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Heilbronn

Wie es in Corona-Zeiten in einem Heilbronner Zeitungskiosk zugeht

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Verkäuferinnen in Heilbronner Zeitungsgeschäften berichten, was die Lockdown-Zeit für Herausforderungen mit sich bringt.

Von Linda Saxena
"Momentan sind vor allem Rätselhefte beliebt", erzählt Verkäuferin Georgia Georgakaki und zeigt einige Exemplare.
Foto: Linda Saxena
"Momentan sind vor allem Rätselhefte beliebt", erzählt Verkäuferin Georgia Georgakaki und zeigt einige Exemplare. Foto: Linda Saxena  Foto: Linda Saxena

In der Heilbronner Stadtgalerie herrscht kaum Betrieb, nur wenige Geschäfte dürfen während des Lockdowns öffnen. Zu den Geschäften des täglichen Bedarfs zählt unter anderem der kleine Zeitungskiosk "Cigo Heilbronn" – eine Anlaufstelle für viele Bewohner der Innenstadt. Wie das morgendliche Brötchenholen, gehört der Kauf der neuesten Ausgabe der Lieblingszeitung oder -zeitschrift für viele zum Alltag dazu.

"Morgens werden mehr Zeitschriften und Zeitungen verkauft, nachmittags dann Tabak", berichtet Verkäuferin Georgia Georgakaki. Die 45-Jährige steht hinter einer Plexiglasscheibe an der Kasse und hat für jeden Kunden ein offenes Ohr. Das Thema Nummer eins: Corona und der Lockdown. "Das macht 90 Prozent der Gespräche aus", sagt sie. "Die Leute sind frustriert und sie fragen, wann das wieder aufhört."

Kunden sprechen über Probleme und Sorgen 

Zwar komme weniger Laufkundschaft, dafür aber eine feste Anzahl an Stammkunden aus der näheren Umgebung in das Zeitungsgeschäft. Für die Verkäuferin ist der Kundenkontakt in diesen Zeiten wichtiger denn je. "Die älteren Leute brauchen das, wenn sie daheim allein sind und niemanden zum Sprechen haben," erklärt sie. "Es tut Ihnen gut."

Viele Kunden würden von eigenen Erfahrungen oder von Corona-Infektionen aus dem Bekanntenkreis berichten, über ihre Probleme und Sorgen sprechen, aber auch darüber, "gesund zu bleiben", erzählt Georgakaki, die seit anderthalb Jahren in dem kleinen Laden arbeitet, in dem auch Süßwaren und Grußkarten erworben werden können. "Ich bin glücklich, dass ich arbeiten kann, und froh, dass wir offenbleiben können", sagt sie und blickt hinaus in die verdunkelte Passage der Stadtgalerie. "Aber es tut halt weh, dass man sieht, dass es in den anderen Läden nicht läuft", sagt sie und deutet auf die geschlossenen Läden.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich in der Sülmerstraße ab. Die Geschäfte sind geschlossen, nur wenige Passanten unterwegs. Ein 25-jähriger Heilbronner verlässt gerade den Zeitschriftenkiosk von Irina Faber. "Mir wäre es wichtiger, dass alles öffnen würde", sagt der 25-Jährige, der im Sicherheitsdienst tätig ist und seinen Namen nicht veröffentlichen möchte. "Man kann nicht viel machen, die Leute erledigen ihre Besorgungen", stellt er fest. Im Zeitungs-, Lotto und Souvenirladen hält Inhaberin Irina Faber (48) die Stellung. Zwei Personen dürfen gleichzeitig das Geschäft betreten, der Rest muss draußen warten. "Darum sind nicht immer Gespräche möglich", bedauert Faber.

Angst vor wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen

Viele Kunden berichten von ihren Sorgen, manche weinen im Laden. "Die meisten haben keine Angst davor, krank zu werden, sondern vor den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen der Pandemie", sagt die Inhaberin. Sie beobachtet, dass die Kunden alle freundlich sind, zurzeit mehr Trinkgeld als sonst geben, aber sich trotzdem eine depressive Stimmung bemerkbar macht. Das geht nicht spurlos an der 48-Jährigen vorbei. "Ich sage immer: Kopf hoch", so Faber und schenkt jedem Kunden ein Lächeln. "Aber abends bin ich sehr erschöpft." Gerade ältere Menschen seien im Lockdown einsam, manchmal "bin ich die Einzige, die sie am Tag sehen", sagt Faber. Verhalten blickt sie in die Zukunft – "wer weiß, was noch kommen wird."

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