam und Teufelskrallensalbe, Schimmelspray oder Wachstischdecken, Präzisions-Nagelhautscheren und metallene Ohrreiniger gibt es hier; Reisigbesen, Klangschalen, Gemüsehobel oder Honigshampoo neben Gusspfannen, Schallplatten, Spezial-Fensterputzsets, Motorsensen, gemusterten Kittelschürzen oder Unterwäsche mit Eingriff.

Händler aus ganz Deutschland sind angereist. Und die Sprüche der Verkäufer, die ihre Waren anpreisen, sind dabei auch Unterhaltung. „Dieser Glanz, dieser Rücken, dieser Wuchs – das ist unglaublich“, sagt Aal-Volker aus Recklinghausen, als er einer Kundin einen Fisch verpackt. Von einer Räucherei am IJsselmeer in Holland bezieht er seine Ware und lobt deren gleichbleibende Qualität.
 
In zwei Sekunden 20 Gurkenscheiben gehobelt
 
Ein paar Meter weiter zeigt ein Händler mit einem besonderen Edelstahl-Gemüsehobel mit vier Messern, wie er in maximal zwei Sekunden 20 Gurkenscheiben schneidet und dann mit anderen Einsätzen Knoblauch oder Parmesan zerteilt. Erstmals dabei ist Sepp Haag vom Schliersee, der in einem drei Meter hohen Fass Spreewald-Gurken von Mango- bis Chili-Geschmack anbietet. Das Gurkenfass hat er selbst gebaut. „Es läuft gut an“, ist er nach den ersten Stunden zufrieden.

Auch Heidi Lautenbach aus Blaubeuren freut sich über die Kauflust der Kunden. Sie verkauft im „Knabber-Paul“ tütenweise Süßigkeiten, ist als Ersatz für Keks-Ronny eingesprungen, der auf einer Messe ist. Eine Tüte für zehn Euro haben gerade Heinz und Beate Sautter aus Heilbronn gekauft. Der Pferdemarkt ist für sie Pflicht. „Damit sind wir aufgewachsen, das ist Tradition“, erklärt Heinz Sautter. Und es gebe hier viele Produkte, „die man sonst nicht jeden Tag sieht“. Die Süßigkeiten seien natürlich für die Kinder, sagt Ehefrau Beate und lacht.

Auch Nicht-Stammkunden finden spontan etwas für zu Hause
 
Mit einem tropffreien Abzieher für Fenster und Fliesen und zwei großen Gouda-Stücken flanieren die Böckinger Norwin und Carmen Frank über den Pferdemarkt. Sonst sind sie keine Stammgäste hier. Beim Käse waren sie von Aussehen und Preis angetan, der Abzieher mit der besonderen Technik hat sie überzeugt. Jetzt gehen sie „nicht unzufrieden“ nach Hause.

Öffnungszeiten

Am Montag ist der Pferdemarkt von 10 bis 18 Uhr geöffnet. 

Auch der frühere Polizeipräsident Hartmut Grasmück ist aus Brackenheim mit seiner Gattin zu einem Bummel gekommen. Er war schon erfolgreich, zeigt einen erworbenen Abflussstopfen für die Spüle daheim. Einen einfach zu lösenden Zusatzhaken für den Schlüsselbund sucht er jetzt noch.

Ein Unikum ist der Stand von Anette Weinschenk aus Fichtenau. Über hundert bunt gemusterte Kittelschürzen hat sie im Angebot, Baumwollware, die es in Geschäften heute kaum noch gibt. Stammkunden kämen ganz gezielt, in erster Linie im Alter 50 plus, erzählt sie. Aber auch Jüngere würden sich für Halbschürzen interessieren. Was für sie das Besondere des Marktes ist? „Es sind schon sehr treue Kunden hier.“

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